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Feuerwehrmuseum ist das beste im Osten

Der Weltfeuerwehrverband CTIF hat die Einrichtung zertifiziert. Die kämpft trotzdem mit den Finanzen.

Von Antje Steglich

Eine „Erfolgsstory – made in Zeithain“ nennt Rolf Schamberger das Sächsische Feuerwehrmuseum Zeithain. Und der Leiter des Deutschen Feuerwehrmuseums im hessischen Fulda kommt gar nicht mehr aus dem Schwärmen heraus, wenn er über die Einrichtung spricht. Zwar gebe es eine Reihe guter Institutionen in Ostdeutschland wie in Grethen oder Eisenhüttenstadt, aber Zeithain wäre das Leitmuseum und eine Pflicht für jeden Feuerwehrfan zwischen sechs und 86. Die Fahrzeuge sind perfekt restauriert, das Konzept strukturiert und das Museum keine wilde Sammlung, die alles entgegennimmt, so Rolf Schamberger. Zudem vermittelt es Geschichte und die Leistungen der Brandschützer, was es von einer reinen Fahrzeugschau unterscheidet. Deshalb wurde es jetzt auch vom Weltfeuerverband zertifiziert und die Plakette von Rolf Schamberger als Mitglied der CTIF-Kommission am Wochenende zum 30. Geburtstag der AG Feuerwehrhistorik Riesa überreicht.

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„Das ist für uns Anerkennung, eine ideelle Geschichte“, freut sich der Vorsitzende des Vereins Siegfried Bossack. Ehrenamtlich führen die 105 Vereinsmitglieder das Feuerwehrmuseum auf der Hauptstraße und die feuerwehrtechnischen Sammlungen auf der Abendrothstraße in Zeithain sowie die Feuerwehrhistorische Ausstellung in Schmannewitz. Dabei sei es eigentlich nie Ziel des Vereins gewesen, ein Museum zu eröffnen. 1984 gründete sich die feuerwehrbegeisterte Bürgergemeinschaft unter dem Dach des Kulturbundes der DDR und reiste mit den Fahrzeugen zu Umzügen und Festen, die Vehikel standen in Gerätehäusern und Scheunen in der ganzen Region verstreut. „Doch viele Leute kamen auch übers Jahr und wollten sich das ansehen“, erinnert sich Siegfried Bossack, der mit seinem restaurierten Feuerwehranhänger TSA Flader, Baujahr 1937, den Grundstein der Sammlung legte. „Wir bekamen zwar Unterstützung, aber haben wollte uns keiner. Das Alte wurde eher entsorgt, für uns gab es nur ein müdes Lächeln.“ Mit dem Dreiseithof auf der Hauptstraße in Zeithain gelang allerdings ein Glücksgriff. 1994 wurde hier das Sächsische Feuerwehrmuseum eröffnet, das mittlerweile bis zu 1 400 Gäste im Jahr besuchen. Der Fundus ist auf etwa 200 Fahrzeuge angewachsen: Das kleinste ist ein Dienstfahrrad, das größte ein Tatra-Sonderlöschfahrzeug, das älteste eine Handdruckspritze anno 1876.

Dass so eine Institution allein mit ehrenamtlicher Arbeit geschaffen wurde, ist für Rolf Schamberger das besonders Faszinierende an Zeithain. Weltweit gibt es aufgrund der strengen Regularien nur fünf weitere CTIF-zertifizierten Museen – im polnischen Myslowice, im tschechischen Pribislav, in Fulda, Winnenden und Norderstedt –, und die werden überwiegend von öffentlicher Hand unterstützt. Die Mitglieder der Zeithainer AG seien mit ihren einzelnen Gruppen aber nicht nur strukturiert wie bei der Feuerwehr, erklärt Siegfried Bossack das Erfolgsgeheimnis, sondern eben auch positiv „bekloppt“. Neben Familie, Beruf und oft auch Freiwilliger Feuerwehr würden sie viele Stunden leisten und oft noch draufzahlen. Über Zuwendungen würde man sich deshalb schon freuen, doch die sind schwer zu bekommen. Die Gemeinde unterstützt mit Sachleistungen, hat aber ihre Vereinszuschüsse gestrichen. Das wiederum hemmt bei der Fördermittelbeschaffung. Denn zwar sei mit Blick auf die museumspädagogische Arbeit eine Förderung über den Kulturraum möglich, so die Sprecherin des Landkreises Kerstin Thöns, allerdings nur mit Beteiligung der Sitzgemeinde – also Zeithain. „Aufgrund der schwierigen finanziellen Situation der Gemeinde war dies zunächst nicht möglich. Jetzt gibt es wohl eine Lösung“, so Kerstin Thöns. Schließlich liegt das Museum sowohl dem Landrat als auch dem Bürgermeister sehr am Herzen.