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Fiel ist gerade jetzt der Richtige

Nach fünf Niederlagen in Folge ist Dynamo Schlusslicht der zweiten Liga. Trotzdem muss der Verein am Trainer festhalten, sagt SZ-Redakteur Tino Meyer. Ein Kommentar.

SZ-Redakteur Tino Meyer
SZ-Redakteur Tino Meyer © Robert Michael/dpa; Montage: SZ-Bildstelle

Das frühe Gegentor, das am Sonntag Dynamos 1:3-Niederlage in Stuttgart einleitete und sich zum x-ten Mal in dieser Saison auf einen groben individuellen Fehler zurückführen ließ, hat Cristian Fiel mit einem Krampf zu Beginn des Marathonlaufs verglichen. Denn während man in so einer misslichen Lage bemüht ist, die Muskulatur wieder zu lockern, rennt die Konkurrenz davon. Schlimmer noch: Der einmal eingehandelte Rückstand, betonte Dresdens Trainer, lasse sich bis ins Ziel nicht mehr aufholen.

Das stimmt – und auch wieder nicht. Mit einem Krampf können die Symptome von Dynamos anhaltendem sportlichen Niedergang nicht erklärt werden, sie deuten eher auf etwas Schmerzhafteres, Langwierigeres hin. Vielleicht doch ein Ermüdungsbruch? Oder sogar das Herz?

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Mit ein bisschen Dehnung ist da auf die Schnelle nichts zu machen, es braucht den Eingriff eines Fachmanns. Nur stellt sich, insbesondere auch angesichts der dramatischen Entwicklung in der Tabelle, die Frage, ob der behandelnde Arzt dafür noch der richtige ist.

Klare Antwort: Ja, Fiel ist es noch. Wobei das mit dem leidenschaftlich-engagierten und nicht minder stolzen Spanier, der Dynamo tatsächlich lebt und liebt, nicht allein zu tun hat. Es liegt auch an der komplizierten Gemengelage. Denn wer sollte den Trainer jetzt überhaupt entlassen? Sportchef Ralf Minge hat seine Zukunft direkt mit Fiel verbunden. Eher würde er seine eigene Person infrage stellen, sagte Minge bei Fiels Amtsantritt im Februar.

Doch Dynamo ohne Minge – derzeit unvorstellbar, auch wenn der Sportgeschäftsführer seit seiner Rückkehr nach der krankheitsbedingten Auszeit vor gut einem Jahr nicht mehr die glücklichste Figur macht. Trotzdem ist Minge nach wie vor und fast mehr denn je das Gesicht des Vereins. Er ist in der jetzigen Konstellation nicht zuletzt der Einzige, der diesen für seine extremen atmosphärischen Ausschläge bekannten Klub zusammenhalten kann.

Auch, um Minge zu entlasten, sucht der Aufsichtsrat seit Monaten nun schon einen weiteren Geschäftsführer – wird eine Entscheidung aber erst in einigen Wochen treffen, nachdem am 16. November bei Dynamos Mitgliederversammlung die neuen Räte gewählt sind.

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Mit Fiel bietet sich die Möglichkeit, vorerst weiter auf Zeit zu spielen. Er genießt das Vertrauen der Mannschaft, den Zuspruch einflussreicher Fangruppen, wenngleich die von ihm gestellten hohen fußball-taktischen Anforderungen die einen wie die anderen womöglich überfordern. Einfacher spielen zu lassen, wäre ein Ansatzpunkt – mindestens aber krampflösend.

E-Mail an Tino Meyer

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