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"Fielo weiß schon, was er an mir hat"

Eigentlich ist Patrick Wiegers aktive Karriere bei Dynamo als Torwart Nummer drei beendet. Warum er trotzdem weiter macht - ein Interview.

Als klare Nummer drei bei Dynamo war Patrick Wiegers aktive Karriere schon beendet. Er sollte sich fit halten und sich wenn möglich um die Nachwuchstorhüter kümmern. Doch dann kam alles anders.
Als klare Nummer drei bei Dynamo war Patrick Wiegers aktive Karriere schon beendet. Er sollte sich fit halten und sich wenn möglich um die Nachwuchstorhüter kümmern. Doch dann kam alles anders. © Lutz Hentschel

Ob die T-Frage bei Dynamo wirklich bereits entschieden ist? Cheftrainer Cristian Fiel sagt zwar, er wisse, wer am Samstag im ersten Saisonspiel gegen Nürnberg im Tor stehe. Und vieles deutet tatsächlich auf Kevin Broll hin, den Neuzugang aus Großaspach. Allerdings hat der am vergangenen Samstag bei der 2:3-Niederlage im geheimen Testspiel gegen Fürth zwei Gegentore mindestens mitverschuldet und sich tags darauf krankheitsbedingt von der Saisoneröffnung abgemeldet. 

Ist das also die Chance für Patrick Wiegers, der in der Vorsaison nach Fiels Amtsübernahme erst den Vorzug vor Tim Boss als Nummer zwei erhielt und dann nach der Degradierung von Markus Schubert die letzten drei Spiele im Tor stand? Ein Gespräch mit Wiegers – vor der Generalprobe geführt – über Chancen, Stärken und Starallüren im Fußball.

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Herr Wiegers, welches Gefühl haben Sie derzeit auf dem Platz?

Ein gutes. Ich muss ehrlich sagen, dass wir in den vergangenen Vorbereitungen nicht so intensiv gearbeitet haben, wie wir es diesmal machen. Das müssen wir uns selbst eingestehen. Und das haben wir ja auch immer wieder moniert, dass wir die letzten 15, 20 Minuten nicht mehr so marschieren konnten, wie wir uns das vorstellen. Das ist ein Fakt gewesen. Doch da sind wir einen deutlichen Schritt vorangegangen. Die Vorbereitung war sehr intensiv, sehr hart. Das ist die logische Konsequenz. Aber auch die Stimmung in der Mannschaft ist aktuell sehr positiv, ich habe momentan wenig zu beklagen.

Und wie würden Sie Ihre Rolle beschreiben: Herausforderer der jungen Talentierten oder doch eher der Verteidiger des Stammplatzes im Tor?

Ich bin weder die Nummer eins der Vorsaison, das war Markus Schubert, noch sehe ich mich als Herausforderer. Ich bin einer von drei Torhütern, der versucht, das Trainerteam von seiner Qualität und Leistung zu überzeugen. Natürlich will ich zeigen, was ich in die Mannschaft einbringen kann, damit sie erfolgreich ist. Das ist das, was ich täglich tun kann, was in meinen Kräften steht. Und das ist das, was ich seit meinem ersten Tag in Dresden versuche.

Sie sagen, Sie sind nicht die Nummer eins gewesen. Aber nach Schuberts Degradierung haben Sie die letzten drei Spiele der Vorsaison im Tor gestanden – und nicht Tim Boss.

Ich glaube, dass mir das, was ich in den vergangenen fünf Jahren eingebracht habe, in den letzten drei Spielen ein Stück weit zurückgezahlt wurde. Ich habe mich immer in den Dienst der Mannschaft gestellt und weniger eigene Ansprüche angemeldet.

Wie halten Sie es diesmal?

Ich mache weiter mein Ding, so gut ich es kann. Alles Weitere werden wir am Samstag im ersten Spiel sehen.

Achten Sie auch auf Kleinigkeiten wie etwa, wer wie viele Minuten in Testspielen im Tor steht, wer wie oft bei Spielformen im Training?

Na klar, im Unterbewusstsein nimmst du so etwas auf und machst dir auch deine Gedanken. Aber eigentlich ist das alles völlig egal, denn von jetzt auf gleich kann irgendetwas passieren und dann musst du funktionieren. Da kannst du dich nicht damit beschäftigen, in welcher Mannschaft du beim Trainingsspiel gewesen bist.

Der 29-jährige Patrick Wiegers auf der einen und Tim Boss, 26, sowie Kevin Broll, 23, auf der anderen Seite? Das Bild täuscht, im Training arbeiten alle drei zusammen.
Der 29-jährige Patrick Wiegers auf der einen und Tim Boss, 26, sowie Kevin Broll, 23, auf der anderen Seite? Das Bild täuscht, im Training arbeiten alle drei zusammen. © Lutz Hentschel

Wie gehen Sie in die Saison?

So wie ich es inzwischen seit Jahren mache: Bestmöglich vorbereitet sein auf den Moment, an dem ich gebraucht werde.

Ist das womöglich Ihr Vorteil, weil Fiel das weiß aus Erfahrung der Vorsaison?

Mit Sicherheit. Der Fielo weiß schon, was er an mir hat. Wenn er mich ins Tor stellt, weiß er, was er kriegt. Er kennt mich, und das noch aus seiner Zeit als Spieler. In den drei Spielen konnte ich es noch mal zeigen. Ich habe kein Problem damit, vor 30.000 Leuten zu spielen. Nur darauf verlassen oder darauf ausruhen kann ich mich nicht.

De facto war ja Ihre aktive Karriere schon beendet, hinter Schubert und Boss waren Sie die klare Nummer drei, sollten sich fit halten und wenn möglich um die Nachwuchstorhüter kümmern. Doch dann kam alles anders, und das nicht zum ersten Mal. Müssen Sie sich manchmal selbst zwicken?

Nein, nicht wirklich. Ich war zum einen immer im Training dabei, zum anderen habe ich meine Handschuhe ja nicht an den Nagel gehängt, nur weil ich nicht als Nummer eins auf dem Feld stehe. Das war nie meine Intension, und ich war auch nie auf der Flucht zu einem anderen Verein, um ein schöneres sportliches Leben zu haben.

Warum eigentlich nicht?

Für mich zählt viel mehr als nur der persönliche Erfolg, für mich zählt die Mannschaft. Denn Fußball ist ein Mannschaftssport. Da bin ich vielleicht heutzutage die Ausnahme, weil sich jeder als denjenigen sieht, der unbedingt eine große Karriere machen muss. Ich betrachte mich schon immer als einen von vielen in der Mannschaft. Und wenn die erfolgreich ist, bin ich auch zufrieden. Noch dazu kommt natürlich meine private Situation, die sich in Dresden ergeben hat, die mich absolut beruhigt und komplett erfüllt.

Könnte sich Ihre Einstellung nicht als Nachteil entpuppen? Der Trainer weiß das ja auch, dass Sie nicht protestieren, wenn Sie wieder auf die Bank müssen oder gar auf die Tribüne.

Ich sehe das überhaupt nicht als Nachteil. Vielmehr habe ich den Eindruck, dass es immer schwieriger wird, solche Typen zu finden, die sich selbst unterordnen und den Mannschaftserfolg in den Vordergrund rücken – und das dann auch so leben.

Wie sieht das konkret aus?

Es geht darum, der Mannschaft ein gutes Gefühl zu geben und sie zu unterstützen, auch wenn man keinen Stammplatz hat und andere die Starrolle besetzen. Wie gesagt, ich sehe da keinen Nachteil. Fußball ist und bleibt ein Mannschaftssport. Wer denkt, er könne das alleine reißen, muss meiner Meinung nach zum Tennis gehen. Bei uns ist jeder auf den anderen angewiesen, alleine wird keiner ein Spiel gewinnen. Natürlich gibt es ein paar, die diese Qualität mitbringen und ein Spiel auch mitentscheiden können. Die dürfen sich dann mal einen Ausreißer erlauben. Aber es braucht eben immer auch eine Basis an Spielern, die eine Mannschaft zusammenhalten. Ich glaube, ich gehöre zu dieser Basis und fühle mich da auch sehr wohl.

Hat sich das Fußballgeschäft dahingehend verändert, dass es immer mehr Stars gibt, aber kaum noch diese Basis, von der Sie sprechen?

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Das Interview führte Tino Meyer.

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