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Großenhain

Fiese Briefkasten-Aktion gegen Schornsteinfeger

Post in Zabeltitz, Kleinthiemig, Bauda, Wildenhain und Walda sorgt jetzt für Unruhe. Sie wirkt, als käme sie vom Amt.

Schornsteinfegermeister Edmund Gnaudschun aus Zabeltitz bringt eigentlich das Glück ins Haus. Jetzt braucht er selber Hilfe.
Schornsteinfegermeister Edmund Gnaudschun aus Zabeltitz bringt eigentlich das Glück ins Haus. Jetzt braucht er selber Hilfe. ©  Anne Hübschmann

Zabeltitz. So viele Anrufe hat Schornsteinfeger Edmund Gnaudschun an einem Feiertag noch nie bekommen. Ausgerechnet am Tag der Arbeit war auf einer Postwurfsendung zu lesen, dass der beliebte Zabeltitzer Schornsteinfeger nicht mehr arbeite. „Ab sofort steht Schornsteinfegermeister Edmund Gnaudschun nicht mehr für Schornsteinfegerarbeiten zur Verfügung. 

Herr Gnaudschun übernimmt ausschließlich die Feuerstättenschau. Für die notwendigen, wiederkehrenden Kehr- und Überprüfungsarbeiten gemäß Feuerstättenbescheid beauftragen Sie bitte einen Schornsteinfeger Ihrer Wahl.“ Darunter sind zwei Firmen genannt, die sich gleich als erste völlig entsetzt bei ihrem Zabeltitzer Kollegen gemeldet haben. 

Rauf auf den Sattel

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Der hat das Schreiben sofort als Fake benannt und ins Netz gestellt. Und auch jedem Anrufer und jedem, der ihn anspricht, erklärt er: „Natürlich komme ich wie vereinbart zum Kehren.“ Trotzdem landet das Schreiben weiter in den Briefkästen der Kunden. In Zabeltitz auf der kompletten Hauptstraße, in Kleinthiemig auf der Großenhainer Straße und in Walda auf der Ringstraße. Auch in Wildenhain und Bauda wurden bis zum Nachmittag solchen Postwurfsendungen verteilt. Wer hat den Zusteller gesehen?

Denn das Schlimme daran ist: Die Postwurfsendung erweckt den Eindruck, als käme sie vom Amt. Denn wer immer sich die ganze Mühe macht, er verwendet das offizielle Logo des Landkreises Meißen im Anschreiben. Das könnte dem Täter allerdings zum Verhängnis werden, denn der Landkreis prüft nun eine Strafanzeige wegen Missbrauch des Dienstsiegels, so Helena Musall aus der Pressestelle der Kreisverwaltung. Bei der 

Polizei war Edmund Gnaudschun am Donnerstagvormittag auch. „Wenn jemand dermaßen viel Energie aufbringt, mir zu schaden, wird er damit ja nicht aufhören“, erklärt er. Aus Gesprächen mit Kollegen kennt er Situationen, wo Schornsteinfeger schon um Polizeischutz gebeten haben, um den hoheitlichen Teil ihrer Aufgaben wahrnehmen zu können. Eine höchst knifflige Situation und eine sehr unangenehme für die Männer, die nach alter Überlieferung eigentlich das Glück ins Haus bringen.

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Vielleicht hat jemand den Täter gesehen, als der die Flyer in die Briefkästen gesteckt hat?

Ob Edmund Gnaudschun eine Ahnung hat, wer ihm da so böse mitspielt? „Auf alle Fälle kein Kollege. Ein Eintrag ins Strafregister, und der Kehrbezirk ist weg“, erläutert Gnaudschun, „außerdem haben wir alle so viel zu tun, dass hier niemand auf die Idee käme, sich so aufzuführen.“ Schornsteinfeger Sven Demmerle, der als „Ersatzfirma“ sogar namentlich benannt ist, ist über diese Briefkasten-Aktion höchst erbost. „Das ist ein Unding. Wir arbeiten alle kollegial zusammen und dabei bleibt es auch“, sagt Demmerle.

Mit dem Logo des Landkreises versucht der Schreiber den Eindruck zu erwecken, es handele sich um Amtspost.
Mit dem Logo des Landkreises versucht der Schreiber den Eindruck zu erwecken, es handele sich um Amtspost. ©  Anne Hübschmann