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Görlitz bereitet Synagogeneröffnung vor

Für das zukünftige Kulturforum Görlitzer Synagoge entstehen zwei Filme und ein Multimediaguide. Dafür hat ein Team jetzt mit den Dreharbeiten begonnen.

Filmdreh im Mausoleum der Familie Katz auf dem jüdischen Friedhof in Görlitz für das zukünftige Kulturforum Görlitzer Synagoge.
Filmdreh im Mausoleum der Familie Katz auf dem jüdischen Friedhof in Görlitz für das zukünftige Kulturforum Görlitzer Synagoge. © Nikolai Schmidt

Die grüne Fülle des jüdischen Friedhofs, die alten Gräber mit den hebräischen Buchstaben, die Gegend um den Nikolaiturm, wo im Mittelalter viele Juden wohnten, die Alte Synagoge – all dies hat in den vergangenen Tagen ein Team der Weimarer Firma Musealis gefilmt. Und vieles mehr kommt noch dazu. 

Zwei Filme und einen Multimediaguide stellen die Ausstellungsprofis für das zukünftige "Kulturforum Görlitzer Synagoge" her. Unter diesem Namen soll die Synagoge in der Otto-Müller-Straße Ende dieses Jahres für Besucher wiedereröffnet werden. Die Firma, die unter anderem die Dauerausstellung für das Haus der Demokratie in Weimar produziert hat und Filme für die Bundesstiftung Aufarbeitung der SED-Diktatur drehte, gewann im März die Ausschreibung der Stadt Görlitz zu einer audiovisuellen Führung durch die Synagoge und der Herstellung zweier Filme.

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Beeindruckt von Görlitz

"Wir haben uns vor Drehbeginn intensiv mit der jüdischen Geschichte der Stadt Görlitz beschäftigt", sagt Dorothea Warneck, die Regisseurin des Vorhabens. Anfang Mai haben sie und ihre Kollegen Johannes Romeyke und Maren Reeb die Görlitzer Synagoge besucht und den Förderverein kennengelernt, der ihnen die Inhalte für die zukünftige Ausstellung zuarbeitete. Das Filmteam schaute sich auch schon einmal in der Stadt um und wählte erste Drehorte aus. "Wir sind sehr beeindruckt von Görlitz", sagt der Kameramann. 

Nun sei es ihre Aufgabe, die jüdische Geschichte der Stadt für ein breites Publikum mit vielen Bezügen zur Gegenwart so spannend zu erzählen und darzustellen, dass die Menschen nach dem Besuch der Synagoge eine lebhafte Vorstellung vom Leben der Juden in Görlitz haben, sagt Dorothea Warneck. "Zum anderen sollen sie Lust bekommen, auch die anderen Orte jüdischer Geschichte in der Stadt zu entdecken, von denen wir erzählen."

Film zur jüdischen Geschichte der Stadt

Die Kuppel der neuen Synagoge in Görlitz beeindruckt - zumal nach ihrer Wiederherstellung.
Die Kuppel der neuen Synagoge in Görlitz beeindruckt - zumal nach ihrer Wiederherstellung. © Jens Trenkler

In der Synagoge selbst konnte das Team bisher noch keine Aufnahmen machen, weil dort gerade gebaut wird und der Baustaub den Kameras schaden würde. Aber die drei Filmleute waren an Orten wie der Oberlausitzischen Bibliothek und dem Kaisertrutz, sprachen mit Görlitzern, die etwas zur Stadtgeschichte erzählen können. Im Ratsarchiv befragten sie dessen Leiter Siegfried Hoche und filmten historische Dokumente. Zum Beispiel solche, die über ein jüdisches Ritualbad, eine Mikwe, Aufschluss geben, das schon im 13. Jahrhundert in der heutigen Jüdenstraße 11 erwähnt ist, also ein paar Häuser neben dem "Jüdischen Bad" unter der Destille.

Bei Richard Jecht ist davon als "Judenbadestube" zu lesen. Da das Haus nach dem Stadtbrand von 1717 barock neu errichtet und das Bad damit überbaut wurde, ist davon heute aber nichts mehr zu sehen. Der Film zur jüdischen Geschichte der Stadt wird deshalb zu diesem Thema vor allem Außenaufnahmen aus der Jüden- und der Nikolaistraße zeigen.

Auch bei Rainer Michel in der Alten Synagoge auf der Langenstraße haben die Filmleute gedreht.
Auch bei Rainer Michel in der Alten Synagoge auf der Langenstraße haben die Filmleute gedreht. © Nikolai Schmidt

Nach der Vertreibung der Juden in der Pestzeit um 1350 und einem jahrhundertelangen Verbot, in Görlitz zu wohnen, siedelten sich erst im 19. Jahrhundert wieder Juden in Görlitz an, nach Abriss der alten Stadtmauer. Auch davon wird der Film erzählen. Ebenso von der aufstrebenden jüdischen Gemeinde, die sich für den Bau der Neuen Synagoge engagierte und einflussreiche, angesehene Mitglieder hatte; von der Verfolgung und Ermordung der Juden unter den Nazis; dem Verfall ihrer Sakralbauten in der DDR. Und schließlich von den Versuchen in den vergangenen 20 Jahren, wieder jüdisches Leben in Görlitz zu etablieren und das jüdische Erbe der Stadt zu bewahren. 

Film über bedeutende Görlitzer Juden

Im zweiten Film, den man als Besucher des Kulturforums Synagoge Görlitz schauen kann, will das Team einige Biografien von Görlitzer Juden näher beleuchten. "Dabei werden wir von ganz verschiedene Lebenswegen erzählen", sagt Regisseurin Dorothea Warneck. Mit der späteren Kinderbuchautorin Mira Lobe lässt sich eine jüdische Kindheit in Görlitz darstellen. Mit dem Anwalt und Schriftsteller Paul Mühsam jemand, der rechtzeitig 1933 nach Palästina auswanderte. Günther Friedländer verließ Görlitz ebenfalls nach Palästina und gründete den Pharmakonzerts Teva.

Der wohltätige Eisenwarenhändler Martin Ephraim gehörte zur ersten Generation Juden, die nach der Wiederansiedlung im 19. Jahrhundert in Görlitz geboren wurden, und später zu den Millionen, die in Konzentrationslagern ermordet wurden. Um ihm näher zu kommen, drehte das Team in der Südstadt, wo Ephraims Villa heute als Herberge dient und die Görlitzer Werkstätten sein Geschäftsgelände nutzen. Mit dem Rennfahrer Artur Schlesinger stellt das Filmteam einen Juden vor, den seine Ehe mit einer Nichtjüdin vor dem Holocaust rettete und der bis 1981 in Görlitz lebte. 

Mit Multimediaguides die Synagoge erkunden

Der Multimediaguide, den die Firma Musealis entwickelt, ist eine Art Tablet, mit dem man sich auf einer vorgeschlagenen Route durch die Synagoge bewegen kann, um das Gesehene mit Informationen zur Baugeschichte, zur jüdischen Symbolik und synagogaler Musik besser verstehen und vertiefen zu können. Damit lässt sich die Synagoge als architektonisches Baudenkmal entdecken, als Ort deutsch-jüdischer Geschichte und als ehemaliges Zentrum jüdisch-religiösen Lebens entdecken.

Ende Juni werden die Filmleute von Musealis noch einmal für Dreharbeiten die Stadt besuchen.

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