SZ +
Merken

Filmgeschichte überpinselt

An der Konsulstraße wurde jetzt die Kulisse des Radiohauses übermalt. Für Filmfans sicherlich zu verkraften.

Teilen
Folgen
© Pawel Sosnowski/80studio.net

Von Matthias Klaus

Das Radiohaus Hedmann & Sohn ist Geschichte. Wahrscheinlich hat es ja auch niemals existiert, auch nicht damals, im Berlin der frühen 1940er Jahre. Damals, als Hitler auf dem Höhepunkt seiner Macht war und eine Hakenkreuzfahne über dem Radiogeschäft wehte. Vor ein paar Wochen allerdings konnte man betrachten, wie das ausgesehen haben könnte: in Görlitz, an der Ecke Emmerich- und Konsulstraße. Gut, eine richtige „Geschichte“ hatte das Geschäft in Görlitz ja sowieso nicht.

Links die Kulisse: Ein Berliner Radiohaus aus den 1940ern in Berlin in Görlitz. Jetzt wurde die Fassade (rechts) mit neuer Farbe überstrichen, die Filmkulisse verschwand.Fotos: Matthias Klaus/Pawel Sosnowski
Links die Kulisse: Ein Berliner Radiohaus aus den 1940ern in Berlin in Görlitz. Jetzt wurde die Fassade (rechts) mit neuer Farbe überstrichen, die Filmkulisse verschwand.Fotos: Matthias Klaus/Pawel Sosnowski

Der Laden mit den Volksempfängern in den Schaufenstern war eh nur eine Kulisse, Kulisse für den Film „Jeder stirbt für sich allein“. Jetzt wurden an der Ecke Konsul- und Emmerichstraße Erinnerungen an den Dreh endgültig getilgt. Der Backshop an der Ecke ist wieder ein Backshop und kein Verkaufsgeschäft eines „Radiohauses“. Die Fassade ist neu gestrichen. Geht damit Görliwood vielleicht ein Stück Filmkultur verloren? Nein, sicherlich nicht. Schräg gegenüber ist immer noch die Alt-Berliner Werbung für Kaiser-Briketts an die Wand gemalt. Jeder, der sich zu seinem täglichen Aldi-Besuch aufmacht, kann sie bewundern, an der Kleinen Konsulstraße. Für die Filmführungen, die die Stadt seit drei Jahren anbietet, ist der Verlust der Radiohaus-Kulisse sicherlich zu verschmerzen.

Karin Thiemann hatte die Ecke Emmerich- und Konsulstraße für ihre Filmführungen eh nie im Programm – jedenfalls nicht, solange es zu Fuß zu den unterschiedlichen Drehplätzen ging. Hintergrund: Die Filmführerin zeigt Fans eher den Untermarkt, die Alstadt. Das allein dauert schon zwei Stunden. Dann noch per pedes quer durch die Stadt in Richtung Emmerichstraße? Das wäre wohl selbst für den hartgesottensten Filmfreak zu viel des Guten. Insofern ist der „Verlust“ einer der Kulissen sicherlich zu verkraften.