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Filmpremiere in der Messehalle

Handwerker helfen im Urlaub Überlebenden der Nazizeit. Ihren Einsatz zeigt ein neuer Film. Die Regisseurin dreht auch in Löbau.

Von Gabriel Wandt

Sie helfen, sie tun das auf eigene Kosten, und sie opfern ihren Urlaub dafür: Handwerker aus Sachsen, die seit mehreren Jahren für einige Wochen nach Israel reisen, um dort Überlebende des Holocaust zu unterstützen. Viele von ihnen leben unterhalb der Armutsgrenze, und können die Hilfe der Handwerker gut gebrauchen. Die renovieren Wohnungen, beseitigen Schimmel, setzen Elektroinstallationen instand.

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Über sie ist eine Dokumentation entstanden, die am 27. Januar, dem Holocaust-Gedenktag, im MDR ausgestrahlt wurde. Eine längere Version dieses Films hat am 3. Mai Deutschlandpremiere in der Messehalle in Löbau. Dann findet hier eine Israelkonferenz statt, und dazu anreisen wird auch Regisseurin Ilona Rothin. Sie lebt in Berlin und ist zufällig auf die sächsischen Handwerker in Israel aufmerksam geworden, als sie vor einigen Jahren mit Iris Berben einen Film über den Holocaust drehte. Die sächsische Mundart auf einem Parkplatz in Haifa: An dieses Erlebnis erinnert sie sich noch heute, und sie hält weiter den Kontakt. Denn Anfang Mai wird Rothin auch in Löbau drehen. Zwar wird kein ganzer Film entstehen, sondern eher ein nachrichtlicher Beitrag für den Mitteldeutschen Rundfunk, die Stadt rückt damit dennoch wieder einmal ins sächsische Blickfeld. Erneut spielt die Judenverfolgung dabei eine Rolle. Protagonistin ist die deutsch-israelische Sängerin Carmen Isenmann, die in Deutschland aufgewachsen ist, einige Jahre in Israel lebte und nun wieder nach Deutschland zurückkehrt. An Schauplätzen in Löbau und anderen Städten thematisiert der Fernsehbeitrag Fremdenfeindlichkeit und Antisemitismus in der heutigen Zeit. Rothin erzählt, wie erschüttert sie war, als junge Leute ganz offen vor laufender Kamera von ihrer fremdenfeindlichen Einstellung erzählt haben. Dieses Problem will sie thematisieren, vor den möglichen Folgen warnen. Die Sängerin steht in dem Beitrag als sinnbildliche Verbindung zwischen Israel und Deutschland. Sie hat im Nahen Osten an einem Projekt gearbeitet, bei dem Holocaust-Überlebende interviewt werden, um deren Erlebnisse festzuhalten.

Die Verbindungen zwischen den Ländern werden auch Thema bei der 18. Sächsischen Israelkonferenz sein, die vom 2. bis 4. Mai in Löbaus Messehalle stattfindet. Rund 2  000 Menschen aus ganz Deutschland kommen dann, um religiöse und politische Fragen zu diskutieren. Nach Löbau sind die Konferenzmacher von ihren Oberlausitzer Mitgliedern eingeladen worden, erzählt Wilfried Gotter, Geschäftsführer des Vereins Sächsische Israelfreunde.

Die Handwerker werden ihre Hilfe weiterhin fortsetzen, erzählt Gotter. Seit 2004 läuft dieses Engagement, 700 Leute aus ganz Deutschland fahren regelmäßig für 14 Tage zum Arbeiten in den Nahen Osten. Viele Überlebende des Holocaust haben diese Hilfe dringend nötig: Rund 200 000 von ihnen leben in Israel, etwa ein Drittel lebt unterhalb der Armutsgrenze. Dazu kommt die Geste der Versöhnung: Im Film erzählt eine Überlebende, dass sie nach den Ereignissen im Zweiten Weltkrieg eigentlich nie wieder deutsch sprechen wollte. Nun lässt sie sich von Deutschen helfen.

Für ihren Film sind die Protagonisten und Frau Rothin Ende Januar in den Sächsischen Landtag eingeladen worden. Sie haben dort an einer Gedenkfeier zum Holocaust teilgenommen. „Das war ein Riesenerfolg für das Projekt“, erzählt die Filmemacherin.