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Finale am Karl-Marx-Ring

Die Wohnungsgesellschaft hat ihre Häuser an der Straße in den vergangenen Jahren saniert. Nun sind die vier letzten Eingänge dran.

WGR-Chef Roland Ledwa steht auf der Rückseite des Wohnblocks Karl-Marx-Ring 18-24. Bei dem Umbau- und Sanierungsprojekt kommt schweres Gerät zum Einsatz.
WGR-Chef Roland Ledwa steht auf der Rückseite des Wohnblocks Karl-Marx-Ring 18-24. Bei dem Umbau- und Sanierungsprojekt kommt schweres Gerät zum Einsatz. © Sebastian Schultz

Riesa. Hinter Roland Ledwa liegen mehr als vier Jahrzehnte Riesaer Wohngeschichte als Schuttberg auf dem Boden. Die einstigen Wände, Treppen und Decken sind aber kaum zu erkennen, so sehr ist der Stahlbeton schon mit dem Brecher zerkleinert. Der schwere Kettenbagger einer Abbruchfirma walzt nur mehr über Reste dessen, was einmal die Etagen fünf und sechs des Wohnblocks Karl-Marx-Ring 18 bis 24 waren.

Die alten Balkone sind weg, die alte Wärmedämmung auch: Nur die letzten vier Wohnungen am Karl-Marx-Ring 18 bis 24 (rotes Gerüst) müssen noch rückgebaut werden. Das Gerüst mit dem grünen Netz im Hintergrund gehört zum Umbau- und Modernisierungsprojekt der
Die alten Balkone sind weg, die alte Wärmedämmung auch: Nur die letzten vier Wohnungen am Karl-Marx-Ring 18 bis 24 (rotes Gerüst) müssen noch rückgebaut werden. Das Gerüst mit dem grünen Netz im Hintergrund gehört zum Umbau- und Modernisierungsprojekt der © Sebastian Schultz

Seit Ende April wird an dem Gebäude im Riesaer Zentrum gebaut, das Vorhaben ist als "Rückbau und Sanierung" überschrieben. Der Abriss gehört bei dem 2,8-Millionen-Euro-Projekt dazu, ist aber nur ein Teil von allem: Denn nur die oberen zwei Geschosse des bis vor kurzem noch sechsstöckigen Plattenbauten verschwinden – und damit auch insgesamt 16 Wohnungen. 

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Die übrigen 32 Wohnungen im Haus sind innen bereits saniert worden oder werden es derzeit. Unter anderem wird die Fernwärmeheizung von Ein- auf Zweirohrsystem umgestellt. Neue Fenster werden installiert. Auch die Fundamente für die neuen Balkone sind schon im Boden. In fünf sogenannten Umbauwohnungen gibt es außerdem eine Änderung bei den Grundrissen: Dort werden die Bäder beziehungsweise Küchen größer. Was dafür wegfällt, ist eines von zwei Kinderzimmern. 

Blick in eine Umbauwohnung: In fünf der verbliebenen 32 Wohnungen im Haus wird der Grundriss verändert – und noch mehr.
Blick in eine Umbauwohnung: In fünf der verbliebenen 32 Wohnungen im Haus wird der Grundriss verändert – und noch mehr. © Sebastian Schultz

Es ist die erste umfassende Sanierung der in den 1970ern erbauten Mehrfamilienhäuser vom Typ WBS 70. Nach der Wende seien die Gebäude allerdings schon einmal teilsaniert worden, erzählt Bauleiterin Heike Felgner. Die Mitarbeiterin der Wohnungsgesellschaft Riesa (WGR) war damals bereits dabei. Vor allem die Fassade sei in den 1990ern gemacht worden, aber auch die Fenster und ebenso Arbeiten am Dach, erinnert sie sich.

Dach und Fassade sind diesmal auch wieder dran: In den nächsten Wochen wird das neue Flachdach in rund 13 Meter Höhe ausgebildet. Eine Sonnenterrasse, wie im vor drei Jahren sanierten Block am Karl-Marx-Ring 56 bis 64 schräg gegenüber wird es aber nicht geben. Dafür allerdings neue Balkone, wie sie schon an den anderen WGR-Wohnhäusern an der Straße montiert worden sind. Deren markante Schiebeelemente werden diesmal in Grün gehalten sein, wie am Karl-Marx-Ring 44 bis 54. Bei den Planungen habe auch mal Lila als Farbe zur Debatte gestanden, erzählt Bauleiterin Heike Felgner. Aber das sei zu dunkel gewesen. Aber farbenfroh geht es auch so zu: Mit Orange, Grün, Gelb und Blau ist der halbe Regenbogen an den Häusern der WGR vertreten.

So soll es einmal aussehen: So wie am nahen Karl-Marx-Ring 44-54 soll auch die Fassade der vier Eingänge im Haus 18 bis 24 gestaltet werden.
So soll es einmal aussehen: So wie am nahen Karl-Marx-Ring 44-54 soll auch die Fassade der vier Eingänge im Haus 18 bis 24 gestaltet werden. © Sebastian Schultz

Für das städtische Tochterunternehmen ist die jetzige Sanierung das Ende unter eine 2013 gestartete Umgestaltung in dem Wohngebiet. Angefangen hatte alles mit dem Block an der Klötzerstraße. Der Karl-Marx-Ring 18 bis 24 und dessen Sanierung setzt nun den Schlusspunkt. Rund 15 Firmen sind daran beteiligt, viele davon aus Riesa und Umgebung. Laut WGR-Chef Roland Ledwa werden sich die Bauarbeiten noch bis Dezember dieses Jahres hinziehen. Ausgezogen sind  während der Bauarbeiten indes etliche Mieter, mindestens zeitweise. Wohin, sei verschieden: Manche seien auf Übergangswohnungen ausgewichen, andere in den eigenen Garten. 

Zurück zieht es viele der Bewohner, von denen manche bereits seit dem Bau der Blöcke dort wohnen. Eine 92-jährige Bewohnerin kehrt nach einem zeitweiligen Auszug für die Bauarbeiten demnächst wieder heim, weiß WGR-Mitarbeiterin Heike Felgner. 

Dass es künftig Leerstand in den 64 Quadratmeter großen Drei- und 77 Quadratmeter großen Vierraumwohnungen im Haus gibt, davon geht man bei der WGR nicht aus. "Im sanierten Bereich eigentlich nicht", so Heike Felgner. Laut Roland Ledwa liegt die Kaltmiete im Objekt künftig bei 5,50 bis 5,80 Euro pro Quadratmeter. Er gehe nach den Erfahrungen mit den anderen Häusern auch davon aus, dass auch im Januar 2021 alle Wohnungen belegt sein werden.

Das Farbkonzept eines Riesaer Planungsbüros für den Karl-Marx-Ring 18 bis 24. Die Visualisierung zeigt die Süd-Ansicht, also aus Richtung Breitscheidstraße.
Das Farbkonzept eines Riesaer Planungsbüros für den Karl-Marx-Ring 18 bis 24. Die Visualisierung zeigt die Süd-Ansicht, also aus Richtung Breitscheidstraße. © Quelle: WGR/Amp Ingenieurgesellschaft Riesa

Beim städtischen Großvermieter dürfte man sich dann schon auf die nächsten Investitionsprojekte konzentrieren. Geschäftsführer Ledwa spricht mit Blick aufs nächste Jahr von einem Vorhaben in einem Wohngebäude an der Dresdner Straße, "wie wir es in der Form in Riesa noch nicht gemacht haben". Details will der WGR-Chef allerdings noch nicht preisgeben. Vorerst habe man die laufenden im Blick – und das seien mit Karl-Marx-Ring, dem Kaffee Starke am Rathausplatz, der Baugebietserschließung an der Segouer Straße und der Hochhausmodernisierung an der Chemnitzer Straße einige. "Wir liegen im investiven Bereich immer zwischen fünf und neun Millionen Euro, die letzten Jahre waren es acht bis neun Millionen jährlich", so Ledwa. Und das, obwohl man nur zwei Bauingenieure im Unternehmen habe. Die seien die letzten 20 Jahre "am Limit". Er habe den Mitarbeitern vor einigen Jahren immer noch gesagt, dass sich das einmal ändern werde – aber das habe es bisher nicht.

Zumindest am Karl-Marx-Ring ist die Arbeit aber wohl in einigen Monaten für lange Zeit getan, so dass der Wohngeschichte dort ein neues Kapitel hinzugefügt werden kann.

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