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Finanzminister glättet Wogen der Senioren

Immer mehr Rentner müssen eine Steuererklärung abgeben. Das stellt auch die Mitarbeiter der Görlitzer Behörde vor Herausforderungen.

Finanzamt-Vorsteher Holger Hubert (rechts) erklärt dem sächsischen Finanzminister Matthias Haß (Mitte) sein Reich. Mit dabei ist Oberbürgermeister Octavian Ursu.
Finanzamt-Vorsteher Holger Hubert (rechts) erklärt dem sächsischen Finanzminister Matthias Haß (Mitte) sein Reich. Mit dabei ist Oberbürgermeister Octavian Ursu. © Nikolai Schmidt

Einfach hat es der sächsische Finanzminister am Montagnachmittag in Görlitz nicht. Ein kurzes aber heftiges Gewitter zieht über die Stadt, der Regen trommelt ohrenbetäubend auf das Dach des Görlitzer Finanzamtes. Matthias Haß (CDU) nimmt es mit Humor. „Da muss ich eben ein bisschen lauter reden“, sagt er. Keine schlechte Idee, schließlich geht es um die älteren Mitbürger.

Rentner und Steuererklärungen – ein Grund, weshalb der Minister aus Dresden nach Görlitz gekommen ist. Die steigenden Renten sorgen dafür, dass immer mehr Senioren mit dem Finanzamt in Kontakt kommen. „Wir haben einen großen Erklärungsbedarf in dieser Frage“, weiß Matthias Haß. Davon können die Finanzamt-Mitarbeiter in Görlitz ein Lied singen.

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Seit Mai gibt es die vereinfachte Steuererklärung für Rentner. Nur zwei Seiten sind dafür auszufüllen. „Die Grundfrage der Senioren, die zu uns kommen ist: Muss ich überhaupt eine Steuererklärung ausfüllen?“, schildert Holger Hubert, Vorsteher des Görlitzer Finanzamtes. Generell gebe es auf die vereinfachte Erklärung für Rentner eine positive Resonanz, die Hemmung davor, überhaupt eine Steuererklärung auszufüllen, sei geringer geworden. Dennoch, der Teufel lauert im Detail. Denn mancher Rentner ist überrascht, wenn er oder sie plötzlich die Erklärungen der vergangenen Jahre auch noch nachreichen muss. Dann kommen schon mal ein paar Tausend Euro an Nachzahlungen zusammen. „Wir versuchen, solche Fälle abzumildern, etwa mit Stundungen“, sagt Holger Hubert. Das größte Problem ist dann, so der Vorsteher, dass dann auch noch Zinsen hinzukommen. Generell sind, so seine Mitarbeiter, die Gespräche mit Senioren zuweilen eine Gratwanderung. Denn das Finanzamt darf nicht als Steuerberater tätig sein, sondern nur allgemeine Auskünfte geben. Mittlerweile sind etwa die Hälfte derer, die an der Görlitzer Finanzamt-Information Rat suchen, Rentner. Minister Matthias Haß kennt das Problem, spricht von einem „Übergang“. „Wir müssen auf gesetzlicher Ebene zu vereinfachten Regelungen kommen“, sagt er. Das Görlitzer Amt, so Holger Hubert, kommt inzwischen in die aktuellen Zahlen, sprich, die große Welle der Nachzahlungen ebbt wohl ab.

So der so: Die Nachfrage nach Beratungen durch Finanzamtsmitarbeiter werde zunehmen, sachsenweit, sagt Matthias Haß. Die zunehmende Zahl der Rentner, die Steuern zahlen müssen, ist dabei nur ein Grund. Der Minister plant daher, die Möglichkeiten der persönlichen Gespräche zu erhöhen – gerade auch für die älteren Bürger. Im Landkreis Görlitz soll die Zahl der sogenannten Servicetage erhöht werden. „Wir haben damit in Sachsen gute Erfahrungen gemacht“, sagt der Minister.

Das Görlitzer Finanzamt hat derzeit 160 Bedienstete, im September werden es fünf mehr sein. Dann treten Lehrlinge ihre Ausbildung an. Rund 32 000 Arbeitnehmer werden vom Finanzamt betreut, außerdem 3 850 Arbeitgeber. Zu den größten Arbeitgebern in Görlitz gehören die Stadt und das Klinikum.

Vorsteher Holger Hubert wünscht sich mehr zweisprachiges Personal, deutsch und polnisch. „Angesichts der vielen Grenzpendler wäre das schon eine gute Sache“, sagt er. Allerdings mache sich auch im Finanzbereich der Fachkräftemangel und dann auch noch auf diesem speziellen Gebiet bemerkbar.

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