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Finanzskandale sind dem Görlitzer Bistum fremd

Die kleinste deutsche Diözese erwirtschaftet Überschüsse und rüstet sich für die Zukunft.

© Pawel Sosnowski

Von Sebastian Beutler

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Die katholischen Bistümer Deutschlands machen im Moment ungewollt Schlagzeilen. Negative. Erst kündigte das Bistum Hamburg wegen finanzieller Probleme die Schließung etlicher Schulen im Erzbistum an. Dann kam heraus, dass aus dem Vermögen der Diözese Eichstätt rund 60 Millionen Dollar (48,2 Millionen Euro) in ungesicherte Darlehen in den USA geflossen sein sollen. Der ehemalige stellvertretende Finanzdirektor und ein Immobilien-Projektentwickler sitzen inzwischen in Untersuchungshaft – ihnen werden Untreue, Bestechung und Bestechlichkeit vorgeworfen. Das scheint in die Reihe der Enthüllungen zu passen, zu denen vor vier Jahren auch der 30-Millionen-Euro teure Bischofssitz in Limburg gehörte.

Während sich der Görlitzer Bischof Wolfgang Ipolt zusammen mit den anderen deutschen katholischen Bischöfen auf ihrer derzeit stattfindenden Frühjahrstagung in Ingolstadt auch diesem Thema widmen, sitzt Regina Pätzold in der Görlitzer Bistumsverwaltung über den Zahlen für den Jahresabschluss 2017. Die Ordinatsrätin ist die Ökonomin des Bistums, also die Fachfrau für alle Zahlen der kleinsten Diözese in Deutschland, die noch 30 000 Gläubige zählt – von Görlitz bis vor die Tore von Berlin. Wie schon in den Vorjahren erwartet Regina Pätzold ein solides Ergebnis fürs Vorjahr. Zwar liegen die endgültigen Zahlen noch nicht vor, aber „es würde mich schon sehr überraschen, wenn plötzlich solche Dinge auftreten würden wie sie gegenwärtig in den Medien zu hören sind“.

Es war der teure Limburger Bau, der die deutschen Diözesen dazu brachte, öffentlicher mit ihren Finanzen umzugehen. Seit 2014 veröffentlicht das Bistum Görlitz daher seine Jahresberichte, zuvor gab es die Zahlen meist nur in katholischen Amtsblättern. Zwar gibt es in den Berichten keine Angaben zum Caritasverband und den einzelnen Kirchgemeinden, doch zeichnen die Zahlen des Bistums, des bischöflichen Stuhls und des Domkapitels die Lage des gesamten Bistums ganz gut ab. „Die Kirche betrachtet sowohl das Eigentum als auch die finanziellen Mittel nicht als einen Selbstzweck“, sagt Generalvikar Alfred Hoffmann dazu, „sondern als eine Notwendigkeit für den Dienst der Kirche an den Menschen“. Und zugleich erklärt Regina Pätzold im letzten Jahresbericht, dass es dem Bistum auch wichtig ist, den Gläubigen nachzuweisen, wofür ihre Kirchensteuern und Spenden verwendet werden. Also für die Seelsorge, für die Kindertagesstätten, für die Bildungshäuser und den Erhalt der Kirchen.

Dabei wird deutlich: Allein der Haushalt des Bistums in Höhe von rund 17 Millionen Euro für dieses Jahr ist geringer als manche Verluste in anderen Bistümern. Görlitz ist eben das kleinste. Und allein durch die Einnahmen aus Kirchensteuern oder Staatsleistungen könnte das Bistum nicht bestehen. Die Steuern machen nur ein Drittel der Einnahmen aus, auch wenn sie derzeit steigen, so ist doch unsicher, wie die Entwicklung künftig verlaufen wird. „Insofern bleibt hier langfristig ein erhebliches Risiko bestehen“, sagt Frau Pätzold. Mehr Geld nimmt das Bistum beispielsweise durch die Finanzhilfen der deutschen Bistümer oder die Hilfen des Bonifatiuswerkes ein, die ab 2020 geringer ausfallen werden. Rund 600 000 Euro zahlen die Länder Brandenburg und Sachsen, darüber erhält das Bistum Personal- und Sachkostenzuschüsse für die Erteilung des Religionsunterrichtes, für die Seelsorge in den Haftanstalten. Zwar verfügt das Bistum auch über ein Vermögen von rund 50 Millionen Euro, doch das meiste sind Rückstellungen für die Pensionen der Priester, die nicht gesetzlich versichert sind. Es dient aber auch zur Absicherung von Bauarbeiten. Über 80 Prozent des Vermögens sind Finanzanlagen. Vorrangig in festverzinslichen Wertpapieren und verschiedenen Fonds hat das Bistum das Geld angelegt. „Sicherheit hat Vorrang vor hohen Erträgen“, sagt Regina Pätzold. Aber angesichts der Niedrigzinsen sind auch einzelne Aktienfonds darunter. Wichtig, so die Ökonomin, sei einfach, das Risiko breit zu streuen. Das hat sicherlich auch dazu beigetragen, dass das Bistum in der Jahresrechnung erneut einen Überschuss 2016 verbuchte, der für Bauprojekte oder die Pensionen in die Rücklagen floss. Eben ganz anders, als es offensichtlich in Eichstätt geschah.

Die Bischöfe könnten in Ingolstadt Konsequenzen daraus ziehen. Dem Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, schwebt eine stärkere Zusammenarbeit aller Bistümer vor. Doch der muss jedes Bistum zustimmen, anordnen kann er sie nicht. (mit dpa)