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Telekom kappt Firma die Leitung

Das Druckhaus Rammenau stand plötzlich ohne Anschluss da. Erst als sich die SZ einschaltet, bewegt sich etwas.

Acht Tage war das Druckhaus von Inhaber Carsten Puhlmann im Rammenauer Gewerbegebiet telefonisch von der Welt abgeschnitten.
Acht Tage war das Druckhaus von Inhaber Carsten Puhlmann im Rammenauer Gewerbegebiet telefonisch von der Welt abgeschnitten. © Steffen Unger

Rammenau. Carsten Puhlmann weiß nicht, ob er lachen oder weinen soll. Ein solches Desinteresse an einem Kundenproblem habe er bislang noch nicht erlebt, so der Inhaber des Rammenauer Druckhauses. Was war passiert? Im Dezember vorigen Jahres bekam der Unternehmer Post von der Telekom. In dem Schreiben teilte der Kommunikationsriese dem Firmenchef mit, dass er der Telefonanschluss seines Druckhauses auf IP – die sogenannte Internettelefonie – umstellen lassen müsse. Denn die Zeiten des analogen Festnetzes gehen inzwischen dem Ende entgegen. Lehne er die Umstellung ab, müsse man den Anschluss kündigen, hieß es in dem Telekom-Brief.

Kurz nachdem Carsten Puhlmann sein Okay zur beabsichtigten Umstellung von ISDN auf IP gegeben hatte, kam die Information, dass die Umrüstung im Februar erfolgen werde. So weit, so gut. „Doch kurz danach wurden wir informiert, dass die geplante Umstellung nicht funktioniere und wir mit unserem ISDN-Anschluss weiter leben müssten“, erinnert sich der Geschäftsmann. Umgehend habe er bei der Telekom auf die Kündigung hingewiesen, die man ihm angedroht hatte, falls er in die Umstellung nicht einwillige. „Da hieß es, ich solle mir keine Sorgen machen, das gehe schon klar.“ Wieder ein paar Tage später teilte die Telekom mit, dass die Umstellung nun doch in Angriff genommen werde und am 15. August erfolge. Kurz danach erhielt der Firmenchef ein Schreiben, mit einer Terminänderung. Nun sollte die Internettelefonie bei ihm am 3. September eingerichtet werden. Bis dahin war alles gut.

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„Nummer nicht vergeben“

Das böse Erwachen kam am 15. August. Da stellten die Mitarbeiter des Druckhauses fest, dass sie nicht mehr nach draußen telefonieren konnten. Und auch von außerhalb kam kein Anruf zu ihnen durch. Wer die Festnetznummer der Druckerei wählte, bekam nicht etwa einen Mitarbeiter an die Strippe, sondern die Automaten-Ansage zu hören, dass diese Nummer nicht vergeben sei. Der Geschäftsführer telefonierte erst mit der Stör-Hotline und dann mit dem Kundendienst. Dort erfuhr er schließlich, dass man seinen Auftrag wohl schneller auf den neuen Server gezogen habe, als sich die Umstellung bewerkstelligen lasse und dann sei es jetzt eben so.

 „Die Kundendienstmitarbeiterin erklärte mir, vor dem 3. September könne man nichts machen und wenn ich noch länger diskutiere, hielte ich sie nur davon ab, Leuten zu helfen, die Probleme haben“, erzählt Carsten Puhlmann. Der Geschäftsführer fragte noch, wer eigentlich für den Ausfall aufkomme, der ihm durch die gekappte Leitung entstehe. „Da wurde mir gesagt, ich solle alles gut dokumentieren.“ Doch wie soll das gehen?, fragt er sich. Er könne ja nicht wissen, wer ihn zwecks Auftragserteilung kontaktieren wollte. 

Der Druckhaus-Inhaber wollte sich mit dem Status quo nicht abfinden. „Drei Wochen ohne Telefon, das geht gar nicht. Das kann man auch gar keinem vermitteln.“ Also telefonierte der Firmenchef weiter, wand sich an verschiedene Telekom-Stellen und fragte, ob man nicht wenigstens eine Rufumleitung oder Bandansage mit dem Verweis auf seine Mobilnummer schalten könne. Doch immer wieder hieß es, das gehe nicht. 

Mehr passierte nicht. Was dieses das-geht-nicht für das Druckhaus bedeutete, interessierte niemanden. Und es kümmerte sich auch keiner darum, wie das Druckhaus – übrigens mit 14 Mitarbeiten wahrlich kein so kleines mittelständisches Unternehmen – wieder ans Netz kommt. Erst als die Sächsische Zeitung letzten Donnerstag eine offizielle Anfrage an die Pressestelle der Telekom geschickt hatte, kam plötzlich Bewegung in die Sache. 

Einen Tag, nachdem die Anfrage raus war, tauchte Freitagnachmittag plötzlich ein Techniker bei Carsten Puhlmann auf. Ein paar Stunden und einige Flüche später („der Telekom-Mitarbeiter hatte nämlich seine liebe Not, uns wieder ans Netz zu bringen“, so Carsten Puhlmann) stand die Telefon-Leitung wieder. Der Unternehmer ist überglücklich, dass die Leitung endlich wieder funktioniert. Auch wenn noch nicht alles richtig klappt. „Wenn wir jemanden anrufen, zeigt es eine kryptische Telefonnummer an“, so der Unternehmer. Egal. „Hauptsache wir können wieder angerufen werden und auch anrufen.“

Rufumleitung nicht möglich

Weshalb diese Panne passierte, dazu ist aus der Telekom-Pressestelle nichts zu erfahren. Aber warum zur Überbrückung nicht wenigstens eine Rufumleitung oder Bandansage geschaltet wurde, erklärt Pressesprecher Dr. Rainer Knirsch: „Nachdem der Anschluss nicht mehr aktiv war, ließ sich weder eine Bandansage noch eine Umleitung einrichten. Wir haben uns daher auf den schnelleren Lösungsweg konzentriert, den Kunden mit dem gewünschten Anschluss wieder ans Netz zu bringen. Dies ist Freitag gelungen.“

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