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Neuestes Projekt: Sanierung Bürgermeisterhaus

Heute vor 100 Jahren wurde in Zittau das „Deutscher & Knobloch Sägewerk“ gegründet, aus dem das Bauhandwerk Kirschner wurde. Die Firma überlebte nicht nur einen Bombenschaden.

Werner (links) und Martin Kirschner vor ihrer neuen Baustelle in der Zittauer Brunnenstraße.
Werner (links) und Martin Kirschner vor ihrer neuen Baustelle in der Zittauer Brunnenstraße. © Matthias Weber/photoweber.de

Mit Zittaus alten Häusern kennt sich Werner Kirschner bestens aus. An vielen hat seine Firma - Kirschner Bauhandwerk - in den vergangenen Jahrzehnten ihre Spuren hinterlassen und mitgeholfen, das Stadtbild zu verschönern.

Die neueste Baustelle ist das alte Bürgermeisterhaus in der Brunnenstraße 21 in Zittau vor dem seit Mittwoch ein großer Kran steht. Der heute 73-Jährige ist zwar noch fast täglich in der Baufirma zu finden, sein Sohn Martin leitet aber längst das Unternehmen. Und das nun in der vierten Generation.

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Genau heute vor 100 Jahren wagte Hermann Knobloch, der Großvater von Werner Kirschner, zusammen mit Herrmann Deutscher den Schritt in die Selbstständigkeit. Mit einem Kredit und etwas Eigenkapital gründeten sie am 15. Februar 1920 den Betrieb „Deutscher & Knobloch Sägewerk“ (D&K).

„Großvaters Lebensmotto war: ich will auch einmal einen Schornstein haben, aus dem es raucht“, weiß Werner Kirschner aus den Erzählungen seiner Eltern. Der Schornstein steht immer noch auf dem Firmensitz in der Südstraße 4 in Zittau. Er gehört zu den wenigen verbliebenen, die einstmals in Zittau existierten.

Firmengründer Hermann Knobloch mit seiner Frau Meta im Juni 1908.
Firmengründer Hermann Knobloch mit seiner Frau Meta im Juni 1908. © Foto: privat
Eine Langholzfuhre der Firma Deutscher & Knobloch Sägewerke mit der Mandaukaserne im Hintergrund.
Eine Langholzfuhre der Firma Deutscher & Knobloch Sägewerke mit der Mandaukaserne im Hintergrund. © Foto: privat
Eine Bombe traf am 7. Mai 1945 das Nachbarhaus in der Südstraße und den Pferdestall des Sägewerkes. 
Eine Bombe traf am 7. Mai 1945 das Nachbarhaus in der Südstraße und den Pferdestall des Sägewerkes.  © Foto: privat
Werner Kirschner als Dreijähriger im Hof des Sägewerkes in Zittau.
Werner Kirschner als Dreijähriger im Hof des Sägewerkes in Zittau. © Foto: privat

Heute raucht der Schornstein zwar nicht mehr. Nutzlos ist er trotzdem nicht. Er dient als Sendemast für das D2-Netz von Vodafone. Und aus dem einstigen Sägewerk in der Südstraße ist ein Hochbaubetrieb geworden.

Anspruchsvolle Putzarbeiten

Werner Kirschner könnte viele alte Häuser Zittaus und darüber hinaus aufzählen, an deren Sanierung seine Firma beteiligt war. In punkto Putzarbeiten war die ehemalige königlich sächsische Staatsbauschule am Stadtring 2005 das Anspruchsvollste. Etwa zehn Leute haben dafür eine Sommersaison gearbeitet. Zum 200. Geburtstag des Architekten Carl August Schramm sollte die historische Fassade dem Original-Zustand sehr nahe kommen und möglichst viel der alten Bausubstanz erhalten bleiben.

Die Firma Bauhandwerk Kirschner steht für die Sanierung von Häusern vom Keller bis zum Dach. An zahlreichen Sanierungen von historischen Gebäuden Zittaus haben die Mitarbeiter mitgewirkt. So etwa beim Rathaus, Heffterbau, Salzhaus, Hauptbahnhof, im Klosterhof und der Kreuzkirche - damit diese als Museum für das Fastentuch dienen kann sowie am katholischen Gemeindezentrum "Alte Schule" in Zittau. Aber auch die Kirchen in Kittlitz, Mittelherwigsdorf und Dittelsdorf oder eine Reihe alter Grüfte auf den Friedhöfen in Hainewalde und Waltersdorf sind von Kirschners mit saniert worden.

Werner Kirschner hat viel über die Firmengeschichte zusammengetragen. Die erste Betriebsadresse des Sägewerkes war Wendisch-Nikritsch, das heutige Osick Luzycki in Polen - nahe der Grenze bei Hagenwerder. Nur neun Monate später zog die Firma noch 1920 nach Zittau auf die damalige Kasernenstraße, der jetzigen Südstraße.

Auf dem Grundstück hatte (D&K) das Sägewerk eines Zittauer Bauunternehmens gekauft. Was mit zwei Sägegattern, die von einer Dampfmaschine angetrieben wurden, begann, entwickelte sich mit den Jahren zu einem immer größeren Sägewerk.

Super Auftragslage

Bis zu 20 Mitarbeiter wurden hier beschäftigt. Es lief so gut, dass das „Deutscher & Knobloch Sägewerk“ schon fünf Jahre nach der Gründung noch ein Sägewerk im Isergebirge bei Bad Flinsberg kaufte.

Warum sich die beiden Geschäftspartner 1928 im Streit trennten, ist nicht überliefert. Werner Kirschners Großvater führte fortan allein die Geschäfte. Das Sägewerk erzeugte Schnittholz für Bau- und Tischlereizwecke. Das war voll mit Holzstapeln für den Verkauf von luftgetrocknetem Holz für die Kunden.

Für die Zeit von 1939 bis 1945 gibt es mehrere Schriftstücke  und alte Fotos, die die Probleme der Kriegsjahre abbilden. Es mangelte an Arbeitskräften. Einen Tag vor Kriegsende traf eine Bombe am 7. Mai 1945 neben dem Nachbarhaus auch den Stall des Sägewerkes. Die zwei Pferde des Sägewerkes kamen dabei um.

Eine Gratulation nach der Dresdner Bombennacht

Fassungslos stieß er beim Erstellen der Firmenchronik auf ein Schmucktelegramm vom 15. Februar 1945 von der Gauwirtschaftskammer Sachsen in Dresden. Zwei Tage nach der Bombennacht in Dresden schickte sie aus der Stadt ein Schmucktelegramm und gratulierte zum 25-jährigen Betriebsjubiläum. "Sie sind nicht löschen gegangen oder haben mitgeholfen Leute aus den Trümmern zu retten, sondern nehmen sich Zeit für eine unwichtige Formalie", erzählt er.

Auch nach dem Krieg war es nicht einfach, die Firma zu führen. Werner Kirschner zeigt auf ein Foto vom 30-jährigen Betriebsjubiläum 1950. Damit jeder Mitarbeiter einen Teller mit zwei frisch gebackenen Brötchen vor sich hatte, wurde extra Holz gegen Mehl getauscht.

Nach dem Tod von Hermann Knobloch 1951 hatte sein Schwiegersohn Wenzel Kirschner, der Vater von Werner Kirschner, das Unternehmen weitergeführt. Als Privatbetrieb musste er mit staatlichen Zuteilungen an Rundholz für das Sägewerk auskommen. Es gab strenge Auflagen, wann er wen etwas zu liefern hatte.

1958 wurde beim Sägewerk eine staatliche Beteiligung eingeführt. Sie stellten nun auch  Betonfenstergewände für die Neubaugebiete Zittaus und Umgebung für den industriellen Wohnungsbau her. Die DDR übernahm später 1972 den Betrieb in Volkseigentum. Aus „Deutscher & Knobloch Sägewerk“ wurde der VEB Sägewerk Zittau und später VEB Holzverarbeitung Herrnhut. Als immer weniger Holz geschnitten und die traditionelle Dachbinderproduktion ganz eingestellt wurde, kam der Betrieb als Bauhof zur LPG Gemüse Zittau/Eckartsberg.

Mit Anfang 40 wollte Werner Kirschner nach der Wende den Familienbetrieb zurück. Er hatte sich schon 1984 in Olbersdorf mit einem kleinen Maurerhandwerksbetrieb selbstständig gemacht. Anfangs allein, später mit zwei bis drei Leuten baute er kleine Kläranlagen und reparierte Schornsteinköpfe. Es war der Start für einen Neuanfang des Familienbetriebes unter dem Namen Kirschner Bauhandwerk. "Am Anfang hatte ich an einen Betonmischer Schubkarrenräder angebaut und ihn hinter meinem Trabbi zu den Baustellen hergezogen", erzählt er.

Auch die Reprivatisierung des Sägewerkes war ein schwerer und langwieriger Behördenmarathon und zog sich sechs Jahre hin. "Der Schornstein raucht zwar nicht mehr, aber dafür drehen sich die Krane auf unseren Baustellen", sagt Werner Kirschner. Die grünen Lkw der Firma sind überall in Zittau unterwegs und zeugen davon, dass 100 Jahre Unternehmensgeschichte noch lange nicht zu Ende sind. "Ich hoffe, dass es nach meinem Sohn später auch noch eine fünfte Generation für den Familienbetrieb geben wird", sagt er.

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