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Firma lenkt im Streit mit Maiwald ein

Der niederländische Konzern Neways lädt den verstoßenen BuS-Gründer zu einer Aussprache ein. Und Werner Maiwald hat klare Vorstellungen davon.

© Alexander Schröter

Von Jens Ostrowski

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Der neue BuS-Eigentümer Neways International lenkt im Streit mit BuS-Gründer Dr. Werner Maiwald offenbar ein: Wie die SZ erfuhr, haben ihn der niederländische Aufsichtsrat und die Geschäftsführung in der nächsten Woche zu einer Aussprache eingeladen.

Seit dem 1. Oktober gehört Riesas größter Arbeitgeber mit rund 900 Mitarbeitern zum niederländischen Konzern Neways Electronics International. Maiwald hatte sich aus Altersgründen schweren Herzens von seinem Unternehmen getrennt – und anschließend scharfe Kritik geübt. „Absprachen und Zusagen, die für mich ausschlaggebend für den Verkauf waren, werden von Neways nicht eingehalten“, sagte er. Maiwald sollte unter anderem 18 Monate lang dem Unternehmen beratend zur Seite stehen. Anfang dieses Jahres aber sei sein Vertrag ohne Angabe von Gründen gekündigt worden. Bereits wenige Tage nach dem Verkauf sei er aus seinem Büro, das ihm für die Beratertätigkeit zugesichert worden war, herauskomplimentiert worden. Seinen Beratervertrag habe er nie erfüllen dürfen. Auch von der besprochenen Integration der beiden Unternehmen sei wenig zu spüren. „Die Niederländer stülpen ihr Konzept der BuS Elektronik stattdessen über.“ Maiwald habe zudem Hinweise darauf, dass Neways nun doch Stellen abbauen könnte. „Es wurde darüber gesprochen, dass manche Leistungen extern vergeben werden könnten, und dass einige Abteilungen nach Ansicht von Neways überbesetzt seien“, sagt Maiwald. Und: „Hätte ich das alles vorher gewusst, hätte ich nicht an die Niederländer verkauft.“

Besonders hart getroffen aber hat ihn die Kündigung der langjährigen Controllerin Ellen Kiel. Ihr soll nach SZ-Informationen vorgeworfen werden, Maiwald nach dessen Ausscheiden mit den Kontodaten von BuS-Mitarbeitern versorgt zu haben, weil er gemeinsam mit seinen einstigen Mitgesellschaftern von der Verkaufssumme Geschenke-Prämien von insgesamt 800 000 Euro an den Großteil der Belegschaft ausschüttete.

Nach der Kritik in unserer Zeitung hat Neways nun reagiert. Maiwald bestätigte entsprechende SZ-Informationen. Demnach werde er nächste Woche einen angebotenen Gesprächstermin mit Geschäftsleitung und Aufsichtsrat im niederländischen Son wahrnehmen. Maiwald sagt deutlich: „Es müssen Entscheidungen zurückgenommen werden. Denn so geht es nicht.“ Damit meint er vor allem die Kündigung von Ellen Kiel. Denn die hat das Unternehmen offenbar hart getroffen. Das belegen anonyme Schreiben, die die Redaktion erreichen, nachdem BuS-Geschäftsführer Werner Witte letzte Woche seinen Mitarbeitern schriftlich ein Redeverbot erteilt hat. Seitdem traut sich nicht einmal der Betriebsrat, offen seine Meinung zur Situation zu sagen. In einem Schreiben, das die SZ gestern von Mitarbeitern erhielt, heißt es unter anderem: „Wie kann man sich gegenüber einer Frau Kiel so benehmen? Wie kann man einer Frau, die sich jahrzehntelang aufgeopfert hat, so gegenübertreten? In der Firma wurde von vielen, egal ob Verwaltung oder Fertigung geweint.“

In dem Schreiben werden Betriebsrat und BuS-Geschäftsführer Dr. Werner Witte, ein Maiwald-Zögling, für eine angeblich schlechte Stimmung im Hause verantwortlich gemacht. Die jetzige Geschäftsleitung habe „ihren Frack ganz schnell in eine neue Richtung gehängt“. Nach SZ-Informationen hätten Witte, der drei Prozent Anteil hielt, durch den BuS-Verkauf ein Erlös von 700 000 Euro zugestanden. Interne Kreise bestätigten, dass sich Maiwald stark dafür eingesetzt habe, dass die Summe auf eine Million Euro aufgestockt wurde, um ihn für die weitere Geschäftsführer-Tätigkeit zu motivieren. Dass Maiwald danach von Witte nicht einmal mehr zum traditionellen Neujahrsempfang eingeladen wurde, stößt im Unternehmen offenbar vielen sauer auf.

Dem Betriebsrat wird vorgeworfen, er soll sich bei Neways in den Niederlanden darüber beschwert haben, dass er von Maiwalds Geldsegen nicht berücksichtigt wurde. Dadurch sei die Auflösung von Maiwalds Beratervertrag und die Kündigung der Controllerin erst ins Rollen gekommen. Betriebsratschef Hartmut Radisch hatte der SZ bereits vergangene Woche mitgeteilt, dass sich das Arbeitnehmer-Gremium zur Personalie Kiel nicht äußern werde. Maiwald aber bestätigte gestern, er habe Gründe dafür gehabt, den Betriebsrat bei seinem Geldgeschenk auszusparen.

Klar ist, dass die Belegschaft nach dem BuS-Verkauf verunsichert ist. „Niemand, niemand steht mehr hinter dem Betriebsrat. Und auch hinter der Firma BuS zu stehen, fällt im Moment schwer“, heißt es in dem Schreiben.

Die Verantwortlichen von BuS und Neways äußerten sich gestern auf SZ-Anfrage nicht. Auch der Betriebsrat schwieg.

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