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Firmen buhlen um Azubis

1 000 freie Ausbildungsstellen und duale Studienplätze sind noch frei. Firmen und Schüler sollen sich jetzt besser kennenlernen.

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Von Peggy Zill

Einmal im Operationssaal stehen und einen Blick in die Notaufnahme werfen: Zur Woche der offenen Unternehmen im März ist das möglich. Ärzte, Krankenpfleger, Physiotherapeuten und Laborassistenten des Döbelner Klinikums stellen Schülern ihre Berufe vor und beantworten eine Stunde lang Fragen. „Das soll alles ganz praxisnah sein“, sagt Pflegedienstleiterin Romi Konrad. Vielleicht wird der eine oder andere Besucher später auch eine Bewerbung abgeben. Genau das ist das Ziel der Woche der offenen Unternehmen vom 24. bis 29. März. Organisiert wird sie dieses Jahr zum ersten Mal vom Landratsamt, Arbeitsamt und den Kammern gemeinsam.

Das Döbelner Klinikum ist zum ersten Mal dabei. „Für uns ist das eine gute Möglichkeit, uns zu präsentieren und die Mitarbeiter können zeigen, dass ihnen ihr Job Spaß macht“, so die Pflegedienstleiterin. Das Krankenhaus beteilige sich schon lange an ähnlichen Veranstaltungen. Aus dem Döbelner Gymnasium kommen zum Beispiel regelmäßig Klassen vorbei. Das Klinikum ist auch noch in der komfortablen Lage, für die Ausbildungsstellen genügend Bewerber zu haben. „Am 31. Dezember ist bei uns Bewerbungsschluss. Im späten Frühjahr sind alle Plätze belegt“, erklärt Romi Konrad.

Eine große Auswahl haben unterdessen nur noch wenige Firmen. Im vergangenen Jahr gab es in Mittelsachsen 1 672 Ausbildungsstellen. Demgegenüber standen 1 723 Bewerber. Die gute Nachricht ist, dass die Talsohle bei der Zahl der Schulabgänger überwunden ist. Bis 2016 werden 2 400 prognostiziert. Aktuell sind laut Arbeitsagentur rund 1 000 Ausbildungsstellen und duale Studienplätze frei. Trotzdem werden auch in Zukunft viele Firmen keine passenden Azubis finden. „Weil viele sich nach der Schule nicht für eine duale Ausbildung bewerben“, erklärt Beate Beier, operative Geschäftsführerin der Agentur für Arbeit Freiberg. Mehr als 100 Ausbildungsstellen sind im vergangenen Jahr unbesetzt geblieben.

Mit der Woche der offenen Unternehmen können die Firmen für sich werben und die Schüler sich gleich ein realistisches Bild des Berufes verschaffen. In den vergangenen Jahren stieß dieses Angebot aber kaum auf Interesse. Die Anmeldezahlen waren so gering, dass sich auch nur noch wenige Firmen daran beteiligt haben. Das Landratsamt will nun mit einem neuen Konzept alles besser machen. Die Zahlen klingen schon mal nicht schlecht: Von 52 angeschriebenen Schulen wollen sich 28 Gymnasien, Oberschulen und Förderschulen mit mehr als 9 500 Schülern beteiligen. 135 Unternehmen bieten auf 769 Veranstaltungen 4 200 Plätze an. Vom Arzt bis zum Zerspanungsmechaniker ist fast alles dabei. Vier Tage nach Anmeldestart sind 385 Plätze vergeben. „Wir machen das zum ersten Mal und hoffen, dass sich die Veranstaltung in den nächsten Jahren etabliert“, sagt Jens Spreer vom Landratsamt.

Einen Wermutstropfen gibt es für die Förderschüler. Die Schulen aus der Region Döbeln haben sich zwar für die Aktionswoche angemeldet, allerdings werden sie kaum passende Angebote finden. Alle anderen Schulen können bis zum 14. Februar ihre Schüler auf der Internetseite www.biw.lra-mittelsachsen.de eintragen. Auch die Eltern können zu den Veranstaltungen, die alle nach 14 Uhr beginnen, mitkommen.