merken
PLUS

Niesky

Der Analoge geht, der Digitale kommt

Jörg Kalbas ist neuer Chef über 1.800 Wohnungen sowie das Bürgerhaus. Der Horkaer Wirtschaftsingenieur löst Wilhelm Fischer ab, der 30 Jahre die GWG führte.

Jörg Kalbas (vorn) ist der neue Geschäftsführer der Gemeinnützigen Wohnungsbaugesellschaft Niesky. Er übernimmt von Wilhelm Fischer. Er geht jetzt in den Ruhestand.
Jörg Kalbas (vorn) ist der neue Geschäftsführer der Gemeinnützigen Wohnungsbaugesellschaft Niesky. Er übernimmt von Wilhelm Fischer. Er geht jetzt in den Ruhestand. ©  André Schulze

Seit einer Woche sitzt Jörg Kalbas an dem Schreibtisch, dessen Platz zuvor Wilhelm Fischer gehörte. Der 43-Jährige ist seit diesem Monat der neue Geschäftsführer der Gemeinnützigen Wohnungsbaugesellschaft Niesky. Er führt die Arbeit von Wilhelm Fischer fort, der mit 66 Jahren nun in Rente geht.  

Wilhelm Fischer leitete die GWG seit ihrer Gründung drei Jahrzehnte lang. Den Einstieg in die Wohnungswirtschaft vollzog der Nieskyer aber schon viel früher. "Im Mai 1977 begann ich beim VEB Gebäudewirtschaft in Niesky zu arbeiten. Damals zählte der Volkseigene Betrieb 60 Mitarbeiter", erzählt Wilhelm Fischer. Ein Grund für die hohe Zahl an Mitarbeitern waren die drei großen und mehrere kleinere Heizhäuser in der Stadt. Diese mussten rund um die Uhr mit Kohle gefüttert werden. Heute zählt die GWG 14 Mitarbeiter plus ihrem Geschäftsführer. Jetzt in Person von Jörg Kalbas.  

Reppe & Partner Immobilien

Bietet Ihnen das komplette Rundum-sorglos-Paket für Ihr Immobilieneigentum.

Erfahrungen bei der GWG gesammelt

Jörg Kalbas bewarb sich auf die Ausschreibung der Führungsstelle bei der GWG. Zwei Gründe bewegten ihn dazu: zum einen sind dies familiäre Gründe und zum anderen weil das Wohnungsbauunternehmen für ihn keine Unbekannte ist. Jörg Kalbas ist in Görlitz geboren, in Horka aufgewachsen und zur Schule gegangen. Sein Abitur machte er in Görlitz und studierte anschließend in Zittau. "An der Hochschule Zittau studierte ich in der Fachrichtung Wohnungs- und Immobilienwirtschaft mit Abschluss als Diplom-Wirtschaftsingenieur (FH) im Jahr 2002", erzählt der 43-Jährige.

In der Zeit seines Studiums sammelte Jörg Kalbas bei der GWG seine ersten praktischen Erfahrungen. Als Angestellter war er von 2005 an für vier Jahre für die Wohnungswirtschaft und die Gewerberaumverwaltung bei dem Niesyker Unternehmen zuständig. Bei seinem weiteren beruflichen Werdegang blieb Kalbas der Immobilienbranche treu. Zuletzt bei einem Immobilienunternehmen in Hamburg.   

Chef von drei Gesellschaften

Sein Wissen und seine Berufspraxis will Kalbas nun in Niesky einbringen und "den wirtschaftlichen Erfolg der Gesellschaften fortführen", betont er. Denn der Wirtschaftsingenieur ist jetzt nicht nur Geschäftsführer der GWG, sondern auch der Bürgerhaus Niesky GmbH. Bei beiden ist die Stadt Niesky 100-prozentiger Gesellschafter. Dazu kommt gegebenenfalls noch die Wohnungs-GmbH Rietschen (WGR), deren Leitung Jörg Kalbas ebenfalls von Wilhelm Fischer übernehmen soll. 

Eine große Verantwortung lastet da auf den "Neuen". Wilhelm Fischer sagt: "Herrn Kalbas kann ich zwei funktionierende Gesellschaften übergeben, die GWG und die Bürgerhaus GmbH." Seit Mitte der 1990er Jahre wurde viel in den Wohnungsbestand der GWG investiert. Das ging los mit Dämmung von Fassade und Dach, neuen Fenstern und Heizungsanlagen sowie neuen Anstrichen der Häuser. Das Wohnumfeld wurde mit neu gestalteten Spiel-, Park- und Wäscheplätzen aufgewertet, bis hin zur Verbesserung des Wohnkomforts. Zu nennen sind der Anbau von Balkonen, barrierefreier Wohnungen und digitaler Info-Tafeln für die Mieter. 22 Stück sind bereits in den Hausfluren installiert.

Die ersten mit Balkon und Fahrstuhl

Darauf ist Wilhelm Fischer sichtlich stolz: "Nicht nur, dass wir die ersten bei den digitalen Infotafeln sind. Wir haben auch als erste in der Stadt Niesky begonnen, neue Balkone anzubauen und bisher sechs Fahrstühle an die Häuser gebracht." Dass das der GWG gehörende Ärztehaus in der Hausmannstraße mit Praxen und einer Apotheke ausgelastet ist, führt Fischer mit auf den angebauten Fahrstuhl zurück. Die GWG ist es auch gewesen, die den ersten öffentlichen Hot Spot in der Stadt Niesky an ihrem Verwaltungssitz in der Horkaer Straße einrichtete. Dort kann man sich tagsüber in das Internet einwählen. Als Barrierefreiheit noch ein Fremdwort war, richtete bereits 1999 die GWG die erste behindertengerechte Wohnung in der Gerichtsstraße 4 ein.

Wenn Wilhelm Fischer von Investitionen spricht, dann ist auch das Bürgerhaus mit seinem Hotel mit zu erwähnen. Die neueste und mit die teuerste Errungenschaft ist der Fahrstuhl am Bürgerhaus. Aber auch im Inneren wurde über die Jahre kontinuierlich erneuert und modernisiert. Neue Küchengeräte, eine Klimaanlage, ein modernes Kassensystem, neue Bestuhlung in den Gasträumen sowie neue Audio-Technik im Saal einschließlich Geräte für hörgeschädigte Gäste. "Wir konnten über die Jahre den Umsatz mehr als verdoppeln", sagt Wilhelm Fischer. Lag dieser in den Anfangsjahren bei umgerechneten 700.000 Euro, so macht das Bürgerhaus jetzt rund 1,5 Millionen Euro Umsatz im Jahr. "Das vergangenen Jahr war eines unserer besten. Der Umsatz lag 20 Prozent über dem Plan", ergänzt Fischer. Das täuscht aber nicht darüber hinweg, dass trotz der guten Zahlen das Bürgerhaus insgesamt ein Zuschussgeschäft bleiben wird. 

In Wohnungen investieren

Alles das bekommt Jörg Kalbas als Mitgift sozusagen. Sein Blick ist auf das laufende Geschäftsjahr gerichtet und die kommenden. Für dieses Jahr sind wieder einige Investitionen vorgesehen. Am Wohnblock Zinzendorfplatz/Poststraße soll die Fassade einen neuen Anstrich bekommen und in der Plittstraße/Wiesenweg eine Fahrradgarage hingesetzt werden. "Der Schwerpunkt wird die Wiedervermietung von Wohn- und Gewerberäumen sein", sagt Kalbas. Auch wenn die GWG nur einen Leerstand von rund sechs Prozent hat, gibt es bei den insgesamt rund 1.800 verwalteten Wohnungen und 80 Gewerbeeinheiten einiges zu tun. "Zumal die Ansprüche der Mieter in den letzten Jahren gestiegen sind", ergänzt Fischer.  

Dazu kommen die bundesweiten Herausforderungen wie die digitalisierte Wohnungswirtschaft und die fortschreitenden staatlichen Regulierungen im Mietrecht, die von der GWG kritisch betrachtet werden. Besonders, was die digitale Zukunft betrifft, sieht Wilhelm Fischer in Jörg Kalbas den richtigen Mann auf seinem Stuhl. "Ich bin mehr der analoge Mensch, Jörg Kalbas setzt auf das Digitale", sagt Wilhelm Fischer. Für ihn bedeutet der Wechsel: "Der Analoge geht und der Digitale kommt".  

Mehr Nachrichten aus Görlitz lesen Sie hier 

Mehr Nachrichten aus Niesky lesen Sie hier