merken
PLUS

Fischsterben in Frankenthal

Die Folgen eines Gülleunfalls in der Schweinemast sind schlimmer als gedacht.

Von Carolin Menz

Die Forellen sind gestorben. Ihre leblosen Körper schwimmen auf der Wasseroberfläche. Viele liegen noch tot auf dem Grund. Auch sie werden noch nach oben treiben. Ein trauriger Anblick. Sylvia Petschel kann ihn kaum ertragen. Ihre beiden kleinen Kinder können nur schwer verstehen, dass die Fische, die immer gierig nach Futter japsten, keinen Hunger mehr haben. 80 Fische, 40 Forellen und fast ebenso viele Karpfen im Privatteich von Familie Petschel aus Frankenthal sind qualvoll verendet. Kein Leben mehr ist im Teich am Mittelweg. Nur noch dreckiges Wasser.

Wandern
Schritt für Schritt
Schritt für Schritt

Gerne an der frischen Luft und immer in Bewegung? Wanderwege, Tipps und Tricks finden Sie hier.

Das Fischsterben ist die schlimme Folge des Gülleunfalls vor wenigen Tagen. Ein Güllebehälter in der Schweinemastanlage Frankenthal war übergelaufen. Drei solcher Behälter für die Hinterlassenschaften von 6 500 Schweinen gibt es hier, sagt Hagen Roßmann, Geschäftsführer der Agrö Frankenthal GmbH als Betreiber. Einmal im Monat wird die Gülle aus dem Stall in die Behälter abgepumpt, bevor sie auf Feldern verteilt wird. Immerhin 9,75 Millionen Liter Gülle fallen jährlich an in der Frankenthaler Schweinemastanlage.

Vom Stall aus wird die Gülle über drei Ableitungen in drei Behälter geführt. „Einer der Behälter war bereits voll, die zwei anderen waren leer, mit Schiebern sind sie voneinander getrennt“, so Hagen Roßmann. Der Mitarbeiter, der das Abpumpen der Gülle am Donnerstag übernahm, schloss den Schieber, damit Gülle in den nächsten, freien Behälter abfließen konnte. „Doch im Schieber muss sich ein Fremdkörper befunden haben, denn im leeren Becken kam die Gülle nicht an, sondern floss in das bereits volle. So kam es zum Überlaufen“, sagt Hagen Roßmann.

Dann ging alles sehr schnell: Die Gülle floss ins Auffangbecken. Als es voll war, lief die stinkende Masse auf die Straße, in Abwasser- und schließlich die Hauptwasserkanalisation, die mehrere Teiche nahe der Schweinemastanlage speist. Der Mitarbeiter bemerkte davon nichts, das Abpumpen der Gülle wird nicht andauernd überwacht, geht automatisch, wie Hagen Roßmann sagt. Petschels Nachbar alarmierte die Feuerwehr – sein Teich lief voll Gülle. Das Wasser wurde sofort vollständig abgepumpt, Polizei und Umweltamt waren vor Ort. Danach schien die Lage unter Kontrolle. „Doch die Teiche hängen zusammen, es gibt einen Zulauf. So gelangte die Gülle doch noch zu uns“, sagt Sylvia Petschel.

Schon Donnerstagabend war absehbar, dass die Fische Probleme haben. Die Karpfen kippten verdächtig zur Seite. Es gab zu wenig Sauerstoff im Wasser, auch der ph-Wert hatte sich verändert. „Die Feuerwehr füllte 30 Kubikmeter frisches Wasser ein“, so Mathias Petschel. „Wir haben versucht, die Tiere zu retten.“

Doch es war zu spät. Zwei Tage später waren sämtliche Fische gestorben, die Petschels seit 2008 für den Eigengebrauch hielten. Hagen Roßmann bedauert den Vorfall sehr, wie er sagt. „Die Versicherung oder wir werden in voller Höhe für den Schaden aufkommen.“ Ein Gutachter im Auftrag der Versicherung werde den Schaden jetzt prüfen und entscheiden, ob eine grundlegende Sanierung erfolgen muss. Im nächsten Jahr sollen wieder Fische darin schwimmen, sagt Sylvia Petschel. Geschäftsführer Roßmann will jetzt Sorge dafür tragen, dass ein Gülleunfall nie wieder passieren kann in der Schweinemastanlage. Die Schieber in den Güllebehältern sollen sicherer werden.