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Fischzug durch Jahrhunderte

Petri Heil! Eine Rückblende auf die Fischerei unserer Heimat, in der neben Forellen und Hechten auch von Aalen, Lachsen und Krebsen die Rede ist.

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Von Heinz Fiedler

Sechs hungrige Seelen um einen einzigen aufgetafelten Hering, das soll es vor 200 Jahren noch gegeben haben. Auch in den Dörfern des Weißeritztales, wo die täglichen Mahlzeiten wenig Abwechslung bieten. Man begnügt sich entweder mit einem dicken, rasch sättigenden Kartoffelbrei oder ganzen Kartoffeln mit Zwiebelquark, verschiedenen Brühen, einer Messerspitze Fett und dem schon zitierten Hering.

Verschickt nach ganz Europa

Die Tischsitten sind rau, aber offenbar herzlich. Man sitzt Schulter an Schulter um den großen Küchentisch. Das Gesinde von Klein- und Mittelbauern isst aus dem gleichen Topf, aus dem sich die Bauernfamilie bedient. Nicht jeder kann sich ein eigenes komplettes Besteck leisten. Ein unbekannt gebliebener Spaßvogel lässt sich dazu einen Reim einfallen: „Mit der Gabel ist’s eine Ehr’, mit dem Löffel erwischt man mehr.“

Doch nicht nur Heringe oder getrockneter, eingesalzener Stockfisch bilden einen geschätzten Bestandteil des Speisezettels. Wer begütert ist, nutzt den Fischreichtum einheimischer Gewässer. An etlichen Flüssen unserer Gegend sind die Fangergebnisse so ausgezeichnet, dass sich Berufsvereinigungen bilden, deren Mitglieder ausgenommene und eingesalzene Fische nach ganz Europa verschicken.

Erster Beleg: März anno 1465

Leute, die an Bächen, Flüssen und Wassergräben zu Hause sind, pflegen sich zum Verdruss der rechtmäßigen Besitzer selbst mit Fisch zu versorgen. Mit Angeln, Reußen und Netzen halten sie trotz Verbots schwarze Fischzüge ab, die sich oft genug lohnen.

Der früheste Hinweis auf Petri Heil und Fischerei in heimatlichen Gefilden stammt bereits aus dem 15. Jahrhundert. Am 25. März des Jahres 1465 verschreiben die Fürstenbrüder Ernst und Albrecht einem gewissen Friedrich Kotheridzsch auf Lebzeiten als Fischwasser „die Weysseritz so am Dorfe Plawen (Plauen) anfängt und sich zu Potzappfel (Potschappel) endigt.“

Das Fischereirecht in dem Gebiet der Wilden Weißeritz steht Ausgang des 15. Jahrhunderts auch Geistlichen zu. Dorfhains letzter katholischer Pfarrer, Michael Brachvogel, nimmt, wie seine Vorgänger, das Fischen im Weißeritzmühlgraben für sich in Anspruch. Eine Vergünstigung, die ansonsten nur dem königlichen Staatsfiskus und Herrschaften der Rittergüter eingeräumt wird.

Fischmeister aus Potschappel

Große Ehre wird im September 1573 Joseph Benno Theler, Erbherr auf Potschappel mit Zubehör Deuben, Schweinsdorf und Kleinnaundorf, zuteil. Der Kurfürst bestellt den einflussreichen Mann zum Landesfischmeister.

Theler macht sich sogleich verdient. Gemeinsam mit einem gewissen Abraham Bock entwirft er eine neue Fischordnung. Auf kurfürstliches Geheiß leitet er im Herbst 1576 das Abfischen verschiedener Teiche in Kleinwolmsdorf, Bernsdorf und Eckersdorf. Die Ausbeute übertrifft alle Erwartungen. Ein Zentner abgefischter Hechte wird für zehn Gulden veräußert. Karpfen werden für vier Gulden gehandelt. Alles in allem kann Theler dank der von ihm inspirierten züchterischen Maßnahmen im Vergleich zu früheren Ergebnissen einen Mehrertrag von 2 300 Gulden abrechnen.

Potschappels mächtigster Mann hat seine Augen überall. Auf seine Anregung hin lässt der Hof einen Forellenteich am Wernersbach im „Tharandtischen Walde“ derart ausbauen, dass das Gewässer bald auf so hohe Erträge wie in Moritzburg, Dippoldiswalde und Friedewalde kommt. Die Situation im Gebiet der Wilden Weißeritz ist längere Zeit unterschiedlich. Während sich Forellen behaupten können, wird das Krebsaufkommen ein Opfer der grassierenden Krebspest. Aale hingegen breiten sich mehr und mehr aus. Eine von staatlicher Seite 1891 vorgenommene Überprüfung der einheimischen Fischereiverhältnisse ergibt, dass der Forellenbestand um einiges hinter den Erwartungen zurück bleibt.

Die Gründe: Raubfischerei vieler Mühlenbesitzer, Wassermangel, zu viele Wehre und natürliche Feinde wie Fischotter, Füchse, Eisvögel und Wasseramseln. In einem abgefassten Protokoll heißt es, dass der Lachs in der Wilden Weißeritz einst bis Rehefeld und in der Triebisch bis Tanneberg zum Zwecke des Laichens vertreten war. Sein Ausbleiben wird auf zu hohe Wehre und auf die Verunreinigung der Flüsse durch gewerbliche Anlagen zurückgeführt.

Eine Million Edelfische

Bedeutung erlangt ab 1888 die Fischzuchtanstalt von Linke im Weißeritztal oberhalb von Tharandt. Heimatforscher Leßke formuliert dazu 1903: „In den letzten Jahren wurden in der Anstalt 15 000 Regenbogenforellen, 10 000 Bachsaiblinge und rund 985 000 Bachforellen – also rund eine Million Edelfische – ausgebrütet.“