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Fit muss weiter auf Hochwasserschutz warten

Erst in zwei oder drei Jahren wird das Werk sicher vor einer neuen Neißeflut sein. Die Bauverzögerung sorgt für Ärger.

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Von Jan Lange

Wolfgang Groß fühlt sich wie in einem schlechten Film. Eigentlich war der Chef der Fit GmbH Hirschfelde davon ausgegangen, dass noch in diesem Jahr der Bau des neuen Hochwasserschutzes auf dem ehemaligen Kraftwerksgelände beginnt. Daraus wird nichts, wie die Landestalsperrenverwaltung (LTV) bestätigt. „Das Projekt befindet sich derzeit in der Vorplanung“, erklärt Pressesprecherin Britta Andreas.

Noch dieses Jahr wird aus den untersuchten Varianten die nach Auffassung der LTV günstigste festgelegt und bei der Genehmigungsbehörde eingereicht. Mit einer Genehmigung rechnet Frau Andreas frühestens im nächsten Jahr. „Somit wäre die Realisierung der geplanten Baumaßnahme erst 2016/2017 möglich“, so die LTV-Pressesprecherin.

Dass es dieses Jahr noch nicht losgeht, findet der Fit-Chef mehr als ärgerlich. „Es zieht sich wie ein Kaugummi hin“, meint Groß. Die Politiker können sich seiner Meinung nach nicht rausreden, denn auch die polnische Seite baue laut Fit-Chef bereits einen höheren Hochwasserdamm.

Auf dem Gelände des Spülmittelherstellers gibt es schon einen Deich, dieser muss jedoch dringend saniert werden und ist zumindest nicht für ein extremes Hochwasser wie 2010 ausgelegt. „Bei Abflüssen, die größer als ein statistisch alle 50 Jahre auftretendes Hochwasser sind, wird der Deich derzeit abschnittsweise überflutet“, sagt Frau Andreas. Außerdem ist nicht das gesamte Gelände durch einen Deich geschützt, sodass das Wasser um den vorhandenen herumfließen kann. An dieser Stelle soll nun ein neuer Deich errichtet werden.

Im August 2010 war die Neiße so hoch angestiegen, dass sie das Fit-Gelände überflutete. Die Gebäude standen bis zu 1,20 Meter unter Wasser. Gut eine Woche stand die Produktion des deutschlandweit bekannten Spülmittels still. Durch die Flut entstand ein Millionenschaden. Groß gab dennoch nicht auf, kämpft aber seitdem dafür, dass der Hochwasserschutz auf dem ehemaligen Hirschfelder Kraftwerksgelände verbessert wird. Zu diesem Zweck hatte er gemeinsam mit anderen Hirschfelder Einwohnern im Sommer 2011 eine Bürgerinitiative gegründet.

Deren Mitglieder wollten den Druck gegenüber den verantwortlichen Behörden und Politikern erhöhen, damit Planung und Bau des neuen Neißedammes beschleunigt werden. Groß hatte vor drei Jahren erklärt, dass es nicht um Polarisierung gehe, sondern darum, gemeinsam Wege zu finden, schneller das Ziel zu erreichen. Versprochen worden sei ihnen auch die Realisierung des Hochwasserschutzes im Jahr 2014. Dass sich nun alles noch mindestens um zwei Jahre verzögern wird, kann der Hirschfelder Unternehmer nicht verstehen. „Ein bisschen mehr Geschwindigkeit tut not“, findet Groß, und bringt gleich noch ein zweites, sich dahinschleppendes Bauvorhaben zur Sprache. Auch bei der neuen B 178 hätten die Politiker versprochen, dass die Straße längst fertig sei. „Wir können aber weder am Ende noch am Anfang durchfahren“, so Wolfgang Groß, der seine Spülmittel schnell in alle Ecken Deutschlands transportieren lassen muss.

In Sachen Hochwasserschutz hat die Fit GmbH längst eigene Vorkehrungen getroffen. So wurde zum Beispiel die EDV-Technik in höhergelegene Räume umgesetzt. Darüber hinaus wurden zusätzliche Barrieren an wichtigen Gebäuden eingebaut, damit das Wasser nicht gleich wieder die Produktionshallen überflutet.

Ein neuer Neißedamm sei dennoch wichtig, da er den größten Schutz bietet. Und ein umfangreicher Schutz ist künftig noch wichtiger – hat doch die Fit GmbH in den vergangenen Monaten wieder eine Millionensumme in eine neue Produktionshalle investiert. Auch wenn der neue Neißedamm zumindest geplant wird, sieht Groß die Aufgabe der Bürgerinitiative noch nicht erfüllt. „Wir müssen immer aktiv sein“, meint er. „Wenn woanders etwas passiert, ist das wieder wichtiger als der neue Deich in Hirschfelde.“

Unterstützt wird er dabei vom Hirschfelder Ortsbürgermeister Bernd Müller. Er hatte bei der Gewässerschau im Vorjahr einige Vorschläge gemacht, wie die Gefahr neuer Überflutungen verringert werden kann. „Die Neißebrücke an der Kraftwerksstraße ist ja schon verschwunden“, sagt Müller. Der Brückenpfeiler in Rosenthal müsse noch beseitigt und der Zufluss der Küpper in die Neiße gekappt werden. Für Letzteres sind die Polen zuständig. Und die realisieren derartige Baumaßnahmen mitunter schneller als die Deutschen.