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Fitnessboom sorgt für neue Berufe

Landkreis. Für 290 Jugendliche im Gebiet des Arbeitsamtes Riesa ist die Zukunft weiter ungewiss. Sie waren noch „nicht vermittelt“ für eine der knappen Lehrstellen. Zehn freie Ausbildungsplätze stehen dem gegenüber.

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Von Claudia Parton

Landkreis. Für 290 Jugendliche im Gebiet des Arbeitsamtes Riesa ist die Zukunft weiter ungewiss. Sie waren noch „nicht vermittelt“ für eine der knappen Lehrstellen. Zehn freie Ausbildungsplätze stehen dem gegenüber. Am Sonntag endet die Probezeit für Lehrlinge in den Betrieben. „Dann könnten noch ein paar Lehrstellen frei werden“, sagte ein Berufsberater des Arbeitsamtes.Drei neue Berufe entstehen in der RegionDie Chancen stehen gut, sagt ein Berufsberater. Die Ausbilder beschweren sich über faule, unpünktliche und ungebildete Lehrlinge. Der Schulleiter des Beruflichen Schulzentrums in Meißen, Wolfgang Metzig, kennt angehende Maurer, die eine Ecke über den Satz des Pythagoras anlegen sollten - und versagten. Jedes Jahr im November organisiert er deshalb einen Tag der offenen Tür. „Hier können die Betriebe und Bildungseinrichtungen selbst sagen, was sie von ihren Auszubildenden erwarten. Das glauben die Schüler eher, als wenn ein Lehrer etwas sagt.“ Sechs Berufliche Schulzentren, zwölf Unternehmen sowie die Handwerks-, Industrie- und Handelskammern kamen am Sonnabend.Großes Interesse gab es an den neuen Berufen, die in der Region entstanden sind. Seit zwei Jahren gibt es die Ausbildung zu Kaufleuten im Veranstaltungs- sowie Fitnessbereich und im Gesundheitswesen. Die Lehrlinge organisieren später Feiern oder den Ablauf in einem Fitnessstudio. Die Nachfrage steigt. Vor zwei Jahren saßen im Beruflichen Schulzentrum in Riesa 32 Lehrlinge in den drei Berufen. „Heute unterrichten wir pro Beruf eine Klasse mit je 32 Schülern“, sagte die Lehrerin Astrid Becker. Spitzenreiter in der Liste der Lieblingsberufe bleiben die Gastronomie-, Metall- und Elektrobranche.Auch die sächsischen Universitäten sind im Umbruch: Sie organisieren ihre Studiengänge neu. Statt der Magister- oder Diplomstudiengänge soll es in einigen Jahren Bachelor- und Masterabschlüsse geben. Die TU Dresden bietet diese Abschlüsse in einigen Ingenieurs- und Wirtschaftsstudiengängen an. Bereits nach sechs Semestern haben die Studenten einen berufsqualifizierenden Abschluss in der Tasche. Später können sich die Studenten mit dem Masterstudium auf einen Teilbereich ihres Faches spezialisieren. Dieser Abschluss hat den Wert des Magisters oder Diploms.Nicht nur Prospekte,auch Perspektiven5 000 Jugendliche kamen am Sonnabend ins BSZ Meißen. Das sei zuerst ein Kampf gegen die Hoffnungslosigkeit, sagte eine Berufsberaterin. „Wenn die Jugendlichen ständig hören, dass es zu wenig Lehrstellen gibt, verfallen viele in Lethargie und versuchen es gar nicht erst.“ Anja Kühnert aus Lommatzsch hat neben Prospekten auch neue Ideen mit nach Hause genommen. Die Schülerin der 9. Klasse wollte sich über den Beruf des Mediengestalters informieren. „Jetzt habe ich noch ein paar andere Perspektiven. Wenn ich keine Lehrstelle als Mediengestalterin bekomme, versuche ich es als Hotelfachfrau oder Krankenschwester.“