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Touristenschreck kommt hinter Gitter

Bis Ende 2022 ist es in der Dresdner Innenstadt etwas sicherer. Roberto S. wurde jetzt erneut verurteilt - zum 35. Mal.

Blick auf das Amtsgericht Dresden: Hier wurde der Fall Roberto S. verhandelt.
Blick auf das Amtsgericht Dresden: Hier wurde der Fall Roberto S. verhandelt. © Marion Doering

Nun war es wieder soweit. Am Montag hat sich Roberto S. am Amtsgericht Dresden seine nächste Strafe abgeholt. Es ist inzwischen seine 35. Verurteilung. Im November 2018 hatte der 51-jährige Deutsche auf einen Rentner eingeschlagen, der vor der Frauenkirche Flaschen aus einem Abfallbehälter gefischt hatte.

Vor allem in der Dresdner Innenstadt ist Roberto S. bekannt, um nicht zu sagen berüchtigt. Der in Zwickau geborene Obdachlose vertreibt sich seit Jahren zwischen Brühlscher Terrasse, Neumarkt und Külz-Ring die Zeit. Oft ist er dabei stark alkoholisiert. 

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Seine Tagesration bestünde aus einer Kiste Bier und zwei Flaschen Pfeffi, wie er einmal in einem früheren Prozess ausgesagt hatte. 2016 wurde er etwa verurteilt, weil er mit seinem auffälligen Fahrrad, er hat es mit Dynamo-Logos, Totenköpfen und einem Kuh-Schädel aufgehübscht, eine bejahrte Touristin über den Haufen gefahren und beschimpft hatte – auch das direkt vor der Frauenkirche.

Im August 2018 wurde er zu insgesamt drei Jahren und drei Monaten Haft verurteilt, weil er mehrfach auf Fahrgäste in Straßenbahnen und Passanten eingeschlagen und sie zum Teil schwer verletzt hatte. Wie in dem aktuellen Prozess hatte er auch damals schon mehrere massive Metallringe getragen, die die Wucht seiner Schläge verstärkt hatten.

Für Rentner Christian W. war es einfach Pech, dass Roberto S. diese Haftstrafe erst im Dezember angetreten hatte. Am 12. November sammelte er mittags am Neumarkt Flaschen, der 68-Jährige macht das schon seit vielen Jahren. Den Angeklagten kannte er vom Sehen. „Er wollte, dass ich keine Flaschen sammle“, sagte W.

Touristen rufen Polizei

S. hatte zuvor gestanden, dass er W. geschlagen hatte. Er behauptete, ihm sei am Vortag auf der Brühlschen Terrasse sein Rucksack gestohlen worden. Weil er W. im Verdacht hatte, habe er ihn zur Rede gestellt. Bei der Auseinandersetzung habe er auf W. eingeschlagen, so S., er sei aber auch von dem 68-Jährigen geschlagen worden.

Die Bürgerpolizistin Anja N. war von Touristen alarmiert worden. Sie fand S., der schon wieder die nächste Touristengruppe bepöbelt habe, berichtete die Zeugin. Dann habe sie W., der stark im Gesicht blutete, entdeckt. Er wurde in eine Klinik gebracht, die Wange musste genäht werden.

Richterin Birgit Keeve verurteilte S. wegen gefährlicher Körperverletzung zu weiteren zehn Monaten Haft. Damit ging sie mehrere Monate über die Anträge von Staatsanwaltschaft und Verteidigung hinaus. Sie habe sich zügeln müssen, ihm nicht noch mehr zu geben, sagte die Richterin. Er könne sich darüber nicht ernsthaft beklagen.

Nur wenige Wochen vor der Tat sei S. verurteilt worden, weil er mehrere Menschen, darunter mehrere Frauen, mit seinen massiven Ringen verletzt hatte. S. schimpfte während der Urteilsverkündung: „Ich muss mich nicht schlagen lassen!“ Die Richterin entgegnete, er habe zuerst geschlagen.

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