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Flaute auf dem Gellertberg

Die Corona-Krise trifft die Kulturbranche hart. Der Niederauer Hagen Pelz hatte Glück im Unglück.

Sommerkino auf dem Gellertberg. Ob es dieses Jahr stattfinden kann, steht noch nicht fest.
Sommerkino auf dem Gellertberg. Ob es dieses Jahr stattfinden kann, steht noch nicht fest. ©  Archivfoto: Claudia Hübschmann

Niederau. Seit vielen Jahren betreibt Hagen Pelz mit seiner Frau Gritt das Kulturhaus in Niederau, organisiert im Sommer auch zahlreiche Veranstaltungen auf dem Gellertberg.  Das alles machen die beiden nebenberuflich. Hagen Pelz hat noch eine feste Anstellung, seine Frau betreibt in Niederau einen Friseursalon. "Diese Doppelbelastung wurde mit der Zeit immer größer. Die Bücher waren voll", sagt Hagen Pelz, der auch Gemeinderat ist. 

Und so trug er sich ernsthaft mit dem Gedanken, seinen Job aufzugeben und die Kultur als Selbstständiger zum Hauptberuf zu machen. Jetzt ist er froh, dass er es doch nicht  tat. "Gott sei Dank habe ich es nicht gemacht. Die Corona-Krise hätte mich schwer getroffen. Manchmal muss er eben Glück haben", sagt er. Denn alle Veranstaltungen musste er absagen, vorläufig bis zum 19. April. Ob und wie es dann weitergeht, weiß er nicht. "Das wäre wie ein Blick in die Glaskugel", so Hagen Pelz. 

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Von sich aus werde er jedenfalls keine Veranstaltung absagen, wartet auf die Entscheidung der Behörden. Ansonsten müsste er möglicherweise Entschädigung an die Künstler zahlen. "Wir haben bisher immer fair mit den Künstlern zusammengearbeitet, das soll auch so bleiben. Wir möchten versuchen, für alle Veranstaltungen Ersatztermine zu finden, vor allem im nächsten Jahr", sagt er. Wenn das nicht möglich sei, bekämen die Kunden ihr Geld zurück. Dazu müssten sie sich an die jeweiligen Vorverkaufsstellen wenden. 

Nur eine Veranstaltung findet definitiv nicht statt. Es ist ein Rock'n'Roll-Konzert mit einem Double von Elvis Presley, das für den 20. Juni geplant war. Der Künstler kommt von den Philippinen, darf wahrscheinlich nicht einreisen. Und selbst wenn, müsste er wohl in Quarantäne. Verlegt hingegen ist die traditionelle Mühlenparty im Kulturhaus, die sonst immer am Ostersonnabend stattfindet. Da kommen viele Gäste, die die Region verlassen haben und treffen sich wieder. Diese 80er-Jahre-Party ist ein Selbstläufer. Sie wird es nun am 19. Dezember geben. Die bereits gekauften Karten behalten ihre Gültigkeit.

Betreiben das Kulturhaus in Niederau, machen aber auch Veranstaltungen auf dem Gellertberg und im Wasserschloss Oberau: Gritt Würdig-Pelz und ihr Mann Hagen Pelz.
Betreiben das Kulturhaus in Niederau, machen aber auch Veranstaltungen auf dem Gellertberg und im Wasserschloss Oberau: Gritt Würdig-Pelz und ihr Mann Hagen Pelz. ©  Archivfoto: Claudia Hübschmann

Über alle anderen Veranstaltungen kann und will Hagen Pelz nicht orakeln. "Wir können derzeit nur von Woche zu Woche planen", sagt er, geht aber im Moment davon aus, dass zum Beispiel die Veranstaltung mit Uwe Steimle am 4. Juli stattfindet. "Massenveranstaltungen mit mehr als 1.000 Leuten wird es wohl noch einige Zeit nicht geben. Diese Zahl erreichen wir aber auf dem Gellertberg nicht", sagt der Niederauer. Dort passen rund 600 Leute rein. Und so hofft er, dass das Sommerkino wie geplant am 31. Juli starten kann. Doch wie gesagt: Nichts Genaues weiß man nicht.

Hagen Pelz und seine Frau sind von der Krise mehrfach betroffen. Neben den Kulturveranstaltungen mussten auch sämtliche Privatfeiern im Kulturhaus abgesagt werden. Manche Familien haben von sich aus bis in den Juni storniert. Seine Frau musste den Friseursalon schließen, hat jetzt keine Einnahmen. Und auch die Fußpflege und das Kosmetikstudio, die sich in dem Haus befinden, können derzeit nicht öffnen. 

Hagen Pelz und seine Frau haben den Betreibern erst einmal die Miete halbiert. Auch diese Einnahmen fehlen nun, aber der Kredit für das Haus, das die beiden 2005 kauften, läuft weiter. Dennoch wollen die beiden das Beste aus der Situation machen. "Wir müssen positiv denken", macht er sich selbst Mut. Besonders über eine Selbstständigkeit wird er jetzt aber noch genauer nachdenken. 

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