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Döbeln

Flecktarn-Tauben an der Fassade

Der Verein Treibhaus hat in Döbeln eine Freilichtgalerie an der Bahnhofstraße eröffnet. Über die Werke darf diskutiert werden.

Gäste betrachten das Bild mit dem Titel „Come together“ von Marion Kerns-Robbert, auf dem sich skurrile Wesen und Gestalten tummeln. Links das Bild „Flecktarn Frieden“ von Alexander Klar.
Gäste betrachten das Bild mit dem Titel „Come together“ von Marion Kerns-Robbert, auf dem sich skurrile Wesen und Gestalten tummeln. Links das Bild „Flecktarn Frieden“ von Alexander Klar. © Jens Hoyer

Döbeln. Auf dem Bild von Theresa Marleen Weiß ist eine Tänzerin zu sehen. Als verwischte farbenfrohe Kontur. „Das ist ein Auszug aus meiner Masterarbeit“, erzählte die Schwarzenbergerin. Die da tanzt, das sei sie selbst. „Seit ich acht Jahre alt bin, mache ich Bauchtanz“. Dabei habe sie sich von einer Freundin mit sehr langen Belichtungszeiten fotografieren lassen. 

Diese verwischten Abbildungen, die die „innere Weiblichkeit“ festhalten sollen, haben als Vorlagen für die Muster auf Textilien gedient. Die Schwarzenbergerin ist Textildesignerin. Praktisch in Zweitverwertung hängt die Tänzerin jetzt auch an der Fassade des Hauses der Demokratie an der Bahnhofstraße, wo der Verein Treibhaus am Mittwoch eine Freilichtgalerie eröffnete.

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Für Theresa-Marleen Weiß symbolisiert der orientalische Tanz die Annäherung an fremde Kulturen, und er ist für sie ein Ausdruck von Gleichberechtigung, Offenheit und dem Ausleben des „Selbst“. „Vielfalt leben“ steht auf ihrem Werk, dass sie bei einem Wettbewerb des Vereins Treibhaus eingereicht hatte.

Vom Erfolg ihres Aufrufs waren die Organisatoren selbst überrascht. Am Ende hatten sich 18 Künstler mit 26 Werken beworben. Obwohl es nichts anderes zu gewinnen gab, als einen Platz an der Fassade des Hauses der Demokratie. Am Ende musste eine Jury entscheiden. 

„Die Auswahl war echt schwer. Jeder hat ein anderes Empfinden. Aber ich denke, dass wir eine breite Spanne an Geschmäckern abdecken“, sagte Antje Hering, beim Treibhaus verantwortlich für Kultur. Nur acht der eingereichten Werke – ausgedruckt und aufgezogen auf Kunststoffplatten – fanden in den Nischen unter den Fenstern des Café Courage Platz. Die Fassade war zuvor neu gestrichen worden. „Zum ersten Mal seit zehn Jahren“, sagte Geschäftsführerin Judith Sophie Schilling. Damit wurden auch die Schmierereien auf der Wand überdeckt.

Die Betrachter dürfen und sollen sich – sinnbildlich – an den Kunstwerken reiben. Mit ihrem Foto „Der Kuss“, auf dem zwei junge Frauen Zärtlichkeiten austauschen, appelliert Hannah Bayer für Toleranz und Offenheit. Im Bild „City Jungle Döbeln“ hat Belinda Krottendorfer bekannte Döbelner Gebäude in ein Gewimmel von Hochhäusern gestellt. Darüber sprühen ist sinnlos: Die Graffiti würden im „Jungle“ optisch untergehen. Interessant ist auch „Flecktarn Frieden“ von Alexander Klar. Was wie ein Tarnanstrich aussieht, entpuppt sich beim genauen Hinschauen als eine Ansammlung von Friedenstauben.

Ulrike Krause, die im Haus der Demokratie ein Atelier gemietet hat, beteiligt sich mit „Räderwerk“ an der Ausstellung. Das Bild ist eine Kombination von Zahnrädern im Aquarellhintergrund und digital einmontierten Fahrrädern. Damit will sie auf die Arbeit des Vereins Treibhaus – in diesem Falle auf die Fahrradwerkstatt – hinweisen.

Mit der Ausstellungseröffnung hat der Verein Treibhaus auch seinen 22. Jahrestag gefeiert. Seit 18 Jahren ist er mit dem Café Courage und mittlerweile auch mit Büros und Werkstätten in dem Haus an der Bahnhofstraße eingemietet. „Es ist für mich schon ein kleines Wunder, dass es nach so langer Zeit den Verein noch gibt“, sagte Judith Sophie Schilling.