SZ + Zittau
Merken

Fleisch und Wurst werden teurer

Warum viele einheimische Fleischereien um eine Preiserhöhung nicht mehr herumkommen und was das mit China zu tun hat.

Von Jana Ulbrich
 4 Min.
Teilen
Folgen
Fleischermeister Sebastian Herzog aus  Spitzkunnersdorf

wirbt für die gute Qualität im Handwerksbetrieb. Die hat auch ihren Preis.
Fleischermeister Sebastian Herzog aus Spitzkunnersdorf wirbt für die gute Qualität im Handwerksbetrieb. Die hat auch ihren Preis. © Matthias Weber/photoweber.de

Die gute Gutsfleischwurst kommt frisch aus dem Rauch - eine herzogsche Spezialität nach altem Familienrezept. Nur beste Zutaten. "So etwas kriegt man nicht im Supermarkt", sagt Sebastian Herzog. Diese Wurst gibt es nur bei ihm - im kleinen Fleischerladen direkt an der Landstraße zwischen Spitzkunnersdorf und Leutersdorf. Hier betreibt Sebastian Herzog gemeinsam mit seinem Vater Karl einen traditionsreichen Familienbetrieb.

100 Gramm Gutsfleischwurst vom Herzog-Fleischer kosten schon seit fünf Jahren unverändert 1,89 Euro. Nach der Einführung des Mindestlohns für die zehn Mitarbeiter in der Fleischerei, haben Herzogs 2015 zum letzten Mal vorsichtig die Preise erhöht. Seitdem nicht mehr. Aber jetzt, sagt der Juniorchef, wird er nicht mehr drumherum kommen. Er muss neu kalkulieren. Und zwar nach oben.

Denn auch Herzogs müssen inzwischen erheblich mehr bezahlen für alles, was in die Wurst kommt. Wenn er mal so überschlägt, sagt Sebastian Herzog, sind Fleisch und Zutaten inzwischen um mehr als ein Drittel teurer geworden. Die Preise für die Gewürze haben sich verdoppelt, der Preis fürs Schweinefleisch ist um rund 40 Prozent gestiegen. da ist vom Strom noch gar nicht die Rede. Hätte er nicht den Partyservice als zweites Standbein aufgebaut, sagt er, würde es den Betrieb wohl schon nicht mehr geben. 

Afrikanische Schweinepest in Asien

Wie der Fleischerei Herzog geht es derzeit vielen Meisterbetrieben in der Region. Und das hängt vor allem mit dem globalen Weltmarkt zusammen: Weil nämlich in Asien die Afrikanische Schweinepest grassiert, es deswegen Versorgungsengpässe in China gibt, und die Chinesen nun Unmengen Schweinefleisch aus Europa kaufen, erleben die Fleischpreise in Deutschland gerade einen extremen Höhenflug, so erklärt es Fleischermeister Heinz Weber aus Neueibau, der Vorstand der Fleischerinnung im Kreis ist.

Einen derart exorbitanten Preisanstieg beim Schweinefleisch wie im vergangenen Jahr habe er in seinem ganzen, langen Arbeitsleben noch nie erlebt, sagt Weber. Viele Kollegen hätten deshalb schon vor Weihnachten die Preise erhöht, andere werden jetzt zum Jahresbeginn nachziehen, kündigt er an.

Das große Problem für die Handwerksbetriebe: Sie haben keine Jahresverträge mit den  Schlachthöfen so wie die Großhersteller. "Mit den Preisen in den Supermärkten können wir schon deshalb gar nicht mithalten", sagt Heinz Weber. 

Agrofarm-Chef ist froh über höhere Fleischpreise

Des einen Leid aber ist des anderen Freud. Denn die Entwicklung auf dem globalen Markt kommt auch bei den regionalen Produzenten in der Oberlausitz an. Die Agrofarm Herwigsdorf beispielsweise verkauft ihre Mastschweine jetzt für 1,95 Euro pro Kilo an den Schlachthof. Noch vor einem Jahr haben die Herwigsdorfer nur 1,36 Euro pro Kilo bekommen.

"Mit dem Fleisch ist es wie mit den Milchpreisen", erklärt Agrofarm-Vorstand Bernd Rätze. Sie werden jeden Monat von den Schlachthöfen neu festgesetzt. "Und wir müssen dann sehen, ob wir damit auskommen oder nicht." Mit den 1,36 Euro Anfang letzten Jahres konnte die Agrofarm die Kosten der Schweinemast nicht decken. "Wir sind jetzt natürlich froh über die Entwicklung", sagt Bernd Rätze. "Denn mit den derzeitigen Erlösen können wir jetzt wieder erträglich wirtschaften."

Fleischermeister Sebastian Herzog sieht für sich und seine Berufskollegen nur eine Überlebenschance: "Wir müssen die Kunden eben mit bester Qualität überzeugen", sagt der 34-Jährige. Herzogs haben sich dem Qualitätsstandard "Sachsenglück" verpflichtet - einem Verbund regionaler Produzenten. Der Spitzkunnersdorfer Betrieb kauft das Schweinefleisch von der Herwigsdorfer Agrofarm, das Rindfleisch aus dem sächsischen Hartmannsdorf.

"Wir wollen regionale Kreisläufe fördern und uns selber hohe Ansprüche stellen", erklärt Sebastian Herzog die Idee hinter "Sachsenglück". Das sollen die Kunden auch wissen. "Wer bei uns kauft, hat garantiert keine künstlichen Konservierungsstoffe in der Wurst", sagt der Juniorchef. Und den Preis für die Herzogsche Spezialität, die gute Gutsfleischwurst, will er bei 1,89 Euro halten, so lange es noch geht.

Mehr Nachrichten aus Löbau und Umland lesen Sie hier

Mehr Nachrichten aus Zittau und Umland lesen Sie hier