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Fleischerei Klotsche in Radeburg schließt

Am 31. Juli ist Schluss, bestätigt der Dresdner Insolvenzverwalter. 27 Mitarbeiter im Kreis Meißen sind betroffen.

Am 31. Juli wird der Betrieb im Produktionsbetrieb der Fleischerei Klotsche in Radeburg eingestellt.
Am 31. Juli wird der Betrieb im Produktionsbetrieb der Fleischerei Klotsche in Radeburg eingestellt. © Norbert Millauer

Radeburg. Es war ein Sterben auf Raten. Seit Donnerstag macht es in den Filialen die Runde und verbreitet sich wie ein Lauffeuer: Die bekannte Fleischerei Klotsche aus Radeburg macht komplett dicht.

Rechtsanwalt Nicolas Rebel, Mitarbeiter von Insolvenzverwalterin Bettina Schmudde von der Dresdner Niederlassung White & Case LLP, bestätigte auf SZ-Nachfrage, dass zum 31. Juli nicht nur die Produktion im Fleischereiwerk in der Radeburger Riesstraße 4 eingestellt wird. Auch die verbliebenen vier Filialen werden dichtgemacht.

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Noch offen sind die Fleisch- und Wurstwaren-Verkaufsstellen in Weinböhla, Moritzburg, Radeburg und im Diska-Markt in der Zaschendorfer Straße in Meißen. Die Verkaufsstelle in Großenhain, so war zu hören, ist erst diese Woche geschlossen worden, weil dort keine Verkäuferin mehr war.

Rechtsanwalt Nicolas Rebel sagt, dass Insolvenzverwalterin Bettina Schmudde am 9. Juni vom Gericht mit dem vorläufigen Insolvenzverfahren beauftragt worden ist. Seitdem habe White & Case Dresden versucht, das Unternehmen zu sanieren. Es habe auch Kontakt zu einem potenziellen Interessenten gegeben. Doch letztlich sei eine Übernahme in der Kürze der Zeit nicht zustande gekommen.

Insolvenzgeld nur noch bis Ende Juli

Bereits mit dem Beginn des Verfahrens wurden die Mitarbeiter, so Nicolas Rebel, vom sogenannten Insolvenzgeld der Arbeitsagentur bezahlt. Doch das laufe jetzt zu Ende Juli aus. Als wesentliche Gründe für das Scheitern des Betriebes nannte der Anwalt die zu hohen Fixkosten in der Produktionsstätte in Radeburg und zuletzt die Einbußen durch Corona.Neben dem Verkauf in den Läden seien auch Hotels und Gaststätten Kunden gewesen, die jedoch durch die Schließzeit im Frühjahr nichts abnehmen konnten. Das Unternehmen hat noch Verbindlichkeiten bei Lieferanten, heißt es vom Insolvenzverwalter.

Von der Schließung sind insgesamt 27 Mitarbeiter betroffen. Die Zahl stammt vom Beginn des Verfahrens im Juni. Offenbar werden die Beschäftigten alle entlassen. Das Insolvenzverfahren ist bislang ein nichtöffentliches. Deshalb konnte das noch nicht bestätigt werden.

Dem jetzt verkündeten Aus ging ein langer Leidensweg voraus. Bereits vor zwei Jahren war für die Fleischerei Klotsche ein Insolvenzverfahren eröffnet worden. Damals hatte das Gericht Rüdiger Weiß von der Dresdner Kanzlei Wallner, Weiß zum Insolvenzverwalter bestellt.

Mitte Juli 2018 musste die bekannte Radeburger Fleischerei Insolvenz anmelden. Die Zahlungsfähigkeit für Verbindlichkeiten aus der Betriebsübernahme von Vater und Bruder sowie durch Modernisierungsstau war damals gefährdet, so der Insolvenzverwalter vor zwei Jahren. Hauptgläubiger war damals die Sparkasse Meißen. Rüdiger Weiß hatte 2018 einen Unternehmensberater beauftragt, Ausgaben und Einnahmen, kurz die Wirtschaftlichkeit, der Filialen der Fleischerei zu prüfen. Bis dahin waren es zehn Geschäfte, die die Klotsches betrieben hatten. Sie reichten von Radeburg am Markt bis nach Schwepnitz bei Königsbrück. Damals wurden zwei davon aus Unwirtschaftlichkeit geschlossen - die Geschäfte in Schwepnitz und an der Pfotenhauer Straße in Dresden-Johannstadt.

Heiko Klotsche hatte im August 2018 zur SZ gesagt, dass in Schwepnitz die Verkäuferinnen gekündigt hatten. Die Mitarbeiterinnen von Dresden sind in andere Filialen umgesetzt worden.

Seitdem gab es mehrere Versuche, das Unternehmen zu retten. Zum einen wurde in Abstimmung mit dem damaligen Insolvenzverwalter Rüdiger Weiß der verbliebene schuldenfreie Besitz verkauft. Und zwar von Klotsche-Senior Heiko an dessen Sohn Richard Klotsche. Das passierte im Januar 2019. Seitdem hieß die Fleischerei nicht mehr Klotsche GmbH, sondern Richard Klotsche GmbH.

Rettbares an den Sohn verkauft

Anwalt Nicolas Rebel: „Ein übliches Verfahren bei Insolvenzen, das noch wirtschaftlich rettbare Vermögen zu verkaufen und damit weiterzuarbeiten.“ Woher damals das Geld für den Kauf kam, konnte der aktuelle Insolvenzverwalter nicht sagen.

Ein weiterer Versuch, sich zu retten, war die nochmalige Schließung von Filialen. So wurden beispielsweise auch die Geschäfte in Schönfeld in der Großenhainer Straße sowie in Radebeul-Ost geschlossen.

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In Moritzburg, Radeburg, Weinböhla und Meißen wird weiter verkauft. Es gibt Absprachen mit Lieferanten.

Die Fleischerdynastie Klotsche besteht in Radeburg seit etwa 150 Jahren. Weiterhin erfolgreich wirtschaftet Heiko Klotsches Bruder Dirk Klotsche, ebenfalls Fleischermeister. Dessen Firma Genuss-Quelle Radeburg hat ihren Sitz in der Meißner Straße in der Zille-Stadt.

Der Versuch, am Donnerstag Heiko und Richard Klotsche bis Redaktionsschluss zu erreichen, schlug fehl. Im Unternehmen hieß es, beide seien zu Beratungen unterwegs und nicht zu sprechen.

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