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Fleischermeister soll Land hergeben

Das Planungsverfahren für die Verlegung der S 34 ist abgeschlossen. Jetzt kann nur noch geklagt werden.

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Von Jens Hoyer

Der Ausbau der Muldenstraße zur Staatsstraße kann beginnen. Die Landesdirektion Chemnitz hat das sogenannte Planfeststellungsverfahren nach zwei Jahre zu Ende gebracht. Ab heute liegt die Unterlagen für zwei Wochen im Planungsamt der Stadt aus. Wer mit dem Planfeststellungsbeschluss nicht einverstanden ist, kann nur noch klagen. Er hat im Anschluss vier Wochen Zeit dazu.

Neben den „Trägern öffentlicher Belange“ wie der Stadt Döbeln hatte nur eine Privatperson Einwände gegen den Straßenausbau vorgebracht. Der Fleischermeister Frank Ferchland, der mit seinem Betrieb an der Roßweiner Straße den Traditionsnamen Pikant fortleben lässt. Über eine Ecke seines Grundstücks soll die Straße verlegt werden, ein Bungalow an der Einfahrt muss abgerissen werden. Der Fleischer befürchtet außerdem Beeinträchtigungen des Geschäfts während der Bauzeit. „Ich sehe das mit sehr gemischten Gefühlen. Wenn ich in Mitleidenschaft gezogen werden, kann ich abmelden. Ich habe keine andere Verkaufsstelle.“ Das Landesamt für Straßenbau sichert in dem Verfahren aber zu, dass die Zufahrt zu Fleischerei auch während der Bauzeit immer gewährleistet wird.

Nicht nur Ferchland soll Flächen abgeben. Auch die TLG Immobilien GmbH ist davon betroffen. Ihr gehört das ehemaligen Pikant-Werksgrundstück an der Muldenstraße, auf dem heute ein Bürohaus steht.

Der Ausbau der Muldenstraße ist aber nur ein Teilaspekt des gesamten Vorhabens. Reichlich einen Kilometer lang ist der gesamte Ausbaubereich. Er endet erst in der Franz-Mehring-Straße. Was bedeutet, dass eine der meistbefahrenen Straßen Döbelns (11000 Fahrzeugen pro Tag) während der Bauarbeiten gesperrt werden muss. Wann und wie das geschehen soll, steht noch nicht fest, sagte Jürgen Müller, Chef des Ordnungsamtes. Der Verkehr wird dann wohl über die Waldheimer Straße umgeleitet.

Das Landesamt für Straßenbau will die Verkehrsströme in dem Gebiet neu ordnen. Der Hauptverkehr wird dann über die Ampelkreuzung am Kaufland-Markt abgewickelt. Die Roßweiner Straße bleibt aber trotzdem offen – aber nur in Richtung Roßwein. Noch eine Neuerung: An der Körnerplatzschule, wo die S 32 vom Geyersberg und die S 34 von Roßwein zusammentreffen, werden Ampeln den Verkehr regeln.

Die Stadt hat einige Änderungen der Planung durchgesetzt, aber nicht alle. Ein Fußweg am Körnerplatz – Schulweg für die Kinder – wird jetzt breiter als ursprünglich vorgesehen. Der gewünschte Radfahrstreifen über die Niederbrücke wird aber aufgrund der geringen Fahrbahnbreite nicht kommen. Radfahrer werden also auch in Zukunft nicht von der Zwingerstraße zur Franz-Mehring-Straße fahren können.

An die Autofahrer wurde da schon eher gedacht. Entlang der unteren Roßweiner Straße, an der Muldenstraße und vor der Oberbrücke sind Parkstreifen für Autos vorgesehen. Sicherer soll auch der Schulweg werden. Für Fußgänger gibt es eine Querung unten an der Roßweiner Straße. Die Fahrbahn wird dort eingeengt.

Für die Planungen wurden auch Untersuchungen zum Lärm angestellt. Ergebnis: Es ist zu laut. Die Grenzwerte werden zum Teil deutlich überschritten. 30 Häuser entlang der Straßen müssen mit passivem Lärmschutz wie etwa Schallschutzfenstern ausgestattet werden. Am lautesten ist es am Haus Körnerplatz 1. Vier Hausbesitzern ist nicht zu helfen – weil nämlich Balkone oder Gärten vom Lärm betroffen sind. Sie erhalten Entschädigungen.