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Fliegende Händler stopfen Markt-Leere

Reichenbachs kleine Stadtmitte leidet unter Ladenleerstand. Hat der nahe „Netto“ die Chance, zum Zugpferd zu werden?

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© nikolaischmidt.de

Von Anja Gail

Wenn am heutigen Freitag die fliegenden Händler ihre Stände auf dem Reichenbacher Markt aufbauen, dann herrscht ein selten geschäftiges Treiben in der Kleinstadt. Das ist nicht immer so. Denn fast jedes zweite Geschäft rund um den Marktplatz steht leer. Der „Netto“, der vor zwei Monaten in die Stadtmitte gezogen ist, hat bisher zwar nicht zu einer Abwanderung der Kundschaft vom Markt geführt. So hatten es einige Gewerbetreibende befürchtet. Eine spürbare Belebung verzeichnen die Händler aber auch nicht.

Im Dezember hätten die Leute wie immer ihre Weihnachtseinkäufe erledigt, sagt Drogerie-Inhaberin Katrin Klawonn. Der Januar sei, wie sonst auch, ruhig verlaufen. Für Einschätzungen, egal in welcher Richtung, sei es ihrer Ansicht nach noch zu früh. An den Tagen ohne Wochenmarkt von gänzlicher Ruhe auf dem Markt zu sprechen, wäre auch falsch. Nach einem freien Parkplatz muss man fast immer etwas Ausschau halten. Leute eilen in die Geschäfte oder bleiben kurz stehen, wenn sie Bekannte treffen. Man sieht auch Passanten aus Richtung „Netto“ die Straße entlang- kommen. Manch einer, der sein Auto am Discounter geparkt hat, geht die wenigen Schritte zu den Läden zu Fuß. Apotheke, Blumenladen, Textilmarkt, Backwaren, Lottoladen, Gasthaus, Elektronikgeschäft, Optiker, Sparkasse, Raumausstatter, Versandhausfiliale, Reisebüro und Paketdienst wechseln sich ab mit Büros, Wohnhäusern, Friseur, Arztpraxen, Physiotherapie und weiteren Dienstleistern. Das klingt nach viel. Über den Leerstand täuscht es aber nicht hinweg. Ein ähnliches Bild bietet sich auch in anderen Kleinstädten. Man braucht sich das nur am Markt in Weißenberg oder in Ostritz anzusehen. Zurück in Reichenbach: An der Pfennig-Oase hängt ein Ausverkaufsschild – jetzt, im Februar. Die Betreiberin verabschiedet sich von ihrer Kundschaft, weil sie seit diesem Jahr eine neue berufliche Herausforderung angenommen hat. So steht es auf einem Schild.

Nur wenige Schritte weiter befindet sich ein kleines Geschäft, dessen Schaufensterauslage zwar den Eindruck erweckt, als ob hier Naturkost oder Bio-Futtermittel angeboten werden. Aber ein Hinweis auf Öffnungszeiten lässt sich nicht finden. Auf der Marktseite gegenüber konnten die Kunden vor Jahren mal Speisen und Getränke kaufen. Das Landskronschild ist noch intakt. Drei große Buchstaben „EIS“ kleben auf einer Scheibe. Wie schwer es für die Hauseigentümer ist, die kleinen Geschäftsräume überhaupt wieder zu vermieten, kann man schnell erahnen. Im Schaufenster des ehemaligen Schmuck- und Uhrenladens liegen zwar Zettel mit den Grundrissen der Räume und Kontaktdaten für Mietinteressenten. Das Geschäft ist aber schon seit fast drei Jahren zu.

Kleine Hoffnungsschimmer gibt es. Das Eckhaus am Markt zur Löbauer Straße wirkt von außen fast fertig saniert. Im Erdgeschoss will dieses Jahr die Volks- und Raiffeisenbank einziehen. Von dieser Marktseite aus soll auch ein Durchgang zum „Netto“ geöffnet werden. Das würde den Weg für Passanten sicherer machen, weil der Bürgersteig an der Löbauer Straße auf der einen Seite sehr schmal ist.

Auf seiner bevorstehenden Klausurtagung zur Entwicklung von Reichenbach will sich auch der Stadtrat mit der Marktbelebung befassen. Einen Hinweis aus der Bevölkerung hat das Rathaus bereits aufgenommen. Es wird die Datenbank auf der städtischen Internetseite, in die sich Firmen und Geschäfte eintragen können, aktualisieren.