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Flori und die starken Männer

Sie greifen wieder an. Der Riesaer Thomas Florschütz und seine Anschieber kehren in den Bob-Weltcup zurück. Kräftiger und besser denn je.

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Von Tino Meyer

Das erste große Rennen in diesem Winter hat Thomas Florschütz gewonnen, wenn auch nur knapp. Sein Haus in der Nähe von Erfurt steht, und rechtzeitig vorm ersten Schnee konnte der Bobpilot des BRC Riesa mit seiner Frau Diane und Sohnemann Victor vergangene Woche Einzug feiern. „Das passt also. Und genauso soll es jetzt auch weitergehen“, sagt Florschütz vor dem Weltcup an diesem Wochenende in Winterberg.

Es ist sein Debüt in der vorolympischen Saison. Während die Konkurrenten bereits drei Wettkämpfe in den USA und Kanada bestritten, hat Florschütz trainiert. Und den Formrückstand aufgeholt. Zu langsam waren er und seine Anschieber. Zu schwach auf der Brust, um den gut 200 Kilogramm schweren Schlitten ordentlich in Fahrt zu bringen. Wobei man sich das kaum vorstellen kann bei dem Anblick der starken Männer. Groß sind sie, muskulös und durchtrainiert. Echte Kerle. Aber eben nicht gut genug für die hohen Ansprüche des ewigen Olympia- und WM-Zweiten Florschütz, der endlich den ganz großen Titel einfahren will. „Natürlich hätten wir schon in Übersee fahren können. Rein leistungsmäßig hatten wir uns qualifiziert. Deshalb habe ich lange mit mir gerungen. Am Ende war es eine Bauchentscheidung, diesmal einen anderen Weg zu wählen. Ich denke, als erfahrener Pilot kann man dieses wohlüberlegte Risiko eingehen“, meint der 34-Jährige.

Also hat er mit seinem Heimtrainer Gerd Leopold den Plan umgeschmissen, das Training intensiviert, Kraft aufgebaut in Form von Kniebeugen mit 200 Kilo auf der Hantelstange, die Schnelligkeit verbessert durch supramaximale Läufe. Und nebenbei noch Rennen gefahren im zweitklassigen Europacup. Sechsmal ist Flori, wie sie ihn rund um den Eiskanal rufen, am Start gewesen, fünf Rennen hat er gewonnen. Und das mit wechselnden Anschiebern. „Das war schon extrem anstrengend, aber genau die richtige Vorbereitung“, sagt er. Fahrerisch klappe es jetzt wunderbar, beim Material gebe es Fortschritte und auch die Athletik sei besser geworden. Und weil das die drei entscheidenden Komponenten sind für einen schnellen Bob, ist Florschütz „sehr zufrieden mit den vergangenen Wochen. Das ist beruhigend und gibt Zuversicht.“ An Selbstbewusstsein hatte es ihm ohnehin noch nie gemangelt.

Dieses Gesamtpaket wird er nun aber auch brauchen, denn die Erwartungen nach den wenig überzeugenden Leistungen der anderen deutschen Piloten sind riesig. Florschütz soll endlich für den ersten Saisonsieg sorgen. Das weiß er und nichts anderes will er.

Verkrampft sind die anderen

Die Weltcups in Übersee hat der gebürtige Sonneberger natürlich verfolgt, Ergebnisprotokolle gesichtet und festgestellt: „Die Deutschen sind nicht etwa schlechter geworden, sondern die anderen besser.“ In Verbindung mit den teils katastrophalen Startzeiten erklärt das, warum die erfolgsverwöhnten Athleten des Bob- und Schlittenverbandes für Deutschland (BSD) der internationalen Konkurrenz noch hinterherfahren. „Sie sind schon ein bisschen verkrampft“, hat Florschütz bei der Analyse seiner Kollegen Maximilian Arndt und Manuel Machata vorm Fernseher erkannt, betont aber: „Auf Bahnen in Europa haben wir immer gut ausgesehen. Und die anderen Nationen wissen auch, dass die Deutschen noch ein Ass im Ärmel haben.“

Ihn natürlich, den Überfahrer des Vorjahres. Besonders im Zweier hat er gemeinsam mit Anschieber Kevin Kuske dominiert und ist in Altenberg erstmals Europameister geworden, gehandicapt durch eine Fußverletzung. Tags darauf ist er mit dem Vierer dann noch zu Bronze gefahren, mit gebrochenem Wadenbein. Damit war die Saison jedoch gelaufen, die Chance auf den WM-Titel passé.

Die Folgen dieser Verletzung hat Florschütz mit in den Sommer geschleppt. Als noch der Stress beim Hausbau dazukam, hat der Körper rebelliert. Florschütz fühlte sich plötzlich schlapp, kaputt, auch die Blutwerte waren schon mal besser und acht Wochen Trainingspause die Konsequenz. „Deshalb fehlten am Saisonbeginn zehn Prozent Leistung. Doch die entscheiden darüber, ob man den Bob drei, vier Hundertstel schneller anschiebt“, erklärt der Pilot, der auch sein Team mit Blick auf Olympia 2014 noch einmal neu aufgestellt und Machatas Top-Anschieber Andreas Bredau abgeworben hat. „Er ist einer der Besten und hat mit Machata schon alles mitgemacht“, lobt Florschütz, will das aber keinesfalls als Kritik am im Sommer ebenfalls verletzten Kuske verstanden wissen. „Kevin ist unersetzlich. Doch darauf kann ich mich nicht ausruhen, es muss notfalls auch ohne ihn gehen.“ Wie zuletzt im Europacup.

In Winterberg wird Florschütz in Bestbesetzung antreten. Bis zum nächsten wirklich großen Rennen, der WM in St. Moritz, sind es zwar noch knapp sieben Wochen. Doch schon bei der kleinen Kraftprobe am Wochenende wollen Flori und seine Männer beweisen, dass sie die Stärksten sind.