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Flucht durchs Fenster

Ein angeklagter Großenhainer erscheint nicht vor Gericht. Als die Polizei ihn abholen will, flüchtet er filmreif.

Von Marco Henkel

Riesa. Es sei ihm noch nicht oft passiert, dass ein Angeklagter ihn vor Gericht einfach versetze, sagte Rechtsanwalt Bernd Lehmann gestern im Riesaer Amtsgericht. Auch er wusste nicht, wo sein Mandant steckt. „Ich habe ihn extra noch einmal angeschrieben und an den Termin erinnert“, so Lehmann. Trotzdem tauchte der 24-jährige Großenhainer nicht zu seiner Verhandlung wegen Handelns mit Betäubungsmitteln auf. Telefonisch war er auch nicht zu erreichen. Richter Herbert Zapf unterbrach daraufhin die Verhandlung für etwa 30 Minuten und schickte die Polizei nach Großenhain, die den Angeklagten abholen sollte – sofern er denn zu Hause sei. Tatsächlich hörten die Beamten Geräusche im Haus. Doch als sie noch vor der Tür des Angeklagten warteten, flüchtete der 24-Jährige wie in einem Kinofilm aus dem Fenster. Die Beamten konnten ihm nicht folgen. So warteten in Riesa Richter, Staatsanwältin, Schöffen, Zeugen und sein Anwalt vergeblich auf ihn.

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Drogenverkauf an Minderjährige

Der Großenhainer ist angeklagt, weil ihn ein Zeuge beschuldigt, Drogen an Minderjährige verkauft zu haben. Da das Verkaufen von Betäubungsmitteln an Minderjährige besonders hart geahndet wird, droht den Großenhainer nach Einschätzung seines Anwalts im Falle einer Verurteilung eine Freiheitsstrafe von mindestens zwei Jahren. Doch so klar die Fakten nach der Flucht des Angeklagten scheinen, sind sie nicht. Denn der Zeuge beschuldigte schon mehrfach Männer, mit Drogen gedealt zu haben. In mindestens einem Fall stellte sich das in der folgenden Gerichtsverhandlung als komplett ausgedacht heraus.

Nach der Flucht des Angeklagten wurde ein Haftbefehl gegen ihn verhängt. Sobald er gefasst wird, wird ein neuer Termin für die Verhandlung angesetzt. Dann wird der Angeklagte wahrscheinlich direkt aus der Untersuchungshaft nach Riesa kommen.