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Flucht vor der Flut in Rietschen

Feuerwehrleute können viel von ihrer gefährlichen Arbeit erzählen. Heute: die Freiwillige Feuerwehr Rietschen.

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Von Jost Schmidtchen

Die Chronik der Feuerwehr Rietschen spricht von einigen spektakulären Einsätzen. Doch ihre größte Bewährungsprobe bestand die Freiwillige Feuerwehr Rietschen im Mai 1942.

Damals bestand sie nur noch aus einer provisorisch ausgebildeten Hitlerjugend-Feuerwehr. Die anderen Männer waren an der Front. Durch Funkenflug einer Dampflokomotive entlang der Bahnstrecke Cottbus-Görlitz entstand zwischen der Blockstelle aus Richtung Weißwasser und Rietschen bei sehr großer Trockenheit ein Brand. Dem Feuer fielen damals 2.000 Hektar Wald zum Opfer. Werner Witschas (79) ist Zeitzeuge der damaligen Ereignisse. Er erinnert sich: „Ich war damals Lehrling und auf der Rückfahrt von der Berufsschule in Weißwasser brannte es schon links und rechts der Gleise. Es dauerte nicht lange, da ertönten die Sirenen. Wir rannten los, wie wir waren, in kurzen Hosen, Uniformen gab es nicht. An der Bahnstrecke hieß es, der Brand sei eingedämmt. Das erwies sich allerdings als Fehlinformation. Vielmehr hatte der Revierförster ein Gegenfeuer gelegt, das den Ausgangsbrand zurück treiben sollte. Doch plötzlich waren wir mittendrin“, erinnert er sich. Der durch das Gegenfeuer entfachte Rauch war so dicht, dass einer den anderen neben sich nicht mehr sah. Die jungen und unerfahrenen Männer quälte unbändige Angst. Die Gemeinde Tränke musste evakuiert werden, denn es kam Wind auf und machte die Lage so noch gefährlicher. Werner Witschas selbst überlebte den Brandkessel nur schwer verletzt. Zum Brandort entsandte Absolventen der damaligen Lehrerbildungsanstalt Kreba bargen den völlig Erschöpften inmitten der Reichsbahngleise:„Ich wurde auf einem Fahrrad zum Arzt nach Rietschen transportiert. Selbst konnte ich nicht mehr laufen, ich musste geführt werden.“ Die Verletzungen, die Werner Witschas an diesem Tag erlitt, sind bis heute nicht verheilt.

Siegfried Haase ist in Rietschen Feuerwehrmann seit 1956. Die Ereignisse des Jahres 1981 blieben ihm genau im Gedächtnis. „Am 21. Juli um 11.30 Uhr wurde Alarm ausgelöst. Zunächst ging es nach Klein Priebus an die Neiße, dort legten wir Sandsäcke aus und sicherten ein Gehöft“, erinnert sich Haase. „Am Abend leisteten wir noch im dortigen Grenztruppenobjekt Hilfe, ehe es wieder nach Rietschen ging.“

Doch die Ruhe währte nicht lange: Der Weiße Schöps stieg binnen weniger Stunden durch weitere Regenfälle bedrohlich an. Am 22. Juli um 4.15 Uhr gab es den nächsten Alarm. Rietschen drohte ein Hochwasser. Im Konsum mussten Waren aus dem Keller geborgen werden. In der LPG-Gärtnerei wurden Pflanzen gerettet, die Gewächshäuser standen schon unter Wasser.

Siegfried Haase erzählt: „Im Inselweg lief das Wasser in die Wohnungen. Wir sicherten die Brücke am Brauhaus in Nähe der Oberförsterei, holten in Neuhammer das Vieh aus den Ställen und sicherten in Werda den Damm mit Sandsäcken. Ein Dammbruch hätte dort viele Häuser überflutet. Dazu kam es glücklicherweise nicht.“