merken
PLUS

Fluchttreppe völlig morsch

Das Kinderhaus wollte gern wieder eine Holztreppe – doch das ist nicht mehr erlaubt. Jetzt kommt eine nüchterne Metallkonstruktion wie überall.

Von Birgit Ulbricht

Holzbretter vor ausgebrochenen Geländerstäben, verschraubte Metallplatten an den Verbindern und nachträglich eingesetzte Holzbalken – die Fluchttreppe am Kinderhaus Chladeniusstraße ist notgesichert. Das helle Holz hebt die maroden Stellen an dem dunklen Holzturm so richtig hervor. 15 Jahre ist der Holzturm alt. Erzieherin Kathleen Krille zuckt mit den Schultern: „Schön sieht das nicht aus, und wir hoffen, dass wir bald eine neue Treppe bekommen.“ Mit diesem Anliegen haben sich die Erzieherinnen der Kita jetzt an die Stadt gewandt. Die will den Schaden natürlich genauso schnellstmöglich beheben – auch wenn die Treppe im Notfall immerhin benutzbar wäre. Doch zum Spielen ist der Holzturm mit der Metallrutsche längst gesperrt. Dabei war die Idee so gut: im Alltag ein Spielgerät, das bei Feuer oder sonstigen Notfällen gleich als zweiter Rettungsweg taugt. Jetzt ist die Tür zur Freitreppe im ersten Stock immer verschlossen.

ELBEPARK Dresden
Der ELBEPARK bietet mehr
Der ELBEPARK bietet mehr

180 Läden, 5.000 kostenlose Parkplätze und zahlreiche Freizeitangebote sorgen für stressfreies und vergnügtes Einkaufen im ELBEPARK. Jetzt Angebote entdecken.

Erzieherin Kathleen Krille zeigt auf den gesperrten Fluchtturm, der auch zum Spielen gedacht war. Gern hätten die Erzieher wieder Holz als Material gehabt – doch geschlossene Materialien dürfen nicht mehr für die Treppe verwendet werden.Fotos: Brühl
Erzieherin Kathleen Krille zeigt auf den gesperrten Fluchtturm, der auch zum Spielen gedacht war. Gern hätten die Erzieher wieder Holz als Material gehabt – doch geschlossene Materialien dürfen nicht mehr für die Treppe verwendet werden.Fotos: Brühl
Erzieherin Kathleen Krille zeigt auf den gesperrten Fluchtturm, der auch zum Spielen gedacht war. Gern hätten die Erzieher wieder Holz als Material gehabt – doch geschlossene Materialien dürfen nicht mehr für die Treppe verwendet werden.Fotos: Brühl
Erzieherin Kathleen Krille zeigt auf den gesperrten Fluchtturm, der auch zum Spielen gedacht war. Gern hätten die Erzieher wieder Holz als Material gehabt – doch geschlossene Materialien dürfen nicht mehr für die Treppe verwendet werden.Fotos: Brühl
Erzieherin Kathleen Krille zeigt auf den gesperrten Fluchtturm, der auch zum Spielen gedacht war. Gern hätten die Erzieher wieder Holz als Material gehabt – doch geschlossene Materialien dürfen nicht mehr für die Treppe verwendet werden.Fotos: Brühl
Erzieherin Kathleen Krille zeigt auf den gesperrten Fluchtturm, der auch zum Spielen gedacht war. Gern hätten die Erzieher wieder Holz als Material gehabt – doch geschlossene Materialien dürfen nicht mehr für die Treppe verwendet werden.Fotos: Brühl
Erzieherin Kathleen Krille zeigt auf den gesperrten Fluchtturm, der auch zum Spielen gedacht war. Gern hätten die Erzieher wieder Holz als Material gehabt – doch geschlossene Materialien dürfen nicht mehr für die Treppe verwendet werden.Fotos: Brühl
Erzieherin Kathleen Krille zeigt auf den gesperrten Fluchtturm, der auch zum Spielen gedacht war. Gern hätten die Erzieher wieder Holz als Material gehabt – doch geschlossene Materialien dürfen nicht mehr für die Treppe verwendet werden.Fotos: Brühl

Gehen Kinder auf Gitterroste?

Im letzten Bauausschuss mussten sich nun die Stadträte damit beschäftigen. Wieder eine Holztreppe kaufen? Oder doch gleich auf eine Metallkonstruktion umschwenken? Der Tenor war einhellig: lieber doch Metall. Stadtrat Peter Grünberg erzählte von seinen Erfahrungen aus Bauda. Die Gemeinderäte hatten vor Jahren den dortigen Kindergarten von ihrem Sitzungsgeld erneuert – und auch eine Treppe anbringen lassen. Doch die Kinder mieden die metallenen Gitterroste eher.

Deshalb plädierte Peter Grünberg wenigstens für durchgehende Holzstufen. So wurde es schließlich auch beschlossen – immerhin hatte sich die Kindergartenleiterin wieder eine Holztreppe gewünscht – aus ästhetischen Gründen, wie es in der Sitzung hieß. Stadtrat Claus Richter fand es zwar „seltsam“, wie er es ausdrückte, dass Kindergärtnerinnen jetzt schon über den Baustoff entscheiden, aber am Ende blieb es dabei. Es sollte eine Metallkonstruktion mit geschlossenen Holzstufen werden. Tragende Teile aus feuerverzinktem Stahl, das Geländer – passend zur Rutsche – aus Edelstahl, Podeste und Stufen aus Lärchen- oder Plantagenholz. Die vorhandene Edelstahlrutsche soll in den Neubau integriert werden. Kostenpunkt: rund 76 000 Euro.

Ihr könnt ja die Stufen beheizen!

Die Hälfte könnte aus Landesgeldern kommen über das Kreisjugendamt – doch dafür muss der Landkreis erst einen beschlossenen Haushalt haben. Weil das vor Juli nicht der Fall ist, hat man bei der Stadt im September/Oktober mit einem Neubau geplant. Gestern Morgen dann die große Überraschung. Planer Michael Preibisch hatte inzwischen im Regelwerk von Unfallkasse und Landesdirektion Sachsen herausgefunden: Bei Fluchtreppentürmen dürfen keine geschlossenen Materialien mehr verwendet werden – also auch kein Holz. Denn dort könnte sich im Winter Eis bilden. Ein Anruf bei der Behörde wurde lakonisch kommentiert: „Ihr könnt ja die Stufen beheizen.“ Das werden wir schön bleibenlassen, antwortete Stadtbaudirektor Tilo Hönicke ebenso lakonisch.

Aber im Ernst: Für den Holzturm am Kinderhaus Chladeniusstraße bedeutet das das endgültige Aus. Die Kinder werden wie in anderen Einrichtungen auch eine nüchterne Metallkonstruktion bekommen, mit Gitterrosten als Treppenstufen. Ob es dann überhaupt noch sinnvoll ist, die Edelstahlrutsche an dieser Treppe zu belassen, wird wohl der nächste Diskussionspunkt werden. Denn mit Schuhen mag es gehen, die Gitterroste hochzusteigen, barfuß dürfte das für die Kleinen unangenehm sein. Vereinschefin Annemarie Koch vom „Lustiger Tausendfüßler“, zu dem das Kinderhaus gehört, war gestern erst einmal von der neuen Entwicklung überrascht. „Das wäre natürlich schade um den Holzturm“, sagte sie. „Aber die Stadt findet bestimmt eine Lösung.“