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Wohnungen für Flüchtlinge

An Dresdens Einflugschneise aus dem Rödertal – der Königsbrücker Straße – plant ein Verein ein ungewöhnliches Projekt.

© Sven Ellger

Von Sarah Grundmann

Dresden. Das Gebäude an der Königsbrücker Straße im Dresdner Norden bietet einen tristen Anblick. Über zehn Jahre steht die ehemalige Arbeitsanstalt mit den Hausnummern 117a/119 bereits leer, verfällt seitdem immer mehr. Viele neue Nutzungen waren bereits im Gespräch. So wurde zum Beispiel geprüft, ob in einem Gebäudeteil die 115. Oberschule untergebracht werden kann. Zuletzt wurde auch über einen Umbau zum Asylbewerberheim nachgedacht.

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Doch die Sanierung war der Stadt zu teuer, hätte rund neun Millionen Euro gekostet. Der neu gegründete Verein „Elixir“ wagt jetzt abermals einen Vorstoß, Flüchtlinge in dem Gebäude unterzubringen – und das auf eine ganz besondere Art und Weise. Das Areal in der Albertstadt soll ein interkulturelles Zentrum werden, in dem Asylsuchende, bereits anerkannte Flüchtlinge und Dresdner zusammenleben. „Ich würde dann auch einziehen“, sagt Vorstand Felix Gutte. Zwar arbeitet er mit den gut zehn weiteren Mitgliedern erst seit Mitte November vergangenen Jahres zusammen, als Verein eingetragen ist „Elixir“ sogar erst seit wenigen Wochen. Doch Ideen gibt es trotzdem schon reichlich.

Erstes Konzept erarbeitet

So haben die Dresdner sich mit einem Architekturbüro zusammengesetzt und bereits ein erstes grobes Konzept für den Umbau erarbeitet. Geplant ist, auf dem hinteren Teil des Geländes Leichtbauhäuser mit Wohnungen für bis zu 100 Personen zu errichten. „Dort könnten dann Wohngemeinschaften entstehen oder Familien unterkommen“, sagt Gutte. Außerdem soll der Bereich auch von Flüchtlingen genutzt werden, die besonderen Schutz brauchen. „Zum Beispiel alleinreisende Frauen oder Asylsuchende aus dem schwul-lesbischen Umfeld.“

Und auch in den bestehenden Gebäuden hat der Verein einiges vor, sie sollen saniert werden. Im Nebengebäude ist weiterer Wohnraum geplant, im Hauptgebäude kann der Verein sich unter anderem Seminarräume und ein Café vorstellen. „Wir haben zum Beispiel mit der Volkshochschule gesprochen“, so Gutte. Die könnte zum Jahresende geschlossen werden, weil das Hauptgebäude auf dem Schilfweg zu marode ist. „Sie hat uns signalisiert, dass mindestens an einer Außenstelle im Dresdner Norden Interesse besteht.“ Für den Verein ein wichtiger Partner. Denn Bildungsangebote sind für das Zentrum ein Muss. Die sollen dann auch für Dresdner offen sein. Arbeitsmöglichkeiten für Asylsuchende will der Verein ebenfalls schaffen. So plant „Elixir“ Werkstätten auf dem Gelände. „Dort könnten dann in Zusammenarbeit mit Berufsschulen Ausbildungen angeboten werden“, so Gutte. Auch beim Bau sollen Flüchtlinge anpacken. „Zuerst werden die Leichtbauhäuser errichtet. Wer dort schon wohnt, soll sich dann an der Sanierung beteiligen.“

Auf der Suche nach Fördermitteln

Noch ist das alles aber Zukunftsmusik. Derzeit versucht der Verein, Fördermittel zu beschaffen, um von Architekten ein richtiges Konzept erarbeiten zu lassen. Außerdem verhandeln die Mitglieder mit den Stadtratsfraktionen und dem Neustädter Ortsbeirat. Ihr Konzept haben sie bereits an OB Dirk Hilbert weitergeleitet. Ziel ist nun, einen Stadtratsbeschluss zum Bau des Zentrums zu erwirken. Doch vor April wird das nicht geschehen. Mit einem halben bis einem Jahr Planung erscheint ein Baustart in diesem Jahr daher unwahrscheinlich.

Eigentlich will die Stadt einen Gebäudeteil auch meistbietend verkaufen. „Elixir“ hatte darüber nachgedacht, bei der Aktion mitzumachen, hofft jetzt jedoch auf einen Erbpachtvertrag. Und es bleibt auch immer noch das Kostenproblem. Denn für die Umsetzung der Pläne müssten rund acht Millionen Euro investiert werden. Diese will „Elixir“ über Fördermittel und Kredite zusammenbringen. Es soll aber auch eine Genossenschaft gegründet werden, die den Wohnraum günstig vermietet.