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Flüsse halten Bürgermeister auf Trab

Schnell soll die nächste Warnung vor einem Hochwasser sein. Warum die Gemeindechefs an Flüssen rund um die Uhr ihre Handys an haben.

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Von Gabriele Schrul

Die Bilder der Müglitzflut vom August 2002 kann keiner in Mühlbach und Weesenstein je vergessen. Zu groß waren die Schäden, zu schrecklich die Stunden, in denen die Müglitz alles zunichte machte. Danach war nichts mehr wie es einmal war.

Wehr mit Internetanschluss

Inzwischen ist in den beiden Ortsteilen der Gemeinde Müglitztal viel geschehen. Vor allem auch die Alarm- und Einsatzpläne der Rettungskräfte wurden überarbeitet, damit im Gefahrenfall schneller reagiert werden kann. Die Gemeinderäte besitzen Listen mit wichtigen Telefonnummern. Und Bürgermeiser Jörg Glöckner (CDU) muss sein Handy immer bei sich tragen, Tag und Nacht unter Funkkontakt stehen. Auf dem wurde nämlich etwas wichtiges eingegeben: Droht Flutgefahr, dann schlägt die Landeshochwasserzentrale sofort Alarm – auf dem Handy des Gemeindechefs.

In der Mitte der von der Flut zerstörten und wieder aufgebauten Brücke in Mühlbach misst neuerdings ein Pegel die Höhe des Müglitz-Wasserstandes. „Diese Angaben sind im Internet ständig abrufbar“, sagt Glöckner. Und genauso wandern die Daten auf sein Handy. „Ich bin verpflichtet, rund um die Uhr die Meldung entgegen zu nehmen.“ Innerhalb einer Stunde muss er dann alles im Griff haben, sich bei einer von der Zentrale vorgegebenen Telefonnummer zurück melden. Tut er das nicht, dann droht im schlimmsten Fall eine Abmahnung durch den Landrat. „Eine Informationslücke darf nicht entstehen“, sagt Glöckner. Dazu laufen im Feuerwehrgerätehaus von Mühlbach, und speziell bei Ortswehrleiter Lutz Richter, alle logistischen Fäden zusammen. Das Haus wurde nach dem Hochwasser mit Computertechnik und Internet so ausgestattet, dass von hier aus gehandelt werden kann.

Ab einem Pegel von 1,40 Meter wird es kritisch. Dann muss der Wehrleiter seine Leute informieren, passiert der Kontrolldienst in Eigenverantwortung der Mühlbacher Feuerwehr. Dazu gehört auch, dass die Burkhardswalder und Maxener Feuerwehren ins Tal gerufen werden. „Steigt das Wasser auf zwei Meter und mehr, wird es absolut kompliziert. Dann muss evakuiert werden, und besonders wichtige Objekte stehen unter ständiger Kontrolle“, sagt Glöckner.

Geprobt könne all das verständlicherweise nicht werden. Aber kurz vor Ostern sah es schon wieder kritisch in den beiden Müglitztal-Orten aus. Der Fluss überschritt die 1,60-Marke und bahnte sich an einigen Stellen abermals seinen Weg durch Grundstücke und in Richtung Straße. Das Alarmsystem auf dem Handy des Gemeindechefs bestand seine Wassertaufe.

Handys nicht urlaubstauglich

Und so, wie in der Gemeinde Müglitztal, funktioniert es neuerdings auch in allen anderen Kommunen im Landkreis, die an einem Fluss liegen.

Doch was ist, wenn der Bürgermeister einmal nicht im Land ist? Urlaub beispielsweise muss schließlich auch mal sein. Das Handy nützt ihnen im Katastrophenfall da nämlich nichts, denn der spezielle Anruf kann nicht umgeleitet werden. Also muss eine Vertretungsperson die Handy-Hoheit im Falle eines Hochwassers übernehmen. In Müglitztal ist das Peter Mühle, der Stellvertreter des Bürgermeisters, der diese verantwortungsvolle Aufgabe auf Zeit übertragen bekommt.