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Fluggesellschaft zwingt Piloten in die Knie

SAS-Mitarbeiter verzichten auf Lohn und wollen mehr arbeiten – alles, damit der Konzern nicht stirbt. Oder wird SAS am Ende doch deutsch?

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Von Thomas Borchert

Im stabilen Skandinavien galt Lohnverzicht aus Angst um den Job bisher eher als exotische Angelegenheit in fernen Ländern. Die Einigung auf einen harten „Krisenplan“ bei der Fluggesellschaft SAS hat Jubel auf der einen und Bitterkeit auf der anderen Seite ausgelöst. An Kopenhagens Börse ließen Lohnverzicht, längere Arbeitszeiten, geringere Pensionsansprüche und Stellenabbau für 15 000 Beschäftigte den Aktienkurs erst mal um 25 Prozent in die Höhe schnellen. Sprecher von Gewerkschaften dagegen stuften die Verhandlungsergebnisse mit dem SAS-Management als „ziemlich düster“ ein: Dass Tarifverträge mit Pleitedrohungen ausgehebelt werden, ist für die gewerkschaftlich traditionell stark organisierten Skandinavier mit stabilem Arbeitsmarkt eine neue Erfahrung.

Das gegenüber Billigfliegern nur schwer konkurrenzfähige Traditionsunternehmen SAS hat seit zehn Jahren Schlagzeilen mit immer neuen Verlusten und immer neuen erfolglosen Sparplänen gemacht. Der schwedische Konzernchef Rickard Gustafson setzte jetzt bei seinem jüngsten Anlauf die Axt so hart an wie kein Konzernchef vor ihm. Von den 15 angepeilten Prozent Gehaltssenkung brachte er bei den Piloten zehn durch, und beim Kabinenpersonal den Verzicht auf zwei Wochen Freizeit pro Jahr. Dass dergleichen ausreicht, den Bestand als eigenständiges Unternehmen auf Dauer zu sichern, bezweifeln in den skandinavischen Hauptstädten die meisten Experten.

„SAS muss die Kosten um 50 Prozent senken, wenn sie so billig sein wollen wie wir“, stichelte Bjørn Kjos vom erfolgreichen Konkurrenten Norwegian in Osloer Medien. Kjos verwies auch darauf, dass SAS mit den geringeren Personalkosten nicht das Problem des überalterten Flugzeugbestandes gelöst habe.

Aber das selbstständige Überleben des halbstaatlichen Unternehmens ist nicht mehr das oberste Ziel der Verantwortlichen. SAS sucht seit Jahren einen Partner. Die Regierungen in Stockholm, Oslo sowie Kopenhagen wollen die Staatsanteile von zusammen 50 Prozent verkaufen. Bisher aber hat niemand so richtig angebissen, auch nicht die fast stets als wahrscheinlichster Käufer genannte Lufthansa. „Kein Zweifel, dass SAS nun attraktiver für Interessenten geworden ist“, sagte der Reisebranchen-Experte Ole Kirchert Christensen der Nachrichtenagentur Ritzau. Schon kurzfristig wird sich zeigen, ob die massive öffentliche Drohung von Gustafson gegenüber Gewerkschaften mit einer „unmittelbar drohenden Insolvenz“ letztlich das fördert, was sie verhindern sollte. „Vielen Reisenden ist jetzt erst klar geworden, wie anfällig SAS ist und dass ein Konkurs möglich ist“, meinte Christensen. (dpa)