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Dresdner Reiserückkehrer: Unbezahlte Quarantäne?

Urlauber machen einen großen Teil der Corona-Infizierten aus. Wer aus Risikogebieten kommt, darf ungetestet nicht zurück in den Alltag. Was das heißt.

Urlauber, die aus Mallorca zurückkehrten, mussten sich am Flughafen Dresden auf das Coronavirus testen lassen. Das gilt auch weiterhin.
Urlauber, die aus Mallorca zurückkehrten, mussten sich am Flughafen Dresden auf das Coronavirus testen lassen. Das gilt auch weiterhin. © Sven Ellger

Dresden. Die Sommerferien sind vorbei, aber viele Dresdner haben in den vergangenen Wochen die Zeit genutzt, um Urlaub im Ausland zu machen. Trotz Corona und wieder steigender Infektionszahlen. Wer mit seiner Familie in einem Risikogebiet unterwegs war, musste sich nach seiner Rückkehr auf das Virus testen lassen. Das gilt auch weiterhin. 

Dass diese Pflicht nicht unbegründet eingeführt wurde, zeigen die aktuellen Zahlen: Vom 10. bis zum 31. August wurden dem Dresdner Gesundheitsamt 49 neue Covid-19-Fälle gemeldet. Bei 30 Fällen könne man davon ausgehen, dass es sich um Reiserückkehrer handelt, so die Stadt jetzt auf Anfrage der SZ. Im Testcenter am Flughafen wurden demnach im gesamten August 11.137 Tests durchgeführt, 28 waren positiv. Allein am Montag waren von 355 am Flughafen untersuchten Urlaubern fünf mit dem Coronavirus infiziert. 

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Klare Regeln bei Arbeitgebern

Um eine Ausbreitung des Virus zu verhindern, müssen Urlauber aus Risikogebieten entweder den negativen Test vorlegen oder zwei Wochen in Quarantäne verbringen. Das hat derzeit auf einige Lebensbereiche Auswirkungen, unter anderem auf den Job. Arbeitgeber müssen darauf reagieren, ebenso wie Schulen und Kitas. 

Bei den Dresdner Verkehrsbetrieben (DVB) gibt es dazu eine klare Regelung. Grundsätzlich gilt, was auch in der Allgemeinverfügung steht: Wer aus einem Risikogebiet zurückkommt, muss so lange daheim bleiben, bis er den negativen Test vorlegen kann. Immerhin: "Wir sind Reiserückkehrern bei der Vermittlung eines Tests behilflich", so DVB-Sprecher Falk Lösch. 

Wer bezahlt nach Reisen in Risikogebiete?

Wie die Zeit der Quarantäne finanziell überbrückt wird, hängt wiederum davon ab, ob der Urlauber schon vor der Reise wusste, dass er in ein Risikogebiet fährt. In diesem Fall muss der Mitarbeiter Urlaub nehmen - das geht auch unbezahlt - oder Überstunden abbummeln. Wer die Möglichkeit hat, könne auch mobil von daheim arbeiten, so Lösch. Anders liegt der Fall, wenn das Urlaubsziel erst während des Aufenthaltes als riskant vom Robert-Koch-Institut (RKI) eingestuft wurde. "Dann übernehmen wir die Zeit der Quarantäne", teilt der DVB-Sprecher mit.

Die infizierten Dresdner reisten übrigens aus folgenden Ländern ein: Ägypten, Bulgarien, Frankreich, Indien, Kroatien, Malta, Marokko, Moldau, Österreich, Polen, Portugal, Spanien, Tschechien, Ukraine und Ungarn. Insgesamt wurden im Monat August 153 Quarantänebescheide erstellt, die im Zusammenhang mit Infektionen standen.

Risikogebiet besser meiden

Auch andere Arbeitgeber und Verbände reagieren. Mit Blick auf diese Entwicklung empfehlen etwa die Johanniter ihren Mitarbeitern, gar nicht erst in Corona-Krisengebiete zu reisen. "Alle Rückkehrer aus solchen Gebieten müssen einen Test machen", so Sprecher Danilo Schulz vom Regionalverband Dresden. "Sollte ein Urlaubsland während des Aufenthaltes zu einem Krisengebiet erklärt werden, ist auch ein Test notwendig." Für alle anderen Urlauber besteht diese Pflicht nicht. 

Im Regionalverband Dresden sind rund 450 Mitarbeiter beschäftigt, viele von ihnen in der Pflege und in Kindergärten. Deshalb gilt vor allem auch für sie: Urlaub im Risikogebiet bedeutet: Kein Zurück in den Job, bis das negative Testergebnis da ist. Der Mitarbeiter benötigt auch ein Schreiben des Gesundheitsamtes über die Quarantäne.

Schulen fordern Formular von Eltern

Um Corona-Infektionen in den Schulen und damit mögliche Schließungen zu vermeiden, müssen auch Lehrer, Eltern und Schüler einen negativen Corona-Test vorlegen, wenn diese sich innerhalb der vergangenen 14 Tage in einem Risikogebiet aufgehalten haben. Ohne Test dürfen sie Kindertagesstätten, Einrichtungen der Kindertagespflege und Schulen nicht betreten. Die Schul- oder Kitaleitung muss über den Aufenthalt informiert werden. Wie funktioniert das aber in der Praxis?

Lehrer dürfen sich ohnehin auf Kosten des Freistaates testen lassen, bislang gab es - Stand Dienstag, 1. September -  nach den Sommerferien noch keinen Fall an einer Dresdner Schule. Für die Schüler müssen Eltern einmalig ein Formular ausfüllen und unterschreiben, in dem sie bestätigen, dass sie die Regelungen der aktuellen Allgemeinverfügung kennen und wissen, wann das Kind nicht zur Schule gehen darf. Das erklärt Kerstin Rakowski, Leiterin der 95. Grundschule mit knapp 400 Schülern. Das schließt auch den Corona-Test nach einem Urlaub im Risikogebiet ein.

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"Eltern sind sehr vorsichtig"

Das Kultusministerium bittet die Eltern darum, das unterschriebene Formular bis spätestens 7. September, also kommenden Montag, an die Schulen zurückzugeben. "Wir haben die Frist auf diesen Mittwoch verkürzt", sagt Kerstin Rakowski, viele Formulare habe sie bereits erhalten. Umso eher gebe es Sicherheit, dass jeder die Regelungen kennt. "Die Eltern der Grundschüler sind selbst sehr vorsichtig, sie fragen sogar bei Schnupfen, ob ihr Kind in die Schule kommen kann." Dabei ist allein dieses Symptom kein Grund mehr, sein Kind daheim zu lassen. "Wir sind sehr dankbar, dass die Eltern so gut mitarbeiten", sagt die Schulleiterin. Und sie weiß, wie froh viele Familien nach den Schulschließungen nun über ein wenig Normalität im Alltag sind. 

Die Unterschrift auf dem Schulformular gilt auch für zukünftige Reisen, etwa in den Herbstferien, sollte die Regelung so bestehen bleiben. Derzeit wird allerdings über die Abschaffung der Testpflicht für Menschen, die im Risikogebiet Urlaub gemacht haben, diskutiert. Als Risikogebiet festgelegt werden Regionen, in denen in den vergangenen sieben Tagen mindestens 50 Neu-Infektionen auf 100.000 Einwohner gekommen sind. Stand Montag (31. August) zählen derzeit etwa Ägypten, Teile von Kroatien, die Balearen und die Türkei dazu. Die Liste wird vom RKI täglich geprüft.

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