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Flughafen Dresden nun ferngesteuert?

Der Airport wird künftig von einer Doppelspitze geführt – und stärker von Leipzig kontrolliert.

© Flughafen Dresden

Von Lars Radau

365 Tage für Patienten da

Die Dresdner City-Apotheken bieten mehr, als nur Medikamente zu verkaufen. Das hat auch mit besonderen Erfahrungen zu tun. Was, wenn Sonntagmorgen plötzlich der Kopf dröhnt oder die Jüngste Läuse mit nach Hause gebracht hat?

Die Ängste, hatte Michael Hupe gesagt, halte er für „übertrieben“. Gemeint hatte der scheidende Chef des Dresdner Flughafens die Sorge etlicher seiner Mitarbeiter, dass der Airport in der Landeshauptstadt künftig von der in Leipzig ansässigen Muttergesellschaft Mitteldeutsche Flughafen AG (MFAG) fremdbestimmt werde. Die Entscheidungen indes, die Gesellschafter und Aufsichtsräte des Dresdner Airports am Dienstagnachmittag getroffen haben, sind eher nicht dazu geeignet, diese Ängste abzubauen.

Mann für Strategie: Markus Kopp
Mann für Strategie: Markus Kopp
Frau fürs Operative: Bettina Ganghofer
Frau fürs Operative: Bettina Ganghofer

Denn einer von Hupes Nachfolgern heißt Markus Kopp. Der 47-jährige Manager ist Chef ebenjener MFAG – und ist ab November als Vorsitzender der Geschäftsführung vor allem für die strategische Entwicklung des Dresdner Flughafens verantwortlich. Kopp übernimmt damit bereits sein drittes Amt – auch beim Flughafen Leipzig/Halle sitzt er mit gleicher Aufgabenbeschreibung in der Führungsetage.

Für das operative Geschäft bekommt Markus Kopp die Managerin Bettina Ganghofer als zweite Geschäftsführerin an die Seite gestellt. Die verheiratete Mutter von zwei Kindern war bisher Chefin des Dienstleisters Portground, bei der das Bodenpersonal der beiden Flughäfen beschäftigt ist.

Dass Michael Hupe, den die Gesellschafter jetzt Ende Oktober – und nicht wie ursprünglich kommuniziert zum Jahresende – ziehen lassen, von einer Doppelspitze abgelöst wird, entbehrt nicht einer gewissen Ironie. Denn der 49-jährige Hobbypilot, der auf den Chefsessel des Nürnberger Flughafens wechselt, ersetzt dort als alleiniger Geschäftsführer ein glückloses Führungsduo.

In die Hand der Holding

Gleichwohl wird die Entscheidung von Mitarbeitern des Dresdner Flughafens mit sarkastischem Unterton als „immerhin konsequent“ bewertet. Mit der Personalie Kopp begebe man sich ohne Frage „fester in die Hand der Holding“. Dass die MFAG durchaus ein Interesse daran hat, ihre Strukturen zu straffen, legen schon die Bilanzzahlen nahe. Branchen-Informationen zufolge erwirtschaftete der Leipziger Flughafen 2012 einen Verlust von 66,65 Millionen Euro, 2011 waren es 61,4 Millionen Euro gewesen. Dresden hingegen flog 2012 ein deutlich kleineres Defizit von 9,25 Millionen Euro ein.

In seinem Abschieds-Interview mit der SZ hatte Michael Hupe darauf verwiesen, dass der Dresdner Flughafen operativ schwarze Zahlen schreibe. Für die insgesamt roten Zahlen sorgten hohe Abschreibungen auf Terminal und Startbahn, betonte Hupe. Es werde in Zukunft Konzentrationen im Vertrieb und im kaufmännischen Bereich geben. „Es ist ja der Sinn einer Flughafenehe, etwa Enteisungsmittel nicht doppelt zu kaufen“. In eine ähnliche Kerbe hatte MFAG-Sprecher Uwe Schuhart bereits im August gehauen. Die Bündelung von Kompetenzen, Aufgaben, Strukturen und Funktionen sei allerdings „grundsätzlich ortsungebunden“ und betreffe „die Tochtergesellschaften gleichermaßen“.

So hat die neue Doppelspitze in Dresden neben dem strengen Blick auf die Bilanz auch dafür zu sorgen, dass sich das Flugwesen in der Landeshauptstadt weiterentwickelt. 2012 konnte der Fughafen – weitgehend ohne Billigflieger – 1,9 Millionen Passagiere abfertigen. Allein durch die Pleite und den folgenden Ausfall der Regionalfluglinie OLT im Januar dieses Jahres, die von der ebenfalls in die Insolvenz abgestürzten Cirrus-Airlines die Verbindungen nach Hamburg und Zürich übernommen hatte, fehlen dem Flughafen nach Hupes Einschätzung 2013 allerdings rund 200 000 Reisende. Dafür erfreut sich die Destination Moskau derzeit großer Beliebtheit und steigender Frequenz: Mit dem Start des Winterflugplans am Sonntag wird die russische UT-Air nach Flughafen-Angaben als dritte Fluglinie Dresden mit Moskau verbinden.

Generell, heißt es am Flughafen, sei man „gut aufgestellt“. Die Infrastruktur stehe, mit der sanierten Landebahn und aufgewertetem Vorfeld samt Parkhaus sei in den nächsten Jahren mit „wenig Investbedarf“ zu rechnen, hatte Michael Hupe gesagt. Um die finanzielle Seite machen sich auch die Dresdner Flughafen-Mitarbeiter wenig Sorgen. Ihre Ängste, sagen sie, betreffen in erster Linie das Atmosphärische.