SZ +
Merken

Fluglärm plagt Anwohner

Die Piloten weichen häufig von ihren Flugrouten ab. Das soll sich mit einem neuen Gesetz jetzt ändern.

Teilen
Folgen

Von Nora Altmann

Seit mehr als 20 Jahren beobachtet Ulrich Zander jetzt schon den Flugverkehr über seinem Wohngebiet in Wilschdorf. Seit etwa zwei Jahren fällt ihm auf, dass die Piloten immer häufiger ihre Flugrouten verlassen und sofort nach dem Start eine Kurve fliegen.

„Dadurch steigen die Maschinen nicht so schnell hoch und fliegen in niedriger Höhe über meinem Haus hinweg“, sagt Zander. „Das passiert mittlerweile immer häufiger.“ Dadurch solle sich der Lärm für die Menschen, die unter der direkten Flugschneise wohnen, verringern. Ähnliches beobachtet der Rentner bei landenden Flugzeugen, die aus südlicher Richtung kommen. „Sie schlagen plötzlich einen Haken und sinken dann aus nördlicher Richtung kommend über Weixdorf.“ Im Gegensatz zu einem geraden Sinkflug, so wie ihn Zander oft über der Straße „Am Tormoor“ verfolgt, heulen die Triebwerke in der Kurve viel lauter auf.

Das kann auch Jürgen Löffel bestätigen. Er wohnt in der Hellerauer Straße Am Sand und hält seit einigen Jahren die Fenster nachts geschlossen. Grund sind die Starts in den frühen Morgenstunden. „Die Flugzeuge fliegen dann dicht über unseren Häusern hinweg und von dem Lärm wache ich jedes Mal auf“, so Löffel. Im Gegensatz zu Zander vermutet er jedoch, dass durch die Abkürzungen Treibstoff gespart werden soll. Jetzt befürchtet er, dass das zur Gewohnheit werden könnte. Das bestätigt zumindest eine kürzlich veröffentlichte Flugrouten-Karte. Sie zeigt, dass Flugzeuge die Stadtteile im Dresdner Norden in geringer Höhe überfliegen (die SZ berichtete).

Besonders verärgert sind die betroffenen Anwohner nun von der Reaktion des Dresdner Flughafens. Dabei steht vor allem Steffen Mäder, Leiter der Stabsstelle Lärm und Umweltschutz beim Flughafen, in der Kritik. Er kann eine Änderung der Einflugschneisen nicht bestätigen. Zudem sei bei klarer Sicht die Flughöhe einer Maschine vom Boden aus nicht deutlich erkennbar.

Für Zander eine Frechheit. „Steffen Mäder lügt“, sagt er. Es sei unverschämt zu behaupten, dass die Anwohner übertreiben. „Ich kann schon abschätzen, wie hoch ein Flugzeug über meinem Haus hinwegfliegt.“ Das sei nicht von der Sicht abhängig. Auch Löffel ärgert es, wie der Flughafen mit den Anwohnern umgeht. „Der tatsächliche Fluglärm wird von den Verantwortlichen schön geredet, während die Anwohner mit dem ohrenbetäubenden Lärm klarkommen müssen.“ Die Gesetze für den Flugverkehr seien mittlerweile veraltet.

Deshalb fordern die Grünen nun eine Änderung des Luftverkehrsgesetzes. Vorgeschriebene Flugrouten sollen dadurch verbindlich werden. Zudem soll auch der Einsatz lärmarmer Anflugverfahren rechtlich verankert werden. „Der Schutz der Bevölkerung muss Vorrang haben vor wirtschaftlichen Interessen“, sagt Stephan Kühn, verkehrspolitischer Sprecher der Grünen im Bundestag. Auch Löffel will weiter kämpfen und hofft, dass sich künftig mehr Anwohner über die Lärmbelästigungen beschweren. Das ist auf der Internetseite des Vereins Fluglärm Dresden möglich. „Nur so können wir etwas ändern.“