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Die Flut der kleinen Flüsse

Am 7. August jährt sich zum zehnten Mal die Flutkatastrophe an Sebnitz, Kirnitzsch, Polenz, Wesenitz und den Nebenflüssen. Was sich getan hat und noch getan wird.

Der Sebnitzbach bahnte sich seinen Weg direkt über den Marktplatz.
Der Sebnitzbach bahnte sich seinen Weg direkt über den Marktplatz. © SZ-Archiv/Dirk Zschiedrich

Die Sebnitzer konnten am 7. August 2010 praktisch zusehen, wie der sonst eher knietiefe Fluss immer höher stieg und schließlich die gesamte Innenstadt überspülte. Ähnlich erging es den Anwohnern entlang der Kirnitzsch, der Wesenitz, der Polenz und vielen anderen kleineren Flüssen in der Sächsischen Schweiz.

Es war eine Katastrophe unvergleichlichen Ausmaßes, die vom 7. auf dem 8. August vornehmlich den rechtselbischen Teil des Landkreises heimsuchte. Schon am 6. August hatte es anfangen, heftig zu regnen, der Niederschlag fiel über 24 Stunden lang ohne Pause. Sebnitzbach, Polenz, Kirnitzsch und Wesenitz schwollen maßlos an und gerieten völlig außer Rand und Band. Und die Orte, die die Flut an jenem Wochenende verschonte, erwischte ein Unwetter eine Woche später. Dann ergoss sich das Wasser auch über Dürrröhrsdorf-Dittersbach und Stolpen.

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Die Folgen waren verheerend: Sebnitz verzeichnete einen Schaden von insgesamt rund 13 Millionen Euro, in Stolpen war es knapp eine Million, in Dürrröhrsdorf 1,4 Millionen, Neustadt verbuchte allein an Privathaushalten Schäden von insgesamt 2,5 Millionen Euro. Hohnstein hatte allein an kommunalen Schäden in Höhe von 2,7 Millionen Euro aufgelistet. Neben der Herausforderung, die Schäden zu beseitigen, bestand auch die wichtige Aufgabe, dass Wasser künftig so zu zähmen, dass die Gemeinden trotz einer möglichen neuen Flut, nicht mehr von einem solchen Ausmaß heimgesucht werden.

Seitdem hat sich entlang der Flussläufe einiges getan. Da es sich allesamt um Gewässer zweiter Ordnung handelt, ist die Landestalsperrenverwaltung zuständig. Sächsische.de fasst zusammen, was sich nach zehn Jahren getan hat und wo es noch hakt.

Sebnitz: Warten auf Rückhaltebecken in Tschechien

Entlang der Sebnitz mussten 29 Schäden beseitigt werden. Hauptsächlich wurden Böschungen und die Gewässersohle instand gesetzt. Der Schwerpunkt der Arbeiten lag dabei im Stadtgebiet von Sebnitz selbst. Diese Maßnahmen sind allesamt abgeschlossen. Die Gesamtkosten für die Beseitigung der Schäden beläuft sich auf rund 2,23 Millionen Euro. 

Mit der Beseitigung der Schäden ist jedoch das Hochwasserschutzkonzept für den Sebnitzbach und die Stadt noch nicht realisiert. Innerhalb eines  grenzüberschreitenden Interreg-Projektes wurde in einer Machbarkeitsstudie die Wirkung von Rückhaltebecken im Einzugsgebiet des Flusses Sebnitz auf tschechischem Territorium untersucht. "Die Studie kommt zu dem Schluss, dass acht Rückhaltebecken auf der tschechischen Seite des Einzugsgebietes notwendig wären, um die Durchflussmenge erheblich zu reduzieren", sagt Patricia Zedel von der Landestalsperrenverwaltung. Zusätzlich zu den Rückhaltebecken in Tschechien müsste auch im Stadtgebiet noch einiges getan werden. Konkret geht es um den Flussverlauf vom Sebnitz Center an der Langen Straße bis hin zur Stadthalle.

Knackpunkt sind vor allem die Brücken. Unter ihnen passt im Ernstfall nicht genügend Wasser hindurch, sie müssten deshalb umgebaut werden. Darüber hinaus müssten an einigen Stellen die Ufermauern erhöht werden. Das wiederum könnte aber zur Folge haben, dass sich das Wasser dann an anderen Stellen seinen Weg bahnt. Aktuell ist die Landestalsperrenverwaltung noch zu keinem Ergebnis gekommen. Hierzu seien weitere Untersuchungen notwendig, sagt Patricia Zedel. Darüber hinaus ist unklar, wie es mit den Rückhaltebecken auf tschechischer Seite weiter gehen kann. Frühestens nach 2027 könnten auf tschechischer Seite die Genehmigungsverfahren starten. Zuvor müssten  auch die Finanzen geklärt sein. Für die Anwohner entlang des Flusses heißt das in jedem Fall, weiter selbst Vorsorge zu treffen.

Die Flut der Kirnitzsch hatte auch den Campingplatz Ostrauer Mühle überspült. Große Teile des Platzes wurden von den Wassermassen überschwemmt. Wohnwagen und Zelte, die ufernah standen, wurden fortgespült, alles war voller Schlamm.
Die Flut der Kirnitzsch hatte auch den Campingplatz Ostrauer Mühle überspült. Große Teile des Platzes wurden von den Wassermassen überschwemmt. Wohnwagen und Zelte, die ufernah standen, wurden fortgespült, alles war voller Schlamm. © SZ-Archiv/Daniel Förster

Kirnitzsch: Wildholz soll aufgehalten werden

Nicht die Elbe, sondern die Kirnitzsch nahm am 7. August 2010 Kurs auf Bad Schandau. Unterwegs riss sie alles mit, was nicht niet- und nagelfest war. Kleinere Hochwasser hatten die Anwohner der Kirnitzsch immer wieder einmal erlebt. Doch im August 2010 sorgten starke Regenfälle dafür, dass auch die Kirnitzsch immer höher stieg. 17 Schäden wird die Landestalsperrenverwaltung registrieren. Auch hier mussten Böschungen und die Gewässersohle instandgesetzt werden. Diese Maßnahmen sind alle abgeschlossen. Die Kosten beliefen sich auf rund 945.000 Euro.

Später wird man feststellen, dass das Gefährliche an der Kirnitzsch vor allem das Totholz war, welches durch die Fluten mitgerissen wurde und im weiteren Verlauf Durchlässe und Brücken versperrte. Aus diesem Grund plant man nun, sogenannte Wildholzrückhalte zu errichten. Die Rückhalte sollen das Holz schon im Oberlauf der Kirnitzsch  aufhalten. Keine großen Hoffnungen gibt es für ein Rückhaltebecken im Einzugsgebiet der Kirnitzsch.

Allerdings haben die letzten zwei Jahre gezeigt, dass besonders im Kirnitzschtal die Gefahr nicht unbedingt vom Fluss ausgeht, sondern von den Hängen entlang der Straße. Hier kam es immer wieder zu Erdrutschen. Die Kirnitzschtalstraße war danach meist tagelang blockiert. Auch da gibt es Ideen, aber keine konkreten Lösungsansätze.

Wesenitz und Polenz: Auslaufflächen nutzen

Die Gaststätte & Pension Polenztal hatte es 2010 schwer getroffen. Heute erinnert nichts mehr daran.
Die Gaststätte & Pension Polenztal hatte es 2010 schwer getroffen. Heute erinnert nichts mehr daran. © Daniel Schäfer

Bevor die Wesenitz zwischen Heidenau und Pirna in die Elbe mündet, durchfließt sie weite Teile des Gemeindegebietes von Stolpen. Auf etwa 600.000 Euro wurden die Schäden nach dem Hochwasser 2010 beziffert. Im Frühjahr 2013 sind noch einmal 450.000 Euro dazugekommen. Für die Beseitigung der Schäden an der Wesenitz hat die Landestalsperrenverwaltung nach eigenen Angaben seit dem Jahr 2010 etwa 650.000 Euro aufgewendet. Größere Rückhaltebecken sind nicht geplant.

Genau wir die Polenz hat auch die Wesenitz größere Auslaufflächen, die bei normalen Hochwassern in den Jahren danach als Überschwemmungsgebiete ausreichend waren. Die Sorgen sind den direkten Anliegern von Polenz und Wesenitz damit nicht genommen.  Denn ihre Grundstücke waren später auch immer wieder betroffen. Die Landestalsperrenverwaltung setzt an beiden Flüssen ebenfalls mehr auf Eigenvorsorge.  

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