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Flutschäden im Altstädter Kanalnetz beseitigt

Nach dem Juni-Hochwasser wurden rund 1,2 Millionen Euro in die Reparaturen investiert. Die Vorsorge zahlte sich dabei aus.

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Von Linda Barthel

Ein strenger Geruch zieht durch die Luft. Der Gang, der unterhalb der Semperoper bis zur Elbe führt, ist dunkel. Ohne Taschenlampe sind nur wenige Meter des glockenförmigen Kanals zu sehen. Leise fließt auf der anderen Seite das Abwasser, das aus der Innenstadt geleitet wird. Mit einem lauten Plätschern kommt eine neue Menge hinzu. „Das ist von der Semperoper“, sagt Frank Lieber. Der Altstädter Netzmeister ist froh. Das Juni-Hochwasser hat in dem 1906 gebauten Kanal nichts zerstört.

Nach der Jahrhundertflut 2002 sah es hier anders aus. „Die Decke wurde durch den enormen Druck der Elbe nach oben gedrückt, und in den Wänden sind überall Risse gewesen“, sagt Lieber. So habe es nahezu in allen Altstädter Kanälen ausgesehen. Rund 26 Millionen Euro wurden in Reparatur und Ausbau investiert. Das hat sich in diesem Jahr ausgezahlt.

„Wir haben 2013 mit knapp 1,2 Millionen nicht einmal zehn Prozent der damaligen Schadenssumme“, sagt der Netzmeister. Im Gegensatz zur Flut 2002 hielten die Flutschutztore die Innenstadt zum Großteil trocken. Doch auch die 48 Altstädter Hochwasserschieber lieferten wieder ganze Arbeit. Sie verhinderten, dass die Elbe von unten in das Abwassernetz eindringen konnte. Denn die im Durchschnitt 80 Jahre alten Kanäle wurden von den überfluteten Gebieten abgesperrt.

Schieber schließen automatisch

Gesteuert werden die großen Tore von der Zentrale. Das Signal kommt jedoch aus dem Kanal. Mehrere Sensoren reagieren auf das Überschreiten eines bestimmten Wasserstandes und lösen das automatische Schließen der Schieber aus. „Bei einem Pegel von fünf Metern fahren 50 Prozent der Tore nach unten, ab acht Metern gehen alle zu“, sagt Lieber. Früher waren die Hochwasserschieber noch aus Holz und mussten per Hand von zwei Mitarbeitern der Stadtentwässerung nach unten gekurbelt werden. „Dafür haben sie sich fast 280-mal im Kreis gedreht“, sagt der 53-Jährige.

Auch die neue Oberfläche der Kanäle hat sich beim Juni-Hochwasser bewährt. So wurde der Sandstein der alten Schächte ab 2003 mit einer stabilen Betonschicht überzogen. Doch auch in diesem Jahr überstand nicht jedes der unterirdischen Bauwerke die Flut unbeschädigt. So hielt unter anderem die Konstruktion unterhalb der Devrientstraße dem Druck nicht stand. Die Decke hatte sich rund fünf Zentimeter nach oben gewölbt, die Abdeckung musste erneuert werden. Denn die alte Platte drohte unter der Last der Autos zu brechen. „Wir konnten aber alle Schäden innerhalb von drei Wochen reparieren“, sagt Lieber.

Sofort nach der Flut hatten er und seine 28 für die Altstädter Kanäle zuständigen Mitarbeiter das rund 1.200 Kilometer lange Kanalnetz abgefahren und nach Brüchen und Ablagerungen gesucht.

Damit so wenig wie möglich Elbwasser in die Kanäle gelangen kann, werden bei steigendem Pegel auch die Gullydeckel und Straßenabläufe mit Gummimatten, Sandsäcken und Stöpseln abgedichtet. „Man muss dabei besonders aufpassen, weil viele Leute denken: Hilfe, das Wasser läuft hier ja überhaupt nicht ab und dann die Matten wegtragen“, sagt Lieber. Deshalb habe darauf immer ein Mitarbeiter ein Auge.

Auch die Gullydeckel wurden nach der Flut 2002 erneuert. So hat die Stadtentwässerung 2.500 druckfeste Abdeckungen neu eingebaut, die fest mit dem Kanal verbunden sind. Dadurch können sie jetzt nicht mehr rausgedrückt werden.

Der Altstädter Netzmeister ist zufrieden. „Unsere Hochwassermaßnahmen haben sich bewährt“, sagt er. So schlimm eine Flut sei, für die Stadtentwässerung ist sie auch immer ein guter Test, ob die Kanäle sicher sind. „Man muss heute wohl mit mehr Überschwemmungen in kürzeren Abständen rechnen, aber meiner Meinung nach ist die Altstadt hochwassersicher“, so Lieber. Dazu trage vor allem auch das Johannstädter Pumpwerk bei. Dieses hatte im Juni in Spitzenzeiten rund 10.000 Liter überschüssiges Abwasser pro Sekunde in die Elbe befördert. „Die maximale Leistungsfähigkeit liegt aber sogar bei 18.000 Litern pro Sekunde“, so Lieber. „Das Pumpwerk hat seine Feuerprobe bestanden. So haben wir gewaltige Schäden umgangen.“