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Fonds-Manager bei Yenidze-Projekt unschuldig

Berlin/Dresden. Der Kapitalanlage-Skandal um die Sanierung der Dresdner Yenidze ist für den Ex-Chef der Berliner Volksbank ohne Folgen geblieben: Ulrich Misgeld, ist gestern vom Berliner Landgericht vom Vorwurf der Untreue und Beihilfe zum Millionenbetrug freigesprochen worden.

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Berlin/Dresden. Der Kapitalanlage-Skandal um die Sanierung der Dresdner Yenidze ist für den Ex-Chef der Berliner Volksbank ohne Folgen geblieben: Ulrich Misgeld, ist gestern vom Berliner Landgericht vom Vorwurf der Untreue und Beihilfe zum Millionenbetrug freigesprochen worden.

„Es gibt keine Anhaltspunkte, dass der 53-jährige Manager und seine drei Mitangeklagten Geldanleger täuschen wollten“, sagte Richter Heinz-Georg Gahlen. Die Staatsanwaltschaft hat Revision angekündigt. Sie ist nach wie vor davon überzeugt, dass die von der Volksbank verkauften Fondsanteile zur Finanzierung für den Umbau der alten Tabakfabrik das Papier nicht wert gewesen sind.

Neben Misgeld standen zwei weitere Mitarbeiter der Volksbank sowie mit Peter Schiansky, der ehemalige Chef der Bauträgergruppe Euwo, vor Gericht. Sie fanden mit ihren Immobilienfonds rund 600 Anleger, die von 1993 bis 1996 mit Investitionen für die Tabakmoschee in Dresden und ein Dienstleistungszentrum in Berlin-Spandau mehr als 65 Millionen Euro verloren haben sollen.

Die Anklägerin hatte deshalb vier Jahre Haft für Schiansky beantragt. Für Misgeld und seine früheren Kollegen verlangte die Staatsanwältin Bewährungsstrafen bis zu zwei Jahren.

„Es gibt nichts, was die Anklage stützen könnte“, urteilte jedoch der Richter nach dem achtmonatigen Prozess mit zahlreichen Zeugen. Unternehmerische Fehleinschätzungen seien nicht auszuschließen, so das Gericht. Es habe erhebliche finanzielle Engpässe bei der Euwo gegeben. Aus damaliger Sicht seien sie behebbar gewesen. Die Wirtschaftsstrafkammer stützte sich unter anderem auf eine „neutrale, unabhängige Wirtschaftsprüfergesellschaft“.

Nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft sollen die Angeklagten dagegen in Prospekten für Kunden geworben haben, als die Euwo bereits überschuldet gewesen sei. Risiken seien den Anlegern verschwiegen worden. Ein derartiges Täuschungsmanöver lag nach Überzeugung der Richter aber nicht vor.

Die Verantwortlichen hätten an die Realisierbarkeit der Fonds geglaubt, argumentierte Richter Gahlen. Misgeld sei vor der Vergabe von Krediten an die Euwo besonders misstrauisch gewesen. Auf seine Initiative hin seien die Wirtschaftsprüfer eingeschaltet worden. Und Euwo-Chef Schiansky habe sein Privatvermögen eingesetzt und verloren. „So etwas tut kein Betrüger“. (dpa)