SZ + Bischofswerda
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Formale Umbauten helfen keinem

Kommentar von Ingolf Reinsch über barrierefreie Bushaltestellen.

Von Ingolf Reinsch
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© Steffen Unger

Drei Jahre haben Städte und Gemeinden in Deutschland noch Zeit, um sämtliche Bushaltestellen auf ihrem Territorium barrierefrei umzubauen. Schöne, graue Theorie, möchte man da meinen. Die Praxis sieht anders aus – nicht nur, wenn man an den immensen Investitionsbedarf denkt. Einen Umbauaufwand in Höhe von 25.000 Euro pro Station angenommen, würde das für die Stadt Bischofswerda bei fast 60 Haltestellen Kosten von insgesamt fast anderthalb Millionen Euro bedeuten. Geld, das die Stadt zusätzlich zu den bereits geplanten Investitionen aufbringen müsste.

Das Anliegen, Menschen im Rollstuhl und weiteren Gehbehinderten das Busfahren so leicht wie möglich zu machen, ist natürlich zu begrüßen. Es ist auch gut, wenn es dafür verbindliche Vorgaben gibt. Doch Politiker, die so etwas beschließen, sollten sich schon an den Realitäten orientieren. Manches in der sächsischen „Provinz“ mutet grotesk an. Seit fast 20 Jahren kämpft man in Bischofswerda für Fahrstühle auf dem Bahnhof – nun soll der Einbau 2021 endlich beginnen. Noch grotesker ist es in Demitz-Thumitz. Für Bahnreisende ist der Bahnsteig nur über eine steile Treppe zu erreichen, bei der schon Menschen mit zwei gesunden Beinen schwindelig werden kann. Dort nachzubessern, wäre sinnvoller, als Haltestellen auf Teufel komm raus umzubauen.