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Forschen zum Thema Flucht

Migration gab es schon früher. Damit setzen sich Jugendliche jetzt in Bautzen auseinander – darunter auch Flüchtlinge.

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© René Plaul

Vor Kurzem startete eine Reihe von Workshops zum Thema „Migranten in Bautzen“. Die SZ sprach dazu mit der Ausländerbeauftragten des Landkreises, Anna Pietak-Malinowska.

Anna Pietak-Malinowska ist die Ausländerbeauftragte des Landkreises Bautzen.
Anna Pietak-Malinowska ist die Ausländerbeauftragte des Landkreises Bautzen. © Carmen Schumann

Frau Pietak-Malinowska, Sie haben eine Workshop-Reihe ins Leben gerufen, bei der nicht nur über Flüchtlinge geforscht werden soll, sondern auch mit ihnen. Was erhoffen sie sich von den Workshops?

Unser Ziel ist es, ein Netzwerk zu knüpfen. Bei den Workshops sollen Jugendliche im Alter zwischen zwölf und 25 Jahren einander begegnen, miteinander ins Gespräch kommen. Dabei sollen sie die Lebensweise und die Sicht auf das Leben des jeweils anderen kennenlernen. Außerdem sollen alle Beteiligten erkennen, dass Migration nicht nur eine Erscheinung der Gegenwart ist, sondern dass es Migration über die Jahrhunderte immer wieder gegeben hat. Eine der größten Migrationswellen gab es ja am Ende des Zweiten Weltkrieges, als nicht nur Deutsche aus den nun polnisch gewordenen Gebieten aussiedeln mussten, sondern zum Beispiel auch Ukrainer nach Westpolen umgesiedelt wurden.

Zu diesem Thema haben ja bereits Schüler des Schillergymnasiums im Rahmen des Stadtkurses geforscht.

Genau, das ist eine sehr gute Sache. Wir wollen uns deshalb die Ergebnisse dieser Recherchen zunutze machen, indem wir sie in die von uns geplante Ausstellung zu den Ergebnissen unserer Workshops integrieren. Das Projekt der Schiller-Gymnasiasten heißt „Flüchtlinge und Vertriebene am Ende des Zweiten Weltkrieges“. Die Schiller-Schüler haben sich im Stadtarchiv intensiv mit Akten aus der Zeit nach 1945 auseinandergesetzt und sehr aufschlussreiche Zeitzeugengespräche geführt. Die Ausstellung soll am 16. Oktober im Museum Bautzen eröffnet werden. Ab dem 11. November ist die Schau dann im Schiller-Gymnasium zu sehen, bevor sie nach Frankfurt/Oder wandert, wo sie als Begleitausstellung zur Konferenz „Nowa Amerika – im Land der Migranten“ gezeigt wird.

Doch noch ist es nicht so weit. Welche Schritte werden bis dahin unternommen, um die Ausstellung auf die Beine zu stellen?

Der erste Workshop hat bereits stattgefunden. Die Teilnehmer besuchten seit Mitte Juni das Stadtarchiv und das Museum und erfuhren dort Interessantes über Migranten von früher und heute. Vom 11. bis zum 16. Juli wollen die Teilnehmer in einem Film- und Fotoprojekt in Zusammenarbeit mit dem Sächsischen Ausbildungs- und Erprobungskanal (SAEK) Interviews mit Flüchtlingen führen. Der Workshop baut auf den im ersten Teil gewonnenen Erkenntnissen auf. Interessierte junge Leute mit und ohne Migrationshintergrund können sich noch bis zum 7. Juli dafür anmelden. Es sollen ein Film und ein Kalender für 2017 mit Porträts von Migranten sowie eventuell eine Broschüre entstehen. Der dritte Workshop, der vom 4. bis 7. Oktober stattfindet, dient dann der unmittelbaren Vorbereitung der Ausstellung.

Und damit ist das Projekt dann abgeschlossen?

Wenn es nach uns ginge, könnte und sollte das Projekt auch im Jahr 2017 noch weitergeführt werden.

Gespräch: Carmen Schumann

Anmeldungen für den Workshop nimmt Anna Pietak-Malinowska entgegen unter 03591 525187700 oder

[email protected]