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Forscher erwarten bisher stärkste Rezession der Bundesrepublik

Essener Institut: Wirtschaftschrumpft um zwei Prozent

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Dresden. Die Bundesrepublik könnte nach Berechnungen führender Konjunkturforscher in die stärkste Rezession in ihrer Geschichte rutschen. Das Rheinisch-Westfälische Institut für Wirtschaftsforschung (RWI) verringerte gestern seine Prognose für 2009 drastisch. Die Forscher in Essen erwarten nun einen Rückgang des Bruttoinlandsprodukts um zwei Prozent. Das Bruttoinlandsprodukt ist der Wert aller hergestellten Produkte und Dienstleistungen.

Rekordwert bisher:

Minus 0,9 Prozent bei Ölkrise

Am stärksten war die bundesdeutsche Wirtschaft bisher im Jahr 1975 geschrumpft, als das Bruttoinlandsprodukt infolge der Ölkrise um 0,9 Prozent schrumpfte. Derzeit steckt Deutschland schon in einer Rezession – einem Rückgang der Wirtschaft in zwei Vierteljahren nacheinander. Die Bundesregierung rechnet bisher noch mit einem geringen Wirtschaftswachstum von 0,2 Prozent im nächsten Jahr. Ökonomen der Dresdner Bank halten sogar ein Minus von mehr als zwei Prozent für möglich, falls die Exporte weiterhin so schnell zurückgehen wie derzeit.

Exporte: Aufträge aus

dem Ausland lassen nach

Der massive Rückgang der Auslandsaufträge weise auf das Risiko eines Exporteinbruchs hin, sagte Michael Heise, Chefvolkswirt der Allianz. Allerdings gebe es positive Tendenzen wegen des schwächeren Euro, der niedrigen Inflation sowie durch die zahlreichen staatlichen Stützungsmaßnahmen. Nach seiner Ansicht ist ein beachtlicher Teil der Rezession schon vorbei. Das RWI dagegen hält es für möglich, dass die Zahl der Arbeitslosen um fast 600000 zunimmt.

Neue Länder: Maschinenbau

und Möbel halten sich

Das Institut für Wirtschaftsforschung Halle berichtete nach einer Umfrage unter 300 Industrie-Unternehmen im Osten, die Stimmung habe sich im November verschlechtert – allerdings eher bei großen als kleinen Firmen. Im Maschinenbau werde die Lage nicht wesentlich schlechter eingeschätzt als voriges Jahr, aber die Aussicht. Die Hersteller von Möbeln, Spielwaren und Schmuck seien optimistisch.

Modehandel: Starkes

Weihnachtsgeschäft

Der deutsche Modehandel berichtete gestern, das bisherige Adventsgeschäft laufe so gut wie im vorigen Jahr – an Wochenenden besser, unter der Woche schlechter. Verbandspräsident Steffen Jost sagte, die Lage sei derzeit besser als die Stimmung. (AP/dpa/SZ)