merken
PLUS

Radeberg

Forschung zu Radeberger Kosmetik-Pionierin

Die Schwestern begründeten einen weltweiten Trend. Jetzt erinnert eine Gedenktafel an Charlotte und Gertrude Meentzen.

Renate Schönfuß-Krause und Klaus Schönfuss aus Radeberg waren bei der Enthüllung der Gedenktafel an der Wiener Straße in Dresden dabei. Sie haben sich mit dem Leben der Unternehmerinnen beschäftigt.
Renate Schönfuß-Krause und Klaus Schönfuss aus Radeberg waren bei der Enthüllung der Gedenktafel an der Wiener Straße in Dresden dabei. Sie haben sich mit dem Leben der Unternehmerinnen beschäftigt. © Marion Doering

Großer Bahnhof an der Wiener Straße in Dresden. Der „Landesfrauenrat Sachsen“ hatte vor die Villa Nummer 36 eingeladen, um eine Gedenktafel für Charlotte und Gertrude Meentzen zu enthüllen. In dem Haus war lange Zeit der Familienbetrieb untergebracht. Anlass des Treffens war der 80. Todestag von Charlotte. Außerdem gründeten die Schwestern vor 90 Jahren ihre Firma. Bei der Zusammenkunft waren unter anderen Familienmitglieder und Vertreter der Geschäftsleitung der Firma Meentzen dabei.

Freie Erziehung und Weltanschauung

Aber auch Renate Schönfuß-Krause und ihr Mann Klaus Schönfuß aus Radeberg hatten sich den Termin im Kalender angestrichen. Sie erforschen derzeit das Leben der Powerfrauen. Unter anderem konnten sie Unterlagen aus dem Besitz der Familie einsehen. Ihre neuesten Erkenntnisse haben sie in einem Wikipedia-Artikel veröffentlicht. Nach Einschätzung von Renate Schönfuß-Krause waren die Schwestern ihrer Zeit weit voraus. „Der von ihnen erstmalig propagierte Naturgedanke und die Ganzheitlichkeit in der Haut- und Schönheitspflege erlebt ja bis in die Gegenwart einen regelrechten Boom und ist ein internationaler Trend geworden.“ Nach den Recherchen wurden die Meentzen-Schwestern Gertrude und Charlotte in Leipzig geboren. Sie waren die Töchter des Schriftstellers Theodor Meentzen und seiner Ehefrau Iphigenie. 1908 verließ die Familie Leipzig und wurde bei Dresden in Eisenberg/Moritzburg, später in Moritzburg/Auer ansässig. Die beiden Töchter wuchsen in einer intellektuellen und weltoffenen Familie auf. Werte, wie freie Weltanschauung, Selbstbestimmung und Selbstverwirklichung, gehörten zur Erziehung.

Anzeige
Studium für Pflegeprofis
Studium für Pflegeprofis

Studium & Praxis vereinen? Bis zum 1. Oktober an der ehs Dresden für die innovativen pflegerischen Bachelor- & Masterstudiengänge bewerben!

Die Schulferien verbrachten sie oft in Bayern auf dem Hof der heilkräuterkundigen Großmutter, die sie mit Naturheilkunde, dem Wissen um die Kraft pflanzlicher Wirkstoffe und dem Herstellen natürlicher Rezepturen vertraut machte und sie dafür frühzeitig begeisterte. Sie folgten beide dem beginnenden Trend nach Naturnähe, Einfachheit und gesunder Lebensweise. Charlotte absolvierte um 1928 eine Ausbildung als Heilpraktikerin in Österreich, dem sich in Graz eine Ausbildung zur Kosmetikerin anschloss.

Drama 13. Februar

Frühzeitig wandte sie sich der Idee von der natürlichen Schönheit zu, weg von dem bisher üblichen „Anmalen und Zukleistern der Gesichter“. Nach ihrer Rückkehr begann sie mit Schwester Gertrude die die Planung des Unternehmens. „Die Idee der beiden Schwestern war durchaus mutig, denn sie wollten die Schönheitspflege auch durchaus von Anfang an revolutionieren.“ Am 15. Juni 1930 eröffnete Charlotte in Dresden, Prager Straße 44, ihren ersten Kosmetiksalon als „Institut für Schönheitspflege“. Noch im gleichen Jahr gründeten beide Schwestern den ersten kleinen Produktionsbetrieb in der Prager Straße 24, und bereits ein Jahr später eröffneten sie für die Ausbildung von Kosmetikerinnen, die „Schule für natürliche Kosmetik“. Der Erfolg ihrer Unternehmungen war nicht aufzuhalten, da kam der Schicksalsschlag. Charlotte Meentzen verstarb unerwartet am 26. Februar 1940. Sie wurde nur 35 Jahre alt. Das Weiterbestehen der Firma war Gertrude zu verdanken.

Am 13. und 14. Februar 1945 wurde bei den Luftangriffen auf Dresden die gesamte Prager Straße zerstört, damit auch Institut, Produktionsstätte und Schule. Die Hälfte der Belegschaft und der Ehemann von Gertrude, Felix Otto Seltmann, kamen ums Leben. 1945 wurde unter Gertrude mit der Beseitigung der Kriegsschäden an der Villa Wiener Straße begonnen. 1946 begann ein erster erneuter Manufakturbetrieb im Kellergeschoß der Villa. 1968 wurde der Betrieb halbstaatlich und 1972 erfolgte dann die Zwangsenteignung. Nach der Wende wird der Betrieb reprivatisiert. Seit 2002 hat die Firma ihren Sitz in Radeberg. (SZ/td)

Mehr Nachrichten aus Radeberg und dem Rödertal lesen Sie hier.

Abonnieren Sie unseren kostenlosen Newsletter "Dresden kompakt" und erhalten Sie alle Nachrichten aus der Stadt jeden Abend direkt in Ihr Postfach.

Mehr Nachrichten aus Dresden lesen Sie hier.

Mehr zum Thema Radeberg