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Forschungsriesen starten in Zittau durch

DLR, Fraunhofer und weitere: An der Hochschule ist Bewegung - mit Millionen-Investitionen und Dutzenden neuen Arbeitsplätzen.

Ein Blick ins Fraunhofer-Kunststoffzentrum am Zittauer Ring.
Ein Blick ins Fraunhofer-Kunststoffzentrum am Zittauer Ring. © Thomas Eichler (Archiv)

Das Fraunhofer-Technikum am Zittauer Stadtring, auf dem Campus der Hochschule, ist das sichtbare Zeichen dafür, das sich die Stadt stärker als früher zu einem Forschungszentrum entwickelt. Nun sind weitere Entwicklungen abzusehen:

DLR startet am Montag

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Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) nimmt am Montag den Betrieb seines Instituts "Dekarbonisierte Industrieprozesse" in Zittau auf. "Wir sind gekommen, um zu bleiben", sagte Institutsdirektor Prof. Uwe Riedel auf Anfrage der SZ.

In einem ersten Schritt werden drei Wissenschaftler und Verwaltungspersonal in Räumen des Hochschulgebäudes VII im ehemaligen Armeegebiet ihre Arbeit aufnehmen. In der Endausbaustufe sollen 50 bis 60 Wissenschaftler in Zittau forschen. Bis dahin will das DLR laut Prof. Riedel auch ein eigenes Gebäude auf dem Campus errichten. 2023 bis 2025 könnte es so weit sein. Das Institut wird 2020 auch auf dem Campus starten - in einem der Häuser hinter dem abgerissenen Haus III am Ring. 

In Zittau sollen unter anderem Hochtemperaturwärmepumpen entwickelt werden, die mit bisher unerreichten Parametern arbeiten - bei einem niedrigeren CO2-Ausstoß und einem deutlich höheren Wirkungsgrad. "In dieser Leistungs- und Temperaturklasse ist noch niemand unterwegs", so Prof. Riedel. Ziel ist, mit diesen Höchstleistungswärmepumpen nachhaltige Prozesswärme für verschiedene Industriebereiche, wie zum Beispiel die Chemie- und Stahlindustrie, zur Verfügung zu stellen.

Hochtemperatur-Wärmepumpen verdoppeln in etwa die Effizienz von Wärmespeicherkraftwerken. Diese sind eine Option, um Überschussstrom aus Sonne und Wind, der zunächst als Wärme gespeichert wird, emissionsfrei in Strom zurückzuverwandeln. Dazu kann der Dampferzeugungsteil ehemaliger fossiler Kraftwerke genutzt werden.

Das offiziell im Juni gegründete Institut hat zwei Standorte. Neben Zittau werden in der Endausbaustufe etwa genauso viele Forscher in Cottbus an der CO2-Minderung von Industrieprozessen forschen. Die Finanzierung des Instituts teilen sich der Bund mit 90  und die Länder mit zehn Prozent. Allein die Anschubfinanzierung der Länder beträgt 20 Millionen Euro. 

Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt ist eigenen Angaben zufolge das Forschungszentrum der Bundesrepublik Deutschland für Luft- und Raum­fahrt. Seine Forschungs- und Ent­wicklungs­arbeiten in Luftfahrt, Raumfahrt, Energie, Verkehr, Digitalisierung und Sicher­heit sind in nationale und inter­nationale Kooperationen einge­bunden. Es hat bisher 26 Standorte. Das neue Institut in Zittau und Cottbus gehört zum Bereich Energie. Angeschoben wurde die Gründung 2018. Die Wahl auf Zittau fiel unter anderem wegen der Ausrichtung der Hochschule auf den Energiesektor und die guten Beziehungen zwischen Hochschule und DLR. 

Fraunhofer Kunststoffzentrum wird ab Frühjahr erweitert

Die Erweiterung des Fraunhofer-Technikums am Stadtring, auf dem Campus der Hochschule Zittau/Görlitz, nimmt Gestalt an: "Die Baugenehmigung wird im Oktober erwartet", teilte Jan Müller, Fraunhofer-Institut für Werkzeugmaschinen und Umformtechnik (IWU), zu der die Zittauer Forschungsstätte gehört, auf Anfrage mit. "Der Baubeginn ist im Frühjahr 2020 geplant und die Bauübergabe im Sommer 2021."

Das Gebäude des "Kunststoffzentrums Oberlausitz" soll nach hinten, in Richtung Külzufer, erweitert werden. Die Fläche für Versuche im vorgesehenen Anbau wächst von derzeit 146 Quadratmeter auf weit über 700 Quadratmeter. "Das Versuchsfeld wird mit hochmodernen Kunststoffverarbeitungsmaschinen und Analysegeräten für die Forschung und Entwicklung im Bereich Leichtbau und additive Fertigung ausgestattet", teilte das IWU mit. Die Investitionskosten belaufen sich nach derzeitigen Schätzungen auf rund sechs Millionen Euro. Die Zahl der Forscher soll sich auf 40 verdoppeln.

Die Fraunhofer-Forschungsgruppe für Angewandte Kunststofftechnologien hatte 2011 die Arbeit aufgenommen und war 2016 in das neu errichtete Technikum eingezogen. Ursprünglich war die Erweiterung bereits in diesem Sommer vorgesehen.

Neue Fraunhofer-Forschungsgruppe hat begonnen

Eine weitere Fraunhofer-Forschungsgruppe für "Leichtbau und Energietechnik" unter Leitung von Professor Alexander Kratzsch von der Hochule hat in diesem Jahr die Arbeit in Zittau aufgenommen. "Profitieren soll davon insbesondere die regionale Wirtschaft", teilte das IWU mit. "Die Forschungsthemen umfassen dabei beispielsweise Hochgeschwindigkeitsspeicher mit Magnetlagertechnik, Leichtbau-Turbinenschaufeln für Dampfturbinen oder hochintegrative thermische Energiespeicher."

In der Endausbaustufe wird die Gruppe zehn bis 15 Forscher umfassen. Sie sollen in dem erweiterten "Kunststoffzentrum Oberlausitz" ihren Sitz haben.

Weiteres Fraunhofer-Institut will sich in Zittau niederlassen

Auch das noch relativ neue Fraunhofer-Institut für Energie-Infrastruktur und Geothermie will in Cottbus und Zittau forschen. Die Ansiedlung einer Forschergruppe ist Ende vergangenen Jahres per Pressemitteilung verkündet worden. Damals war noch von einem Standort an der Hochschule Zittau/Görlitz die Rede. Inzwischen ist klar, dass es Zittau sein wird. "Leider gibt es derzeit noch keine neuen Informationen", teilte ein Sprecher der Fraunhofer-Gesellschaft auf SZ-Anfrage mit. 

Neue Forschungshalle eingeweiht

Die Faser-Produktion hat durch die Textilindustrie in der Oberlausitz eine lange Tradition. Die Kunststoffproduktion auch. Nun sollen die beiden früheren Garanten für Erfolg und Wohlstand stärker vereint werden und eine neue Tradition begründen: Gestern Nachmittag ist neben der Mensa an der Hochwaldstraße in Zittau ein interdisziplinäres Forschungstechnikum eröffnet worden, in dem Wissenschaftler und Firmen aus verschiedenen Bereichen an der Entwicklung von Produkten aus naturfaserverstärkten Kunststoffen arbeiten. Die Verarbeitung der Fasern einheimischer Pflanzen, die ökologisch sind, soll damit auf ein ökonomisch funktionierendes Fundament gestellt werden, fasste Jens Weber, Professor an der Hochschule und Sprecher des Projektes, das Ziel zusammen.

In der Halle stehen Anlagen, mit denen sich Fasern aus Pflanzen gewinnen, sortieren und in Kunststoff einbringen und die Prozesse analysieren lassen. Noch gibt es Platz für weitere Maschinen. 14 Mitarbeiter betreuen die Anlagen und die interdisziplinäre Forschungen.

Ganz besonders an dem 2017 gestarteten Projekt mit dem Titel "LaNDER - Lausitzer Naturfaserverbundwerkstoffe: Dezentrale Energie, Rohstoffe, Ressourcen, Recycling" ist, dass die heimische Wirtschaft von Anfang an interessiert und im Boot war. Sie hat fast eine Million Euro zum Projekt beigesteuert. Insgesamt beteiligen sich derzeit neben der Hochschule und acht weiteren wissenschaftlichen Einrichtungen 20 regionale Firmen. 

Den Hauptteil der Kosten des 2017 gestarteten und voraussichtlich acht Jahre laufenden Projekts trägt mit sechs Millionen Euro der Bund. Voraussetzung war ein Wettbewerb um die Mittel, bei dem sich die Hochschule Zittau/Görlitz durchgesetzt hatte. 1,5 Millionen schoss der Freistaat für den Bau des Technikums zu. 

Hochschule eröffnet im Frühjahr neues Labor

Ein sogenanntes Co-Creation-Lab - frei übersetzt: Laboratorium zum kreativen Miteinander-Arbeiten - will die Hochschule Zittau/Görlitz im Frühjahr in den Mandauhöfen eröffnen. Auf rund 300 Quadratmetern Fläche werden vor allem eine Leitwarte, die den Energieverbrauch und die -verteilung simulieren kann, und Räume für den Austausch zum Beispiel von Wissenschaftlern und Firmenlenkern geschaffen. Acht Mitarbeiter, die bereits angestellt sind und die Eröffnung vorbereiten, betreuen laut Sabine Scholz von der Stabsstelle Forschung der Hochschule das Labor und sollen dafür sorgen, dass Unternehmen und andere einen leichteren Zugang zum Wissen der Hochschule erhalten. Das Projekt wird von Bund und Land in einer ersten Phase mit 2,5 Millionen Euro unterstützt und könnte nach einer Prüfung weitere fünf Jahre Geld bekommen.  Das Labor ist Teil eines größeren Projekts: Saxony High 5 (Sachsen hoch fünf). In diesem Projekt sind fünf sächsische Hochschulen - darunter die Zittau/Görlitzer - verbunden, die Wissen nach draußen transportieren wollen und sich gegenseitig unbürokratisch helfen, wenn es vor Ort keine Fachleute für ein von außen herangetragenes Problem gibt.

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Am Montag soll der Verein NeoNet aus der Taufe gehoben werden. Er hat sich auf die Fahnen geschrieben, Akteure aus Wissenschaft, Wirtschaft und Zivilgesellschaft zu verzahnen und durch diese Zusammenarbeit die Innovationskraft in der Oberlausitz zu stärken und neue Technologien beziehungsweise Produkte am Markt zu platzieren. Laut Sabine Scholz von der Stabsstelle Forschung der Hochschule kam der Impuls dafür aus der Wirtschaft. Der Verein soll mittelfristig in den Mandauhöfen angesiedelt werden und eine Geschäftsführung bekommen. Die Mittel dafür über das Projekt "Wir - Wandel durch Innovation in der Region/Live and Technology" vom Bund. Wie groß die Summe für das Teilprojekt "NeoNet" ist, steht noch nicht fest.

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