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Forstgarten fahndet nach Flaths Baum

Weihnachtsbäume werden ja hin und wieder aus den Wäldern geklaut. Einen dieser kriminellen Art der Baumbeschaffung ziemlich ähnlichen Fall beklagt der Forstbotanische Garten Tharandt seit Dienstagmorgen.

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Von Tilo Harder

Weihnachtsbäume werden ja hin und wieder aus den Wäldern geklaut. Einen dieser kriminellen Art der Baumbeschaffung ziemlich ähnlichen Fall beklagt der Forstbotanische Garten Tharandt seit Dienstagmorgen. Nur erwartet „das Opfer“ wohl weder Lametta noch Lichterkette. Es handelt sich zwar ebenfalls um einen Nadelbaum, jedoch um ein Exemplar des Riesenmammutbaumes.

Dieser war nun pikanterweise der erste seiner Art im neuen Nordamerika-Quartier des Forstgartens und wurde vom sächsischen Umweltminister Steffen Flath höchstpersönlich gepflanzt. „Ich finde den Diebstahl sehr bedauerlich“, sagt der Minister zur Tat. „Nicht bloß wegen des Sachschadens, sondern wegen der Missachtung der Idee, solch ein einzigartiges Projekt aufzubauen.“ Mitarbeiter und Leitung des Forstbotanischen Gartens sind erschüttert. „Das braucht schon eine gehörige Portion kriminelle Energie“, meint Kustos Ulrich Pietzarka. Über einen zwei Meter hohen Zaun sei der Dieb in der Nacht zum Dienstag geklettert. Dann habe er den knapp einen Meter großen Baum einfach aus der Erde gerissen.

Da der erst seit dem 1. Oktober in der Erde war, hatte er noch nicht genügend Zeit, sich kräftig einzuwurzeln. Anschließend stieg der Dieb mit der Beute zurück über den Zaun. Eins beruhigt Pietzarka: „Glücklicherweise hatte es der Unbekannte einzig auf den Mammutbaum abgesehen. Er ist wohl doch mehr Pflanzenfreund als Vandale.“ Dennoch beschäftigt sich jetzt die Kriminalpolizei mit den deutlichen Fußspuren, die der Täter hinterließ.

„Dabei wäre es einfach gewesen, im Forstgarten einen zertifizierten kleinen Mammutbaum für 50 Euro zu erwerben“, sagt Pietzarka. Damit hätte er gleichzeitig das Erweiterungsprojekt „ForstPark Tharandt“ unterstützt. Der Kustos bittet nun alle Freunde der Anlage, sich zu melden, wenn in diesen Tagen irgendwo ein Mammutbaum gepflanzt worden ist. Aufgrund von Schnittmaßnahmen, die nur im Forstgarten durchgeführt werden, fehlen untere Äste. So ist das gute Stück leicht zu erkennen.

Mammutbäume können 3 000 Jahre alt und 100 Meter hoch werden. Und wenn der Stamm einen Durchmesser von zehn Metern erreicht, dürfte der Vorgarten des Delinquenten ein langwieriges Problem bekommen. Pietzarka empfiehlt darum, den Baum zurück zu bringen oder ihn heimlich an der alten Stelle einzupflanzen.