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Großenhain

Foto-Raritäten aus der Russengarnison

Fotograf Jürgen Frömmel durfte damals offiziell einige Fotos in der Großenhainer Garnison aufnehmen.

In der Mannschaftskantine: Hier speisen die einfachen Soldaten aus Blechgeschirr. Jeder hatte seine eigene Tasse. Zu essen gab es in etwa abwechselnd drei einfache Menüs.
In der Mannschaftskantine: Hier speisen die einfachen Soldaten aus Blechgeschirr. Jeder hatte seine eigene Tasse. Zu essen gab es in etwa abwechselnd drei einfache Menüs. © Jürgen Frömmel

Großenhain. Am 19. August 1993 verließ die letzte russische Transportmaschine den Großenhainer Flugplatz. Die Gruppe sowjetischer Streitkräfte in Deutschland GSSD war damit Geschichte. Davon ahnten jene Großenhainer aber noch nichts, die am 20. August 1989 zu einem ersten Tag der offenen Tür auf den Flugplatz kamen. 

Nur wenige waren geladen, wie Marcel Reichel, der heute die Flugplatzausstellung führt, und seine Eltern. „Man musste sich vorher anmelden, es gab eine Kontrolle der Ausweise“, erinnert sich Reichel. Im Bus, der die Besucher vom Eingang abholte, waren die Scheiben innen mit Weißkalk abgetönt, damit man nicht nach außen schauen konnte.

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 Etwa 20 Leute saßen im Bus, erinnert sich Marcel Reichel. Tausende drängten dennoch auf das abgeschirmte Gelände. Und durften letztlich auch hinein. Der Kreispolizeichef übernahm dafür die Verantwortung, und alles ging gut, ist im historischen Abriss „Flugplatz Großenhain“ nachzulesen. 

Etwa ein Jahr vorher durfte Fotograf Jürgen Frömmel offiziell diese Fotos in der Garnison aufnehmen. Sie werden erstmalig öffentlich gezeigt. Dazu hat Marcel Reichel Erläuterungen gegeben. 

Antreten der Grundwehrdienstleistenden

© Jürgen Frömmel

Sie tragen die Schulterstücke „CA“, das ist Russisch und steht für Sowjetarmee. Lustigerweise sagt man manchmal auch „Circus Aljoscha“ dazu. Hier hat das Bataillon zur Wartung des Flugplatzes zur Vorbereitung der Wachschicht Aufstellung genommen. 

Zu erkennen sind diese Grundwehrdienstleistenden an ihren Schulterstücken mit einem Balken, und außerdem der Luftwaffe zugehörig. Der Vorgesetzte links hat drei Balken. Die Soldaten sind im Gemeinschaftsraum, denn nur der hatte einen Fernseher, rechts hinten im Bild. Auch die Jahrgangstafeln rechts oben sind typisch. Jeder Jahrgang hatte sie.

Im Med-Punkt

© Jürgen Frömmel

Die medizinische Station, kurz Med-Punkt, wo hier gerade ein Zahn gezogen wird, bestand aus zwei Gebäuden: dem eigentlichen Med-Punkt und einem Bettenhaus in WBS-70-Bauweise. Hier waren auch Sowjetsoldaten untergebracht, die zur regelmäßigen medizinischen Fliegerüberprüfung mussten.

 Geburten von Frauen der Militärangehörigen und größere Operationen wurden allerdings im Großenhainer Krankenhaus vorgenommen. Das war wegen der Qualität auch die deutlich beliebtere Versorgung, weiß Marcel Reichel. Das Zahnziehen ging laut Fotograf Jürgen Frömmel schneller, als er fotografieren konnte.

Alles wird selbst gemacht

© Jürgen Frömmel

Haare schneiden, wie hinten im Spiegel zu sehen, Kragen annähen, Stiefel reparieren und bügeln – das mussten die Mannschaften selbst machen. Dafür gab es diesen Dienstraum neben dem Ankleidezimmer. Jeder hatte einen Stuhl, der wurde hierher mitgenommen.

 Morgens wurde kontrolliert: Sind alle Knöpfe an der Uniform? Sind die Stiefel in Ordnung? Die Kragenbinden mussten täglich gewechselt, also herausgetrennt und wieder eingenäht werden. Für die Schuhreparatur gab es eine Anleitungstafel (links). So lernten die Rekruten aber nicht nur Handwerkliches, sondern auch, auf Ordnung ihrer Ausstattung zu achten.

In der Zahlstelle

© Jürgen Frömmel

Im Rechenbüro bekamen die Militärangehörigen ihren Sold. Hier warten gerade zwei Fliegeroffiziere hinter einer Scheibe auf ihren. Der wurde einmal monatlich in DDR-Mark ausgezahlt. Ein weiterer Raum war der für die Ausbildung bzw. das Politzimmer. Hier stand ein vergoldeter Lenin, eine Landkarte diente der politischen Unterweisung. 

7.40 Uhr begann damit der Dienst für die Mannschaften. Den ganzen Tag blieb kaum Zeit zum Luftholen, weiß Marcel Reichel. Nach sechs Stunden Unterricht oder Dienst gab es erst Mittagessen. 

Auch die Offiziere hatten ihre Morgenkonferenz, bei der die verschiedenen Bereiche vertreten waren. An ihren Abzeichen konnte man erkennen, wenn sie an der Militärakademie Moskau studiert hatten. Die Abzeichen waren weiß mit Gold und der Jahrgangszahl.

Im Haus der Offiziere

© Jürgen Frömmel

Das könnte im Haus der Offiziere gewesen sein, denn im Hintergrund ist ein Telefon zu erkennen, das es nicht überall gab. Offensichtlich wird hier Besuch zum Kaffee erwartet, denn die Stühle sind mit Hauben überzogen, auf dem Tisch stehen eine Torte und Obst. In einer Kanne wird vermutlich Tee ausgeschenkt, denn an jedem Platz stehen zwei Gläser: ein großes Wasserglas und eins für Tee – oder auch Wodka.

All diese Bilder waren laut Jürgen Frömmel für ein Fotoalbum zum 90. Geburtstag des ersten Kommandeurs Pokryschkin oder seine Familie gedacht. Der sowjetische Pilot kam im Mai 1945 nach Großenhain. Jürgen Frömmels Arbeit wurde damals von der deutschen Gewerkschaft bezahlt. Der letzte Kommandeur der Großenhainer Garnison hieß Posrednikow.

In der Mannschaftskantine

© Jürgen Frömmel

Hier speisen die einfachen Soldaten aus Blechgeschirr. Jeder hatte seine eigene Tasse. Zu essen gab es laut Marcel Reichel in etwa abwechselnd drei einfache Menüs. Zum Beispiel Kaschka, ein Graupeneintopf. Ein Mal die Woche war sogar etwas Fleisch darin, aber nur Fasern. Wirkliche Fleischstücke hätten nur Offiziere erhalten. 

Das Brot für die Mannschaften kam entweder vom örtlichen Bäckereikombinat oder aus einer russischen Brotfabrik in Wünsdorf, wo 80 000 sowjetische Soldaten garnisioniert waren. In Großenhainer waren es bis 8000. Zum Frühstück gab es Reis, zwei Eier, Butter und Tee. 

Abends wurde gebratener Fisch mit Kartoffelpüree gereicht, dazu Brot und Tee. Auch Krautsalat, Nudelsuppe und Kompott standen oft auf dem Tisch. Verpflegt wurden auch Familien gemeinschaftlich.

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