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Fotografie-Magazin kommt aus Kamenz

Zurück zum geduldigen Papier, hin zu entschleunigtem Genuss: Matthias M. Höhle vereint Fotografen aus Deutschland.

Matthias M. Höhle lebt seit 2018 in der Lessingstadt Kamenz. Hier hat er nicht nur seinen privaten Lebensmittelpunkt gefunden, sondern ist auch beruflich als freier Bauzeichner in der Region aktiv. Das Fotomagazin „Sicht“ wird ebenfalls vor Ort von einem
Matthias M. Höhle lebt seit 2018 in der Lessingstadt Kamenz. Hier hat er nicht nur seinen privaten Lebensmittelpunkt gefunden, sondern ist auch beruflich als freier Bauzeichner in der Region aktiv. Das Fotomagazin „Sicht“ wird ebenfalls vor Ort von einem © René Plaul

Kamenz. Neun Fotoserien auf 90 Seiten auf 90 Gramm-Papier – das Fotomagazin „Sicht“ punktet nicht nur mit viel fotografischer Schönheit und Kreativität, sondern auch mit klaren Ansagen. Sein Erfinder und Herausgeber Matthias M. Höhle schmunzelt. Die zufällige Zahlenspielerei am Rande macht ihm schon irgendwie Spaß. Welch schöne Zufälle sich doch manchmal im Leben aneinanderreihen. Die nächste Ausgabe liegt gerade in der Endbearbeitung und fast schon im Druck. Noch ein paar Tage, dann wird man das Magazin Nummer Fünf in den Händen halten. Am 27. Juni wird sogar nach Dresden zur großen Party geladen. Die regionale Foto-Szene freut sich bereits.

Die neun Bilderkünstler der neuesten Ausgabe kommen zwar wie bisher auch aus ganz Deutschland, doch hier in der Lausitz sitzt das kreative Herz des Ganzen. Matthias M. Höhle entwickelte 2016 im Rahmen einer Projektarbeit an der privaten Fotoakademie Dresden die Idee des etwas anderen Fotomagazins. Auch drei Jahre später hat diese Bestand. Und hat sich zu einem angesagten Produkt in der Fotografenszene entwickelt. Als der 49-Jährige vor neun Jahren begann, sich intensiver mit der Fotografie zu beschäftigten, ahnte er sicher noch nicht, was für große Kreise dies ziehen sollte. „Ich hatte schon immer eine Affinität zum Foto. Als ich ein Kind war, gab mir mein Vater eine analoge Kamera in die Hand und ich wollte sie gar nicht mehr weglegen“, erzählt der Kamenzer. Dennoch blieb er Hobbyfotograf. Als solchen bezeichnet er sich auch heute übrigens noch. Doch einen mit besonderem Blick auf die Dinge. „Ich habe mir 2010 eine richtig tolle Kamera zugelegt. Die Zeit war reif und ich dachte mir: Jetzt brauchst du nur noch die richtige Anleitung. Ich besuchte Workshops an der privaten Fotoakademie von Felix R. Krull in Dresden. Damit erfüllte ich mir einen Herzenswunsch. Und die Arbeit mit der Kamera erfüllte mich.“ In dieser Zeit lernte er übrigens auch seine künftige Lebensgefährtin, die Kamenzer Fotografin Henriette Braun kennen. Hier schließt sich der Kreis in die Lausitz.

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Abtasten und Selbstfindung

Die erste Ausgabe von „Sicht“ wurde ganze 22 Mal gedruckt, war ein reines Portfolio-Heft seiner Bilder und wurde nur an befreundete, interessierte Fotografen verteilt. Seitdem ist einiges passiert. „Viele fragen mich immer, was man sich unter dem Magazin vorstellen kann? Was uns ausmacht? Wir wollen zuerst einmal Inspirationsgrundlage sein, möchten zur Diskussion anregen. Wir sind sicherlich nur ein Beitrag in der gesamten Fotografenszene, aber wir heben uns durchaus von anderen ab“, so Matthias M. Höhle. In Zeiten der schnelllebigen digitalen Fotografie will man mit „Sicht“ zurück zum geduldigen Papier. Und weg von der Zensur. „Uns stört das Dogma diverser Foto Community. Auch über Technik schreiben die anderen. Wir drucken Fotografie. Wir finden, dass schnelles Klicken zu wenig für ein gutes Foto ist. Weil das Nachblättern in einem Heft und das Andersmachen die Fotografie entstehen lassen, die einen berührt.“ Dabei gibt es nichts, was es nicht gibt. Man ist offen für andere Sichten. Von Fotoserien mit echten Models bis hin zur Naturfotografie, Fetisch, Momentaufnahmen, experimenteller Kunst oder eher zufällig entstanden Bilder, digital oder analog fotografiert – die „Sicht“ hat ein großes Herz. Mittlerweile gibt es auch längere Texte zu den einzelnen Fotografen. Man erfährt einiges zu Beweggründen, Ansichten und bevorzugten Stilen der Künstler. Diese können sich im Vorgang mit unveröffentlichten Bildern bewerben, die Redaktion bewertet die Einsendungen und schaut, ob sie ins Magazin passen. Selbiges wird übrigens auf Ökopapier gedruckt. Hochglanzmagazine gibt es schon genug, ist man sich einig.

Für Matthias M. Höhle selbst ist die Fotografie nach wie vor ein stetes Abtasten und hat auch viel mit Selbstfindung zu tun. „Wenn es mir gelingt, meine Bilder mit dem eigenen Ich zu verbinden, dann bin ich zufrieden“, sagt der studierte Bauzeichner, der übrigens hauptberuflich in dieser Branche arbeitet und in Kamenz ein eigenes Büro führt.

In der 5. Ausgabe von „Sicht“ sind Fotografien von Luise Blumstengel, Peter Fritzsche, Olli Graf, Wiebke Kahn, Sven Legler, Kristin Richter, Leigh Schneider, Johannes Schembs und Domenic Nowak zu sehen. „Sicht“ Magazin Release 5: 27. Juni, 18 Uhr, Blaue Fabrik Dresden.

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