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Fragen von Freunden

Neue Liga mit unbekannten Spielern – Dynamos Altstars sorgen sich um die Zukunft. Doch Minge macht ihnen Hoffnung.

© nordphoto

Von Ronny Zimmermann

Als die 47. Minute läuft, blitzt der alte Dynamo-Glanz auf. Hans-Jürgen Dörner (63) hat das Abwehrzentrum verlassen und ist nach vorne geeilt. „Dixie“ muss es richten. So wie etwa in den 1970-er Jahren, als es im Europapokal gegen den FC Liverpool ging oder in der DDR-Oberliga gegen den BFC Dynamo. Dörner taucht plötzlich am Strafraum auf, legt den Ball am Gegenspieler vorbei, guckt den Torwart aus und schlenzt das Ding ins lange Eck. Tor, Dynamo führt – und gewinnt später mit 8:6.

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„Manche Sachen verlernt man eben nie“, sagt „Dixie“ und lacht. Nur der Jubel fällt etwas verhaltener aus als früher, die Mitspieler traben eher zum Abklatschen, als dass sie sich euphorisch auf den 100-fachen Nationalspieler werfen. Ist schließlich nur ein Freundschaftsspiel zwischen den Dynamo-Legenden und einer Auswahl des VfL Pirna-Copitz. Dörner aber, dem die Schweißperlen an der Stirn kleben, ist dennoch zufrieden: „Es hat Spaß gemacht, mit den alten Kollegen zu kicken. Wir freuen uns immer, wenn wir zusammen auch ein bisschen plaudern können.“

Themen beim Wiedersehen gibt es genug. Der Redebedarf ist nach dem Zweitliga-Abstieg der Profi-Mannschaft besonders groß – bei den Fans genauso wie bei den Ex-Spielern. Wird der Neuanfang gelingen? Was taugen eigentlich diese jungen, aber unbekannten Zugänge? Droht Dynamo jetzt auf Dauer die Drittklassigkeit? Rätselraten in der Dynamo-Runde.

„Der Umbruch war unvermeidbar. Jetzt muss man hoffen, dass die jungen Spieler schnell zueinander finden und sie Erfolgserlebnisse erzielen“, sagt Thomas Neubert. Er bestritt 64 Spiele für die Dresdner, stieg 2004 mit in die 2. Liga auf und avancierte damals zum Publikumsliebling. Er weiß, worauf es ankommt, wenn sich eine Mannschaft neu formieren muss: „Es wird viel davon abhängen, wie man in die Saison startet.“ Wenn es gut läuft, könne einen die Atmosphäre schnell beflügeln. Andererseits kann die junge Elf auch an den hohen Erwartungen zerbrechen, glaubt der 33-Jährige: „Aber mir macht es Mut, dass mit Kirsten, Fiel und Koch erfahrene Spieler an Bord geblieben sind.“

Vorsprung für Aue und RB Leipzig

Matthias Müller (59), zwischen 1973 und 1981 dreimaliger DDR-Meister mit den Schwarz-Gelben, sieht die Situation eher mit gemischten Gefühlen. Der Neuanfang sei zwar richtig, aber die Gefahr dennoch sehr hoch: „Aue hat sich in der 2. Liga etabliert, RB Leipzig will womöglich noch höher. Die Fußball-Landschaft sortiert sich in Sachsen gerade neu. Da muss Dynamo höllisch aufpassen, dass man nicht in dieser tückischen 3. Liga kleben bleibt.“

Der Verein musste den Spieleretat nach dem Abstieg um mehr als die Hälfte kürzen. Statt bisher rund 6,2 Millionen Euro hat Dynamo noch 2,8 Millionen Euro, um ein neues Team zusammenzustellen. Müller, inzwischen Trainer bei Bezirksligist Stahl Freital, hat dennoch Hoffnung: „Es ist eine Wundertüte. Aber warum soll das junge Team nicht mit einem offensiven Spielstil für Furore sorgen?“

Die Diskussion hat sich längst vom Rasen in die Umkleidekabine verlagert, wo Ralf Minge in der Tür steht. Dynamos Sportdirektor hat zwar das Legendenspiel verpasst, will aber trotzdem noch etwas Zeit mit früheren Mitspielern verbringen, die zu Freunden geworden sind. Schließlich stand er selbst 222-mal für Dynamo auf dem Platz und erzielte 103 Tore. Die Begrüßungen sind herzlich, die Fragen zu Dynamos Zukunft stattdessen bohrend.

Aber der 53-Jährige versteht es, seinen Plan deutlich zu erklären. „Wir werden ganz sicher keine U 19-Mannschaft aufstellen“, sagt Minge und schaut entschlossen. „Bei unseren aktuellen Bemühungen haben wir im Blick, dass wir noch zwei, drei Spieler mit mehr Reputation verpflichten werden.“ Zustimmung und Nicken bei den Altstars – hört sich gut an.

Gespräche mit Torwart Scholz

Minge spricht von einer Mannschaft, die jung ist, die unbekümmert herangehen soll und die sich „zu hundert Prozent mit Dynamo identifiziert“. Das ist ihm wichtig. Eine weitere Zusammenarbeit mit Anthony Losilla oder Romain Bregerie zum Beispiel aus dem Zweitliga-Kader schließt er jedenfalls aus: „Das ist nicht darstellbar, wir bleiben unserer eingeschlagenen Philosophie treu.“ Torwart Markus Scholz wolle er dagegen gerne in Dresden halten, die Gespräche laufen.

Dann schaltet sich „Dixie“ Dörner ein, so als wolle er von der Abwehr nach vorne preschen, um für die Entscheidung zu sorgen. Als das für sportliche Belange verantwortliche Mitglied im Aufsichtsrat kann er die Zukunft ja konkret beeinflussen. „Wir wollen ein Team aufbauen, das in zwei Jahren um den Wiederaufstieg spielt“, sagt Dörner. Keine falschen Versprechen, stattdessen ehrliche Arbeit und viel Herzblut – das ist seine Botschaft des Tages und zudem eine der zentralen Ansatzpunkte, um der SGD wieder neuen Glanz zu verleihen.