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Fragen zu Glyphosat-Einsatz

Die Gemeinde Nebelschütz will den weiteren Dialog mit der Agrar GmbH über den Einsatz von Spritzmitteln.

© dpa

Von Andreas Kirschke

Nebelschütz. Am Abend des 27. April war es windstill gewesen. Eine Dunstglocke verharrte über Nebelschütz. „Es roch nach einem Gemisch aus Altöl und Insekten-Vernichter“, erinnert sich Bürgermeister Thomas Zschornak. Die Gemeinde hatte die Sorgen der Einwohner an die Miltitzer Agrar GmbH als Verursacher, an die Naturschutz-Behörde des Landkreises und an das Landesamt für Umwelt weitergeleitet (die SZ berichtete). Jetzt liegen erste Antworten zum umstrittenen Spritzmitteleinsatz vor.

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Am 27. April, so heißt es aus dem Landesamt, seien Herbizide und Wachstumsregulatoren im Winterweizen eingebracht worden. Die Pflanzenschutzmittel wiesen eine gültige Zulassung auf. Sie seien nach Gebrauchsanleitung und in der richtigen Indikation eingesetzt worden. „Dieses Handeln entsprach den Bestimmungen der guten fachlichen Praxis im Pflanzenschutz und ist kein Verstoß gegen gültige Gesetze und Richtlinien“, so Gabriele Uhlemann, Leiterin des Förder- und Fachbildungszentrums in der Landesbehörde.

Die Miltitzer Agrar GmbH, die Getreide, Milch und Rindfleisch produziert, hat ebenfalls schriftlich reagiert. Im Schreiben vom 29. Mai forderte man die Gemeinde zum Dialog auf. Geschäftsführer Stephan Waurich: „Unsere Pflanzenschutzanwendungen werden stets nach der guten fachlichen Praxis in dem durch das Landwirtschaftsamt gesetzten und auch kontrollierten Rahmen durchgeführt.“ Dabei bot er Einblick in die sogenannte Schlagkartei an. Zudem bot er ein Gespräch zur angefragten Spritzmittel-Maßnahme an. Bis heute fand diese Klärung nicht statt. Den Vorwurf fehlender direkter Kontaktaufnahme weist Bürgermeister Thomas Zschornak zurück. Bereits im Vorjahr hatte die Gemeinde zu einem Infoabend zum Thema Glyphosat eingeladen. Dieser sei rege besucht worden. „Es wurde bereits dort kontrovers und fair diskutiert.“ Die Anfragen der Bürger nach dem 27. April habe man sehr ernst genommen. Die Gemeinde, so der Bürgermeister, wolle nicht nur Einsicht in die sogenannte Schlag-Kartei, also die Spritzmittel-Kartei, nehmen. Sie wolle auch einen Auszug daraus erhalten. „Wir wollen das Protokoll der Prüfergebnisse des sächsischen Landesamtes“, so der Bürgermeister. „Erst dann sind wir wirklich aussagefähig.“

Ständiger Ansprechpartner gewünscht

Die Aussagen der Miltitzer Bauern und des Landesamtes seien nicht zufriedenstellend. Kritische Fragen blieben weiter offen. Wurde beim Einsatz der Spritzmittel ein Abstand von 30 Metern zu nichtlandwirtschaftlichen Flächen eingehalten? Wurden die Hersteller-Angaben durch die Agrar GmbH bezüglich der Pestizide eingehalten? Bei welcher Windstärke wurden die Pestizide ausgetragen? Wären andere, weniger gesundheitsschädliche Maßnahmen für die landwirtschaftliche Pflege an besag-tem Tag möglich gewesen? Das Landesamt habe bekräftigt, dass sich Bürger dringenden Fällen an einen amtlichen Kontrolldienst (Telefon: 0351/89 28 35 01) oder an die Landesamt-Außenstelle Kamenz (Telefon-Nummer: 03578/33 74 00) wenden können. Doch was ist, wenn solche Vorfälle am Wochenende oder in der Urlaubs- und Ferienzeit passieren? In solchen Fällen, so Zschornak, müsste es ebenso einen ständigen Ansprechpartner geben.

Die Gemeinde will demnächst Fachleute zu einer weiteren Info-Veranstaltung einladen. Auch ein Tag der offenen Tür bei der Miltitzer Agrar GmbH wäre sinnvoll, meint man. Zschornak: „Es geht uns um einen sachlichen Dialog. Und auch um die Existenz unserer landwirtschaftlichen Betriebe, also auch um Arbeitsplätze.“ Für eine Stellungnahme in der SZ war Geschäftsführer Stephan Waurich nicht zu haben.

Inzwischen erreichte die Gemeinde auch eine Beschwerde aus Dürrwicknitz. Die Einwohner fühlen sich durch den Schwerlast-Verkehr der Miltitzer Agrar GmbH belästigt und gefährdet ...