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Hoyerswerda

Franziska Tennhardt verlässt Hoyerswerda

Die Wirtschaftsfördererin wechselt in die private Wirtschaft: Sie geht nach Dresden.

Franziska Tennhardt kurz nach dem Dienst-Antritt in Hoyerswerda. Die Wirtschaftsfördererin verlässt jetzt das Rathaus.
Franziska Tennhardt kurz nach dem Dienst-Antritt in Hoyerswerda. Die Wirtschaftsfördererin verlässt jetzt das Rathaus. © Archivfoto: Gernot Menzel

Von Angela Donath

Hoyerswerda. Seit dem 16. Mai 2016 ist Franziska Tennhardt die Ansprechpartnerin und das freundliche Gesicht für alles, was im engeren und weiteren Sinn mit Wirtschaftsförderung in der Stadt Hoyerswerda zu tun hat – oder besser hatte. Am 17. März war ihr letzter Arbeitstag im Hoyerswerdaer Rathaus, ihr beruflicher Weg führt sie weiter. Wir sprachen mit ihr zum Warum und Wie und zum „Wie weiter?“.

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Frau Tennhardt, wie sind Sie vor fast vier Jahren auf die freie Stelle der Wirtschaftsförderung in Hoyerswerda gestoßen?

Nun, ich habe die Ausschreibung gelesen. Ich hatte mein Studium mit der Ausrichtung Stadtplanung/Geografie an der TU Dresden noch nicht lange beendet und arbeitete als wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Uni. In Hoyerswerda bot sich die Chance, in die Praxis zu wechseln. Ich habe mich beworben und wurde genommen. Hoyerswerda war mir nicht grundsätzlich neu. Als Studentin hatte ich an einer Exkursion nach Hoyerswerda teilgenommen. Ich fand die Stadt interessant. Ich komme aus Grimma, die Facetten einer kleineren Stadt sind mir also nicht unbekannt.

Wissen Sie noch, welche Projekte Sie als Erstes in Angriff genommen haben?

Ja klar, zunächst wollte ich die Strukturen und die wirtschaftliche Situation in der Stadt kennenlernen. Ich habe mich in den Unternehmen angemeldet, um mit den Gewerbetreibenden direkt ins Gespräch zu kommen. Das wurde von vielen honoriert und wenn es die Zeit des Oberbürgermeisters zuließ, war er auch mit dabei. Ich denke, ich werde in über 100 Betrieben gewesen sein und habe dort mein Aufgabenfeld vorgestellt. Das umfasste Fördermittelberatung, Machbarkeitsstudien oder Grundstücksfragen ...

Welche Unternehmensansiedlung haben Sie direkt begleitet?

Da fällt mir spontan der „Schimang Umweltservice“ in der Ackerstraße ein. Doch die städtische Wirtschaftsförderung war auch beteiligt an der Erweiterung von Yados, dem Umzug vom Kinderland Böhm oder dem Neubau der Spielothek in der Einsteinstraße. Man hört ja immer wieder die Meinung, in Hoyerswerda gäbe es so gut wie keine Wirtschaft. Hier muss ich wirklich widersprechen. In Hoyerswerda arbeiten viele kleinere Betriebe, die ihre Ideen einbringen und sich ganz stark für die Stadt und die Region engagieren.

Wollen Sie Beispiele nennen?

Aber ja, da fallen mir viele ein. Denken Sie nur an solche Projekte wie „Licht an!“ im September 2018 im Industriegelände. Über 3.000 Besucher hatten sich damals auf den Weg ins Industriegelände gemacht und staunten, was da geleistet wird. Es gab spontane Stellenbewerbungen, und die Unternehmer selbst waren ebenfalls überrascht. Nicht alle wussten, wer da in unmittelbarer Nähe arbeitet, wer was produziert und welche Dienstleistungen hier möglich sind. Toll war, wie die Unternehmen für das Projekt zusammengearbeitet haben: Die städtischen Wirtschaftsunternehmen stellten Busse bereit; viele kleine lockten mit Bands, Kultur und Infoständen – und natürlich mit Getränke- und Speisenangeboten. Aber auch Projekte wie die Testläden in der Altstadt wurden gut angenommen und die Zusammenarbeit mit dem City-Management, das ja auch Ideen entwickeln, vernetzen und zusammenführen soll, wurde immer besser.

Apropos Zusammenarbeit: Wer sind die Wirtschaftspartner außerhalb der Stadtverwaltung?

Viele! Die städtischen Wirtschaftsbetriebe und das City-Management hatte ich schon genannt. Wertvolle Partner sind die IHK (also die Industrie- und Handelskammer), ferner die Handwerkskammer, das Existenzgründerzentrum Lautech, der Landkreis Bautzen, die Städte und Gemeinden im Umland, die Partner im Lausitzer Seenland und viele mehr. Wirtschaftsförderung in Hoyerswerda heißt auch Tourismusförderung. Zu diesem Themenkreis gibt es die halbjährlich stattfindenden Treffen der Touristiker und auch hier werden Ideen entwickelt, gebündelt und je nach Machbarkeit umgesetzt. Derzeit stehen neue Beherbergungsstätten kurz vor der Fertigstellung. Hier in der Stadt sind vor allem die Kultur- und Freizeitangebote und der Handel das Pfund, mit dem gewuchert werden kann. Das Standortmarketing für Hoyerswerda muss noch verstärkt werden. Der neue Marketingverein ist ein wichtiger Schritt in diese Richtung.

Gibt es ein Extra, das Sie speziell erwähnen möchten?

Zum Standortmarketing fallen mir außerdem die kleinen, liebenswerten Dinge ein, die wir gemeinsam mit dem Stadtrat auf den Weg gebracht haben: Die Willkommensbeutel für Neubürger beispielsweise, die wir mit den städtischen Unternehmen im wahrsten Sinne des Wortes gepackt haben. Sie enthalten eine Menge Infos zu allem, was man zum Leben in Hoyerswerda wissen sollte; sie sind eine freundliche Willkommensgeste. Zugegeben: Allein wegen dieses Beutels zieht niemand nach Hoyerswerda. Aber bei der Anmeldung im Bürgeramt soll der Zugezogene einfach spüren: „Hier freut man sich, dass ich da bin.“

Ihr beruflicher Weg führt Sie nun weiter. Hatten Sie das schon länger geplant?

Nein, das hatte ich nicht. Ich habe mich hier wohlgefühlt und ich denke, ich habe mich auch eingebracht. Aber das Jahr 2020 wird viele Veränderungen für die Stadt bringen. Das hat mich veranlasst, selbst auch über einen Neuanfang nachzudenken. Und wieder hat es gleich gepasst: Ich wechsle in die private Wirtschaft nach Dresden – und bin so wieder näher dran an meinen Eltern.

Man hört, Sie gehen gern und weit wandern. Von den Kollegen gab es deshalb zum Abschied einen Gutschein für neue Wanderschuhe. Wir wünschen Ihnen viel Glück und Erfolg bei allen anstehenden Wanderungen, in jeder Hinsicht. Vielleicht führt Ihr Weg auch mal wieder nach Hoyerswerda?

Ja, das Straßentheaterfest der KulturFabrik im Sommer an der Braugasse 1 steht ganz dick in meinem Kalender unterstrichen. Da wäre ich gerne wieder dabei.

Für das Gespräch (und Jahre enger und angenehmster Zusammenarbeit im Rathaus) bedankt sich Angela Donath.